Was ist mit den Sportvereinen?
Sven Balke: Die sind über die Bayerische Sportjugend vertreten.
Und jeder Verein schickt eine Person?
Sven Balke: Wie viele Delegierte entsandt werden dürfen, hängt von der Größe des Vereins ab. Die Delegierten vertreten die Interessen der Jugendlichen ihres Vereins. Sie entscheiden mit, was angeschafft wird oder wie der Haushalt aussehen soll. Zum Beispiel ist der Bike-Park in Dettelbach auf Anregung des Delegierten der Arbeitsgemeinschaft offene Jugendtreffs entstanden.
Wie finanziert sich der KJR?
Sven Balke: Wir bekommen etwas über 70.000 Euro im Jahr vom Landkreis. Mit diesem Geld bezuschussen wir Freizeiten, Materialien und auf Antrag auch andere Fahrten der Mitgliedsverbände. Wir haben unseren großen Zeltplatz an der Hutzelmühle, einen Neunsitzer-Bus, den wir verleihen, Zelte, Schlauchkajaks und -boote, Hüpfburgen und Spielekisten. Alles das können die Vereine bei uns leihen. Manche wissen das gar nicht – darauf aufmerksam zu machen, gehört zu unseren Aufgaben.
Wie tun sie das?
Sven Balke: Jedes Vorstandsmitglied ist Pate für einige Vereine und damit Ansprechpartner. Man schaut in der Jahreshauptversammlung vorbei oder bei einer anderen Gelegenheit. Ich bin Pate für das Jugendrotkreuz, habe mir letztes Jahr den Kreisentscheid angeschaut. So kommt man ins Gespräch. Wenn ein Verein Anschaffungen tätigen will oder eine Großveranstaltung plant, kann der Pate unterstützen. Oder er vermittelt Referenten für aktuelle Themen wie Prävention sexualisierter Gewalt und Prävention im Medienbereich.
Also geht es nicht nur um Spiel und Spaß, sondern auch um ernste Themen?
Sven Balke: Natürlich. Im Mittelpunkt unserer Versammlungen stehen immer derartige Themen – letzten Jahr war es der Jugendschutz, heuer die Gema. Es geht auch hier um Prävention, um Datenschutz im Ehrenamt und vieles mehr. Wir versuchen, immer so aktuell wie möglich zu sein. Die Vereine können ihre Wunschthemen an uns herantragen.
Ist der Jugendschutz ein großes Problem?
Sven Balke: Ja, er ist nach wie vor sehr problematisch. Wir streben wieder verstärkt Jugendschutzkontrollen mit der Polizei an, was in den letzten Monaten personell nicht machbar war. Außerdem wollen wir wieder Testkäufe machen, damit Jugendliche in den Geschäften keinen Alkohol erhalten.
Wendet sich das KJR-Programm ausschließlich an Kinder und Jugendliche?
Sven Balke: Mit unserem Schwanberger Jugendforum sprechen wir Vertreter von Schulen, Bürgermeister, Verbands- und Vereinsvorsitzende an. Letztes Jahr ging es dabei um Hass im Netz – da haben mehrere Lehrer gefragt, wie sie damit umgehen sollen. Der Referent konnte Tipps geben und ihre Fragen beantworten.
Den Hauptteil im Jahresprogramm machen allerdings die Freizeiten und Seminare aus.
Sven Balke: Wir bieten hier ein breites Programm von der Survival-Tour über den Rollerskate-Kurs bis zur Selbstverteidigung für Mädchen. Besonders gefragt ist unser Zeltlager auf der Hutzelmühle. Das ist immer schon kurz nach Bekanntgabe des Programms ausgebucht und es gibt eine lange Warteliste. Auch die Jungs- und die Mädchentour in den Pfingstferien sind fast immer voll. Die Rhön-Freizeit dagegen mussten wir absagen.
Warum? Was ist das für eine Tour?
Sven Balke: Das ist eine Sporttour. Ich war mal dabei, die ist richtig anstrengend. Wir sind 180 Kilometer Fahrrad gefahren, waren klettern und mit dem Boot unterwegs. Aber wir hatten einfach nicht mehr genügend Teilnehmer. Viele Jugendliche wollen keinen Sport mehr treiben.
Sondern ständig am Handy sitzen?
Sven Balke: Bei unseren Veranstaltungen dürfen keine Handys mitgenommen werden, die gehen nur kaputt. Für die Kinder ist das kein Problem, sie haben ja genug Programm. Aber nicht nur das mit dem Sport hat sich geändert. Viele können auch nicht mehr in der Natur spielen oder sich alleine beschäftigen. Bei der ersten Freizeit, bei der ich dabei war, sind die Jungs sofort im Wald verschwunden und haben was gebaut. Das machen die Kinder heute nicht mehr. Da sind die Betreuer viel mehr gefordert.
Wieviele Betreuer haben Sie derzeit?
Sven Balke: Unser Pool umfasst etwa 16 Personen. Aber man braucht für die Freizeiten auch viele Leute. Es ist schwierig, neue Betreuer zu finden. Gerade haben wir zum Glück zwei, die beim Zeltlager zum ersten Mal dabei waren.
Welche Voraussetzungen müssen Betreuer erfüllen?
Sven Balke: Sie müssen mindestens 16 Jahre alt sein, um bei der Hutzelmühle mitzuhelfen, bei den anderen Freizeiten müssen sie volljährig sein. Dann braucht man einen Erste-Hilfe-Kurs, muss bei den Vortreffen mit Schulungen im Frühjahr und bei den Nachtreffen mit Rückschau im Herbst dabei sein. Und man muss sich auf die Touren vorbereiten: Wer mit den Kindern in der Fränkischen Schweiz klettert, hat die Strecke schon vorher mit dem Trainer absolviert. Schließlich soll ja nichts passieren.
Der Kreisjugendring Kitzingen
Der KJR Kitzingen ist eine Arbeitsgemeinschaft von 23 Jugendverbänden und Gemeinschaften, Interessenvertretung der Kinder und Jugendlichen im Landkreis Kitzingen und ist Träger der Jugendhilfe. Er setzt sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen ein, verteilt die Zuschüsse des Landkreises für die Jugendarbeit, führt eigene Maßnahmen für Kinder und Jugendliche durch, berät die Verantwortlichen und Mitarbeiter in der Jugendarbeit und verleiht Spielgeräte und Materialien für die Jugendarbeit. Auf seiner Homepage kjr-kitzingen.de bezeichnet er sich als die Servicestation No. 1 für die Jugendarbeit. Der KJR unterstützt die Belange von Kindern und Jugendlichen, indem er jugendpolitische Forderungen vertritt, mit politischen Gremien verhandelt, Jugendorganisationen unterstützt und berät. Er nimmt Stellung zu Flächennutzungs- und Bebauungsplänen und vergibt Zuschüsse. Zudem stellt der Kreisjugendring Jugendleitercards und Jugendherbergsausweise aus.