Kartonhaus aus Kitzingen als Unterkunft für Flüchtlinge?
Autor: KTlrd
Kitzingen, Dienstag, 08. Sept. 2015
Alfred Konnerth ist guter Dinge. Seine Erfindung kann ein drängendes Problem lösen. In Deutschland und in den Krisenregionen dieser Welt. Konnerth hat eine neuartige Unterkunft für Flüchtlinge entwickelt. Jetzt fehlt nur ein großer Auftraggeber.
Alfred Konnerth ist guter Dinge. Seine Erfindung kann ein drängendes Problem lösen. In Deutschland und in den Krisenregionen dieser Welt. Konnerth hat eine neuartige Unterkunft für Flüchtlinge entwickelt. Jetzt fehlt nur ein großer Auftraggeber.
Innopark in Kitzingen: Wo früher die US-Soldaten stationiert waren, tüfteln jetzt deutsche Unternehmen an Lösungen für die Zukunft. Völlig unscheinbar steht eine mögliche Lösung für Flüchtlingslager in Krisenregionen in einem abgeschlossenen Bereich des ehemaligen Kasernengeländes. „Vor einem Jahr haben wir unseren Prototypen des Kartonhauses hier aufgestellt“, erklärt der Architekt aus Mainbernheim und deutet auf ein zirka sechs auf 3,5 Meter großes Haus aus Karton.
1#googleAds#100x100Von außen macht das Gebilde nicht viel her. Das Innere überrascht: Zwei Zimmer, durch eine Kartonwand abgetrennt, ein Schlafraum und ein Aufenthaltsraum mit Tisch. Eine Folie am Boden, eine auf dem leicht schrägen Dach. Die Wände aus Karton sind trocken. Kein unangenehmer Geruch, keine Feuchtigkeit im Inneren. Nach einem Jahr. Nach Schnee, Gewitter, Regen und Sturm.
Alfred Konnerth setzt sich an den Tisch und erzählt. Von seinem Treffen mit Bernhard Pammer, dem ehemaligen Geschäftsführer des Bezirksverbandes der Arbeiterwohlfahrt. Von dessen Wunsch, den Bürgerkriegsflüchtlingen auf der Welt eine bessere Unterkunft als die herkömmlichen Zeltstädte zu bieten. Und von seinen eigenen Überlegungen.
Konnerth ist ein Tüftler. Mit Tatsachen will er sich nicht zufrieden geben. Die ständerlose Montage-Trennwand hat er schon vor mehr als zehn Jahren erfunden, später eine klappbare Wand aus Karton. Der Schritt zum Kartonhaus war nicht mehr weit. In seinem Garten in Mainbernheim hat Konnerth experimentiert. Nach einigen Versuchen war es Zeit für den Prototypen. Außer ein paar Dachlatten, Kartons und Nägeln, Schrauben oder Klammern wird kein Material benötigt. „Unsere Unterkünfte können einfach und von jedermann zusammengebaut werden“, versichert Konnerth. Zwei Helfer reichen. Flüchtlinge könnten in die Arbeit gut eingebunden werden.
Die Materialien bestehen überwiegend aus nachwachsenden Rohstoffen. Sollten die Unterkünfte nicht mehr gebraucht werden, können die Materialien erneut zum Bau verwendet werden. Oder einfach verbrannt werden, um damit zu heizen oder zu kochen.
Der Vorteil gegenüber einem Zelt? Alle Wände sind senkrecht, das Pultdach lässt den Regen abfließen, der Wind kann an keiner Zeltplane rütteln und nächtliche Geräusche verursachen, Zwischenwände gewährleisten zumindest ein wenig Privatsphäre. „Es handelt sich um eine feste und langlebige Unterkunft“, sagt Bernhard Pammer. Drei bis fünf Jahre hält so ein Kartonhaus nach seinen Worten. Und es ist beliebig erweiterbar. Haus an Haus könnte errichtet werden, die jeweilige Größe individuell auf die Lage vor Ort abgestimmt werden.