Welche Schwerpunkte würden Sie noch als OB setzen?
Güntner: Wir müssen nicht nur unsere Pflichtaufgaben als Stadt erfüllen, sondern darüber hinausgehen. Uns fehlen derzeit rund 200 Krippenplätze, die wir in den Ortsteilen, aber auch in der Innenstadt schaffen müssen. Ich denke da beispielsweise an die Umnutzung der ehemaligen Musikschule. Mir fehlt ein alternativer Träger wie Montessori in der Stadt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt natürlich im Thema Wohnen.
Das Sie wie angehen wollen?
Güntner: Der Gedanke „Innen vor außen“ ist grundsätzlich richtig, aber wir brauchen auch neue Baugebiete in den Ortsteilen. Wir wollen, dass die jungen Leute in Kitzingen bleiben und nicht ins Umland ziehen. Entscheidend ist deshalb eine vorausschauende Bodenpolitik. Wir müssen Reserven schaffen. Unser Liegenschaftsmanagement muss besser werden.
Was ist in den letzten zwölf Jahren versäumt worden?
Güntner: Wir haben unsere Pflichtaufgaben erfüllt, vor allem bei den Schulen viel gebaut. Aber es fehlt der große Wurf in der Stadtentwicklung. Mein Ziel ist es, dass sich die Kitzinger in ihrer Stadt wohl fühlen. Die Innenstadt muss ein Wohlfühlbereich werden.
Was kann die Stadt dazu beitragen?
Güntner: Bisher haben wir viel von Privatinvestoren profitiert. Jetzt muss die Stadt selbst ihren Beitrag leisten, indem sie beispielsweise die Verkehrsflächen attraktiver gestaltet. Für entscheidend halte ich auch die Markenpositionierung.
Kitzingen hat sich als Slogan „Die grüne Stadt im Fluss“ ausgedacht.
Güntner: Das Ergebnis eines Workshops vor acht Jahren. Jetzt stehen wir ganz woanders. Das Thema „grüne Stadt“ ist längst kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Ich würde den Prozess neu aufrollen und erst einmal unsere Positionierung hinterfragen.
Wie sieht Ihre Vision für Kitzingen im Jahr 2030 aus?
Güntner: Es wäre schön, wenn Kitzingen dann tatsächlich eine liebens- und lebenswerte Stadt für alle Generationen ist. Dafür brauchen wir Wohnraum in allen Preiskategorien. Die Stadt hat dabei die Aufgabe, den privaten Investorenmarkt durch sozialen Wohnungsbau zu flankieren.
Wie wollen Sie die Bürger in die Entscheidungen mit einbinden?
Güntner: Indem wir sie ganz am Anfang eines Prozesses mit ins Boot holen. So nehmen wir ihnen Ängste und beugen Gerüchten vor. Auch für die Planer ist es sinnvoll, die Nachbarn rechtzeitig einzubeziehen. Die Breslauer Straße ist für mich ein Negativbeispiel. Da haben wir die Bürger erst informiert, als schon alle Planungen fertig waren.
Braucht es ein Staatsarchiv in Kitzingen?
Güntner: Es ist gut, dass wir das Deuster-Areal endlich entwickeln. Ich denke, dass das Stadtbild aufgewertet wird. In gewissem Umfang kommen uns die Investitionen ja zu gute. Das grüne Klassenzimmer und die Parkplätze sind jedenfalls ein Plus.
Braucht es ein Stadtmuseum?
Güntner: So ein Museum sollte ein Werbefaktor für eine Stadt sein. Deshalb müssen wir es anders aufstellen als bisher. Ich wünsche mir eine Ausrichtung an unserer Stadtgeschichte. Wenigstens zehn Prozent der Kitzinger sollten einmal pro Jahr den Anreiz haben, dorthin zu gehen. Mit archäologischen Funden alleine funktioniert das nicht.
Braucht es eine Vinothek?
Güntner: Auf jeden Fall. Die Weinbar „1482“ hat gezeigt, wie attraktiv so ein Angebot für die Kitzinger ist.
Wie schätzen Sie Ihre Chancen für die Wahl ein?
Güntner: Viele Leute schieben mir die Favoritenrolle zu, weil ich vor sechs Jahren knapp in der Stichwahl verloren habe. Aber ich weiß: Von diesem vermeintlichen Favoritenstatus kann ich mir nichts kaufen. Am 15. März geht es bei Null los.