Liebe für lebende Panzer

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„Otto“, die Spornschildkröte, kann bis zu 80 Kilogramm schwer werden. Er grast halt auch so gern... FOTO Diana Fuchs
Diana Fuchs
Ein Mitglied der agilen „Rentner-Gang“: „Waldburgi“ (sie wurde zwischen Wald und Burg in Würzburg gefunden) macht einen Kontrollgang durchs Gehege.
Diana Fuchs
Ein Mitglied der agilen „Rentner-Gang“: „Waldburgi“ (sie wurde zwischen Wald und Burg in Würzburg gefunden) bei einem kleinen Streifzug zwischen den ...
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Trotz - oder gerade wegen - der Gaumenspalte und des fehlenden Nasenlochs ist Emma eine ganz besondere Schildkröte ...
Diana Fuchs
Otto, der Große...
Foto: Diana fuchs
Kleiner Snack zwischendurch: Spornschildkröte Otto grast für sein Leben gern. FOTO Diana Fuchs
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Sandra Malguth, Leiterin der Schildkröten-Auffang-Station Hoheim, liebt die kleinen, aber auch die großen Tiere. FOTO Diana Fuchs
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„Schrumpel“ schmeckt's wieder.
Foto: Diana Fuchs
Sandra Malguth, Leiterin der Schildkröten-Auffang-Station Hoheim, liebt die kleinen, aber auch die großen Tiere.
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Ein Mitglied der agilen „Rentner-Gang“: „Waldburgi“ (sie wurde zwischen Wald und Burg in Würzburg gefunden) bei einem kleinen Streifzug zwischen den ...
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Bei ihm ist der Name Programm: „Bazi“ ist super-neugierig und würde am liebsten über die Umrandung des Gewächshauses hüpfen.
Diana Fuchs
Ganz lässig mit Grashalm im Maul: Otto, die Spornschildkröte, kann 80 Kilo schwer werden.
Fotos: Diana Fuchs
Physiotherapie für eine Schildkröte: Nach 30 Jahren auf dem PVC-Küchenboden muss „Schrumpel“ wieder laufen lernen.
Diana Fuchs
Vom BASF gesponsert: Das neue Glashaus der Schildkröten-Auffangstation Hoheim bietet den Tieren optimale Bedingungen und Sandra Malguth die Gelegenheit, sie besonders intensiv pflegen und ...
Diana Fuchs
Trotz - oder gerade wegen - der Gaumenspalte und des fehlenden Nasenlochs ist Emma eine ganz besondere Schildkröte ...
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Norbert ist von einem Dackel gebissen worden. Emma hat nur ein Nasenloch und deshalb Atem-Probleme. Schrumpel wurde 30 Jahre lang auf einem PVC-Küchenboden gehalten. Norbert, Emma und Schrumpel haben trotz allem Glück: Sie sind in der Schildkröten-Auffangstation Kitzingen-Hoheim gelandet. Hier verheilen Verletzungen, hier gibt es Hilfe bei Atemnot und – für Schrumpel – aktuell sogar Physiotherapie.

„Sie soll wieder laufen lernen.“ Sandra Malguth lächelt, während sie unter dem Panzer des Tieres längliche Hölzchen platziert. Schrumpel wird quasi aufgebockt. Ihre Arme und Beine beginnen zu rudern – denn: Direkt vor sich sieht die Griechische Landschildkröte leckeren Mohn. Da will sie hin.

Schrumpel gibt alles. Sie reckt die Glieder und streckt sie – und trainiert so die Muskeln und Sehnen, die nach 30 Jahren auf dem Plastikboden verkümmert sind. „Wir üben jetzt schon ein paar Wochen lang. Sie macht prima Fortschritte“, freut sich Sandra Malguth, während sie die Vorderbeine des Tieres massiert.

Die 45-jährige Hoheimerin liebt Schildkröten – und ganz besonders Problemkinder. Seit sie vor 17 Jahren Daggy bekam, ihr Schildkrötenmännchen, ist Sandra Malguth fasziniert von den Reptilien mit den scharfen Augen, die sogar Infrarot- und Ultraviolett-Strahlung sehen.

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Weil Sandra Malguth sich für die Gepanzerten interessierte, eignete sie sich im Lauf der Zeit ganz automatisch ein großes Fachwissen an. So kam es, dass immer mehr Schildkrötenfreunde ihren Rat suchten und immer mehr Fund- oder nicht artgerecht gehaltene Tiere in Hoheim landeten. Im Januar 2012 gründeten Sandra Malguth und Gleichgesinnte den Verein „Schildkröten-Auffangstation Kitzingen e.V.“, der mittlerweile 183 Mitglieder hat. Die Mitglieder tragen den Verein finanziell. Alle, die in der Station in Hoheim mitarbeiten, tun dies ehrenamtlich.

Nachdem alle Tiere aus der Winterstarre erwacht sind, geht es jetzt richtig rund. In den Glashäusern und Freigehegen sonnen sich „Schildis“ aller Größe. Zauneidechsen und Bienen gesellen sich dazu, Käfer, Vögel, Schmetterlinge. Es ist ein grünes Paradies mitten in Hoheim.

Ein tierisches Paradies, das menschlichen Einsatz verlangt. Ohne ihre Stellvertreterin Heike Feser, ihre Familie, Freunde, Vereinsmitglieder und derzeit drei Schülerinnen, die ein „freiwilliges engagiertes Schuljahr“ absolvieren, könnte Sandra Malguth die viele Arbeit mit 60 bis 70 Tieren nicht stemmen. „Ich hätte nie gedacht, dass die Station einmal so groß werden würde“, sagt die Mutter zweier Teenager, die jeden Früh und Abend frische Kräuter für die Hungrigen in den zwei Dutzend Gehegen erntet. Hier sind alle europäischen Arten zu Hause, Vier-Zehen-Schildkröten, Breitrandschildkröten, Maurische und Griechische Landschildkröten sowie subtropische Sporn- beziehungsweise Pantherschildkröten.

18 Tiere auf der Warteliste

Die Tierschützer könnten sogar noch mehr Platz brauchen. „18 Tiere stehen auf der Warteliste.“ Ihre Besitzer sind meist ältere Menschen, die ihre Schildkröten nicht mehr optimal versorgen können. Sandra Malguth nimmt sie auf, sobald sie Platz hat – sprich: Wenn sie andere Schildkröten in liebevolle Hände vermittelt hat. „Lebenssituationen können sich ändern – Leute trennen sich oder ziehen um, haben keinen Raum mehr für ihr Tier“, zeigt Sandra Malguth ein gewisses Verständnis für Haltungsprobleme. „Trotzdem – oder gerade deswegen – schaue ich mir Interessenten genau an. Sie müssen sich der Verantwortung bewusst sein.“

Die Hoheimerin hat schon die tollsten Sachen erlebt. Die früheren Besitzer des Schildkrötenmanns „Bazi“ haben ihr Tier zum Beispiel jedes Jahr mit in den Urlaub am Gardasee genommen, ihm ein Fähnchen auf den Rücken geklebt und auf dem Campingplatz frei herumlaufen lassen. So wurde „Bazi“ zum „König vom See“, jeder hat ihn gefüttert und mit ihm gespielt – und er hat jedes normale Verhalten verlernt. „Ein anderes Beispiel für nicht artgerechte Haltung ist Elfriede. Ihr hatte jemand mit schwarzem Klebeband einen Hundepeilsender auf den Panzer gepappt“, berichtet Malguth.

„ Jeder, der eine Schildkröte haben möchte, muss wissen, dass so ein Tier 80 oder 90 Jahre alt werden kann. Und dass es Platz braucht, Wärme, frisches Grün, Erde zum Buddeln.“ Letzteres hatte Schrumpel nicht. Im August 2015 hatte sie Eiterbeulen, Entzündungen an den Armen und unter den Nägeln. Sie war dem Tod näher als dem Leben. Tierarzt Tobias Friz linderte ihre Schmerzen und heilte die Wunden. Dann kam sie in Sandra Malguths Obhut.

Sie wohnt nun im neuen BASF-Glashaus der Station. So heißt das geräumige Wärmehaus, weil es von der Firma finanziert wurde: Zwei Vereinsmitglieder, die auch BASF-Mitarbeiter sind, haben für das gemeinnützige Projekt 5000 Euro gewonnen. „Das Haus ist eine tolle Bereicherung für die Station“, ist Sandra Malguth glücklich. „Hier kann ich Problemkinder viel besser beobachten. Oder mit ihnen arbeiten, wie mit Schrumpel.“ Gestern hat es die Schildi-Dame zum ersten Mal aus eigener Kraft geschafft, aus dem Glashaus hinaus ins Freigehege zu krabbeln. Sandra Malguth strahlt: „Das hat mich total gefreut!“

Vortrag/Infos: Am heutigen Freitag, 15. April, hält Sandra Malguth auf Einladung der Reptilienfreunde Gerolzhofen einen kostenfreien Vortrag über die artgerechte Haltung europäischer Schildkröten. Ab 19.30 Uhr sind alle Interessierten im Gasthaus Ach, Steigerwaldstraße 37 in Gerolzhofen, willkommen (www.landschildkroeten-auffangstation-kitzingen.de).