Gemeinden im Landkreis (27): Martinsheim stehen einige große Aufgaben ins Haus
Einen eigenen Metzger gibt es in den vier Ortsteilen nicht. Einen eigenen Bäcker auch nicht. Nicht mal ein Rathaus, in dem er seine Sprechzeiten oder Sitzungen abhalten könnte, hat Bürgermeister Rainer Ott. Wohl aber eine Schule – und sogar ein Freibad. Auf den ersten Blick ist Martinsheim eine eher ungewöhnliche Gemeinde.
1020 Einwohner hat Martinsheim mit den Ortsteilen Enheim, Gnötzheim und Unterickelsheim derzeit. „Es pendelt immer so zwischen 1000 und 1050“, sagt Rainer Ott, der seit 2014 an der Spitze der Gemeinde steht. Wie andere Kommunen an der Landkreisgrenze ist Martinsheim durch die Gebietsreform aus Orten entstanden, die einst zu verschiedenen Kreisen gehörten – Unterickelsheim und Gnötzheim zu Uffenheim, Martinsheim und Enheim zu Kitzingen. Heute merkt man nichts mehr davon. „Das ist zusammengewachsen“, sagt Rainer Ott. „Schon alleine durch Kindergarten, Hort, Schule und den Sportverein.
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“ Ein Verein mit einer Sportanlage, die ihresgleichen sucht. „Unser Sportplatz ist einer der schönsten im Landkreis“, stellt der Bürgermeister stolz fest. Fast jeden Tag ist für die Bürger was geboten, Gymnastik für alle Altersklassen, Walking, Radfahren. Und natürlich Fußball. Da haben sich die Martinsheimer mit Marktbreit zusammengetan. Eine erfolgreiche Kicker-Ehe.
Den Bürgern und vor allem der Jugend etwas zu bieten, hält Ott für sehr wichtig. „Man will ja, dass die im Ort bleiben.“ Deshalb macht ihm auch die Bauplatz-Situation ein kleines bisschen Sorten. In Enheim gibt es ein Baugebiet, in Gnötzheim und Martinsheim „könnte man was brauchen“, sagt er. In den Siedlungen sind teilweise Bauplätze frei, aber sie sind in Privateigentum. Verkaufen will da kaum einer. Und so merkt man im Gespräch mit dem Bürgermeister recht schnell, dass es Martinsheim in den meisten Punkten eben doch ganz genauso geht wie allen anderen Gemeinden auch.
Was die Kinderbetreuung betrifft, ist die Versorgung in Martinsheim gut. Es gibt den gemeindlichen Kindergarten und den Hort, den etwa 30 Kinder besuchen. Die Grundschüler werden in der eigenen Schule unterrichtet. Gab es dort mehrere Jahre lang einen gemeinsamen Rektor mit Marktbreit, so hat Martinsheim seit Anfang des Schuljahres sogar wieder eine neue, eigene Schulleiterin im Ort. Etwa 65 Schüler werden derzeit im Schulhaus dort unterrichtet, sie kommen aus den vier Ortsteilen sowie aus Wässerndorf und Gnodstadt. Die Nachwuchssituation passt: 21 Erstklässler wurden im September eingeschult, alleine sechs davon aus Unterickelsheim“, was Ott natürlich freut.
„So ein Schwimmbad kann man nicht einfach
zu machen. Auch wenn die Gemeinde Geld drauf legt.“
Das Schulgebäude hat schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel, es wurde 1966 errichtet. „Irgendwann sind Isolierung, Heizung und Dach mal fällig“, weiß der Bürgermeister. Und auch, dass „irgendwann“ nicht allzu weit weg sein wird. Aber bevor die Gemeinde Geld in die Hand nimmt, will man natürlich erst mal wissen, wie es mit der Schule weitergeht – und hofft, dass die Wiederbesetzung der Rektorenstelle als Zeichen für die Standortsicherung gesehen werden darf.
Auch für das Freibad stehen in nicht allzu ferner Zukunft Ausgaben an. 1976 wurde es gebaut, liegt mitten in Gnötzheim und ist natürlich ein besonderes „Bonbon“ nicht nur für die Ortsansässigen. Jetzt wird erst mal die Misch- und Regeltechnik auf Automatik umgestellt, einige Leitungen werden ausgewechselt. Die Angebote werden eingeholt, Ott rechnet mit Kosten in Höhe von etwa 20 000 Euro. „So ein Schwimmbad muss man erhalten“, steht für ihn fest.
„Das kann man nicht zu machen, auch wenn die Gemeinde drauflegt.“ Die Devise ist klar: Den Badebetrieb soll auf jeden Fall bestehen bleiben. Zu einem Luxusbad wird Gnötzheim aber nie werden. Das kann sich die Gemeinde schlicht und einfach nicht leisten.
Auf große Gewerbesteuereinnahmen kann Martinsheim nämlich nicht zurückgreifen. „Ein bisschen Steuern kriegen wir über die Photovoltaikanlagen“, so Ott. Große Betriebe fehlen bislang. Eine Chance, sie zu gewinnen, könnte das geplante gemeinsame Gewerbegebiet mit Obernbreit und Marktbreit sein, das an der Autobahnanschlussstelle der A7 entstehen soll.
Was die Versorgung mit Lebensmitteln angeht, sind die Bewohner der vier Ortsteile auf fahrende Metzger und Bäcker angewiesen. Allerdings gibt es in der landwirtschaftlich geprägten Gemeinde einige Hofläden und Direktvermarkter. Eingekauft wird meist in Marktbreit oder auch in Uffenheim. „Viele gehen auch noch dort zum Arzt.
Die Verbindung nach Mittelfranken ist noch eng“, so Ott. Das wird auch in anderen Punkten deutlich: Ein Teil der Telefonanschlüsse der Großgemeinde gehört zum Marktbreiter Ortsnetz, der andere nach Ippesheim. Und auch die Kirchengemeinden sind getrennt. Beim öffentlichen Personennahverkehr ist allerdings lediglich die Verbindung nach Marktbreit gut, nach Uffenheim fährt nur der Schulbus. Ein großes Plus für die Bürger ist der Bürgerbus, den die Gemeinde gemeinsam mit Seinsheim betreibt. 1000 Personen nutzen ihn pro Jahr, vor allem Ältere nehmen das Angebot gerne wahr.
Einkehrmöglichkeiten sind in Martinsheim Mangelware, an die Stelle von Gaststätten sind Bewirtungsmöglichkeiten in den Alten Schulen oder im Feuerwehrhaus getreten. „In Enheim, Gnötzheim und Martinsheim organisiert das die Gemeinde, in Unterickelsheim der Bürgerverein.“
Zwar investiert die Gemeinde derzeit Geld in die Alten Schulen in Gnötzheim und Martinsheim, doch eine deutlich größere Belastung steht durch die Kanalisation und die Kläranlagen an. Drei Kläranlagen gibt es für die vier Ortsteile, wobei die Gnötzheimer noch am besten in Schuss ist, so Ott. Ein Anschluss an den Abwasserverband Ochsenfurt/Winterhausen wird geprüft. In den nächsten zwei, drei Jahren, so der Bürgermeister, werde sich hier auf jeden Fall etwas tun. Und auch für Kanalsanierungen wird die Gemeinde in die Kassen greifen müssen. Der Flächenkauf für Baugebiete und das interkommunale Gewerbegebiet, der Breitbandausbau, das Leichenhaus Unterickelsheim, der Spielplatz Unterickelsheim, das Auto für die Enheimer Feuerwehr – die Liste der in Auf- und damit Ausgaben ist nicht kurz. Und da steht ja auch schon das Schwimmbad drauf – der Luxus für die kleine Gemeinde, der nur auf den ersten Blick einer ist.
Martinsheim
Martinsheim liegt im südlichen Landkreis, gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Marktbreit und setzt sich aus den Ortsteilen Martinsheim, Enheim, Gnötzheim und Unterickelsheim zusammen. Ende Dezember 2014 lebten dort 1012 Bürger. Es gibt einen gemeindlichen Kindergarten, einen Hort sowie eine Grundschule, in der die Kinder aus den Ortsteilen sowie aus Wässerndorf und Gnodstadt unterrichtet werden. Eine Besonderheit ist sicherlich das Freibad im Ortsteil Gnötzheim, das von der Gemeinde betrieben wird. Große Gewerbebetriebe gibt es nicht, die Orte sind überwiegend landwirtschaftlich geprägt. Bürgermeister Rainer Ott ist seit 2014 im Amt.