Landkreis Kitzingen

Über viele Wochen hinweg mussten sie den Mangel verwalten – und sich Anfeindungen anhören. Jetzt haben sie zu viel Impfstoff – und sind auf der Suche nach Impfwilligen. Leicht haben es die Mitarbeiter von Landratsamt und BRK nicht. Ein neues und flexibles Corona-Impfkonzept soll jetzt die Impfquote im Landkreis Kitzingen steigern. „Wir bringen die Impfung zu den Menschen“, benennt Landrätin Tamara Bischof das Motto.

Erstes Standbein – Sonderimpfaktionen:

Montagnachmittag, 13.30 Uhr: Am Impfzentrum in den Marshall-Heights hat sich eine Schlange gebildet. Nicht sehr lang, aber immerhin: Rund ein Dutzend Menschen warten auf ihre Impfung. Mit dabei Florian Pfeiffer. Mitte Mai hatte er seine erste Impfung beim Hausarzt erhalten: AstraZeneca. Jetzt wollte er einen mRNA-Stoff. Ein Anruf beim Impfzentrum des Landkreises in den Marshall-Heights und zehn Minuten später hatte er seinen Termin. Hinter Florian Pfeiffer wartet Verena Binzenhöfer auf ihren ersten Impftermin. Ein wenig Bedenken hatte die Volkacherin im Frühjahr, wollte sich erst eingehend über die Thrombose-Gefahr erkundigen. Als sie soweit war, um sich impfen zu lassen, schloss ihr Hausarzt die Praxis. Einfach und unkompliziert wollte sie an einen Termin herankommen. Die Sonderimpfaktion kam da gerade recht.

„Weder Registrierung noch Terminvereinbarung sind nötig“, erklärt BRK-Geschäftsführer Felix Wallström. Einfach vorbeikommen, Personalausweis, Impfausweis und gegebenenfalls Allergiepass mitbringen. Alles andere erledigen die Mitarbeiter vor Ort. Die nächsten Sonderimpfaktionen finden am Samstag, 24. Juli, von 8 bis 12 Uhr und am Freitag, 30. Juli, von 8 bis 12 sowie 14 bis 17 Uhr statt. Verimpft wird jeweils Biontech.

Zweites Standbein – Mobiler Impfbus

Ab dem 26. Juli soll der umgebaute Bus, der bislang als mobiles Testzentrum im Einsatz war, an verschiedenen Orten des Landkreises unterwegs sein. Am Kaufland in Kitzingen, am Einkaufspark in Volkach, am Freizeitland in Geiselwind sowie am Einkaufspark in Iphofen. Auch hier gilt: Wer kommt, wird geimpft. Auch Bürger von außerhalb des Landkreises. Die genauen Termine werden noch gemeldet. „Wir schauen, wie das Angebot angenommen wird, und justieren dann nach“, kündigt Tamara Bischof an. Durchaus möglich, dass der Impfbus auch andere Gemeinden im Landkreis anfährt.

Drittes Standbein – bedarfsorientierte Öffnungszeiten:

400 Impfungen könnten an einem einzigen Tag im Impfzentrum über die Bühne gehen. „Der Stoff ist da, das Personal sowieso“, sagt Felix Wallström. Die Bürger können neuerdings sogar wählen, welchen Impfstoff sie erhalten wollen. Allein: Es kommen zu wenig Menschen. Rund 100 waren es bei den bisherigen Sonderimpfaktionen, an normalen Werktagen weniger. „In den letzten Wochen hatten wir schon viel Leerlauf“, sagt die Leiterin des Impfzentrums, Isabella Tregel. Acht bis zehn Mitarbeiter müssen im Wechselschicht-Betrieb vorgehalten werden, die Ärzte noch gar nicht eingerechnet. Vor etwa sechs Wochen habe man einen Wechsel gespürt. War der Andrang bis dahin groß – „es kamen auch Leute ohne Termin, die wir abweisen mussten“ –, ist das Interesse seither abgeflaut. Im Urlaubsmonat August könnte das Interesse noch einmal sinken, fürchten die Verantwortlichen. „Wir haben die Öffnungszeiten deshalb angepasst“, sagt Wallström. Gerade für die arbeitende Bevölkerung sollen die neuen Zeiten, die ab dem 1. August gelten, attraktiver sein: Montag, Mittwoch und Freitag von 9 bis 14 Uhr, Dienstag und Donnerstag von 14 bis 19 Uhr und Samstags von 9 bis 17 Uhr. „Auch außerhalb dieser Öffnungszeiten sind Termine nach telefonischer Vereinbarung durchaus möglich“, versichert Wallström. Mit anderen Worten: Das Impfzentrum will die zur Verfügung stehenden Mengen möglichst alle an den Mann beziehungsweise die Frau bringen. „Das ist uns bislang gelungen“, erklärt Landrätin Tamara Bischof. Jetzt seien allerdings flexible Lösungen gefragt.

Etwa 58 Prozent der Landkreisbürger haben eine Erstimpfung gegen Corona erhalten, vollständig geimpft sind etwa 48 Prozent. Von der so genannten Herdenimmunität ist man noch ein ganzes Stück entfernt. Etwa 17 Prozent der Landkreisbürger sind jünger als 18 Jahre. Für sie gibt es derzeit keine allgemeine Impfempfehlung. Die Ständige Impfkommission hat sie lediglich für Kinder und Jugendliche von 12 bis 17 Jahren mit einem besonderen Gesundheitsrisiko herausgeben. Nach dieser Rechnung bleiben immer noch 25 Prozent Landkreisbürger, die sich impfen lassen könnten. „Wir sollten möglichst viele Bürger erreichen“, sagt Bischof.

Ganz so einfach wird das nicht. Mit den großen Arbeitgebern in der Region steht die Landrätin in regelmäßigem Austausch – dort sind der Belegschaft bereits Impfangebote unterbreitet worden. In Schulen und Behörden ebenfalls. Auch in den Gemeinschafts- und Notunterkünften wurden Termine angeboten. Bleiben die Angebote, die jetzt auf den Weg gebracht wurden. Von kleinen Impfgeschenken in Form von Gutscheinen oder Give aways, wie sie in manchen Landkreisen diskutiert werden, hält Tamara Bischof wenig. Das sei ungerecht gegenüber all denen, die ihrer Verantwortung auch so nachkommen. Menschen wie Florian Pfeiffer. Für ihn stand es außer Frage, sich impfen zu lassen: Die Eltern sind über 80 und daheim hat er zwei kleine Kinder. Dank der Sonderimpfaktion hat er jetzt auch den richtigen Zeitpunkt für sich gefunden.

Impfen leicht gemacht

Sonderimpfaktionen: Samstag, 24. Juli, von 8 bis 12 Uhr und Freitag, 30. Juli, von 8 bis 12 und 14 bis 17 Uhr. Jeweils mit Biontech im Impfzentrum in den Marshall Heights. Einfach vorbeikommen, Personalausweis, Impfausweis (falls vorhanden) und gegebenenfalls Allergiepass mitbringen. Auch Bürger von außerhalb des Landkreises können sich impfen lassen.

Mobiler Impfbus: Ab Montag, 26. Juli. Die genauen Termine und Orte werden noch bekannt gegeben.

Neue Öffnungseiten im Impfzentrum ab 1. August: Montag, Mittwoch, Freitag: 9 bis 14 Uhr; Dienstag und Donnerstag, 14 bis 19 Uhr und Samstag, 9 bis 17 Uhr. Auch außerhalb der Öffnungszeiten sind Termine nach telefonischer Vereinbarung möglich.

Kontakt: Tel. 0800-8123000.