„Hockey ist cooler als Fußball“

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Waltraud Glockner zeigt dem Nachwuchs des Hockey-Cubs Marktbreit, wie das Stürmen geht. Fotos: Diana Fuchs
Diana Fuchs
Mittwochstraining der jungen MHC-Talente: Trainerin Kathrin Gebauer spielt gerne mal mit.
Diana Fuchs
Hängt der große Max die beiden kleineren Spieler Fritz und Theo ab?
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Einen Mundschutz wie diesen sollten alle Hockey-Spieler tragen. Wird der Kunststoff erhitzt, passt er sich der Zahnschiene exakt an und schützt die Zähne so vor Stößen. FOTO Diana Fuchs
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Ohne Schienbeinschoner geht es nicht auf den Platz. - Impressionen vom Training der jungen Talente. FOTO Diana Fuchs
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Hockey-Cub Marktbreit - Impressionen vom Training der jungen Talente. FOTO Diana Fuchs
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Trainerin Kathrin Gebauer spielt im Training gerne mal mit - Impressionen vom Mittwochstraining der jungen MHC-Talente. FOTO Diana Fuchs
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Man muss sich nur zu helfen wissen. In diesem Riesenkochtopf lassen sich die Hockey-Schläger perfekt transportieren. - Impressionen vom Training der jungen MHC-Talente. FOTO Diana Fuchs
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Hockey-Cub Marktbreit - Impressionen vom Training der jungen Talente. FOTO Diana Fuchs
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Dreikampf mit Trainerin Leonie: Impressionen vom Training der jungen MHC-Talente. FOTO Diana Fuchs
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Hockey macht Spaß - da sind sich die Mädels des MHC einig. FOTO Diana Fuchs
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Trainerin Leonie stürmt voran - Impressionen vom Training der jungen Talente. FOTO Diana Fuchs
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Kondition ist gefragt: Wer Hockey spielen will, darf nicht lauffaul sein. - Impressionen vom Training der jungen Talente. FOTO Diana Fuchs
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Hockey macht Spaß - da sind sich die Mädels des MHC einig. FOTO Diana Fuchs
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Ella und Alina sprinten los. - Impressionen vom Training der jungen Talente. FOTO Diana Fuchs
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Hockey-Cub Marktbreit - Impressionen vom Training der jungen Talente. FOTO Diana Fuchs
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Die neunjährige Alina geht konzentriert ans Werk. - Impressionen vom Training der jungen Talente. FOTO Diana Fuchs
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Fritz hat den Ball ergattert. Hockey-Cub Marktbreit - Impressionen vom Training der jungen Talente. FOTO Diana Fuchs
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Der Hockey-Club Marktbreit ist die zweite Heimat von Fritz, Theo und Max. FOTO Diana Fuchs
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Hockey-Cub Marktbreit - Impressionen vom Training der "Minis". FOTO Diana Fuchs
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Max zeigt die richtige Hockey-Haltung. Hockey-Cub Marktbreit - Impressionen vom Training der jungen Talente. FOTO Diana Fuchs
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Der zweijährige Theo jagt dem Ball hinterher wie ein Großer - Impressionen vom Hockey-Training der jungen Talente. FOTO Diana Fuchs
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Ein schneller Teamsport, der auch Frauen in seinen Bann zieht: Hockey hat in Marktbreit Tradition. „Das Fitnessstudio kann man sich sparen“

Marktbreit ist eine Insel. Okay, nicht im wörtlichen Sinn. Aber in Sachen Hockey auf jeden Fall. Während überall im Raum Kitzingen König Fußball regiert, ist es in Marktbreit eine andere rasante Team-Sportart. „Hockey ist unser Leben“, sagen viele Marktbreiter voller Elan und Leidenschaft. Die elfjährige Ella ist sich sogar sicher: „Hockey ist cooler als Fußball.“

Schläger, Ball, zwei Tore, Turnschuhe, Schienbein- sowie Mundschutz: Mehr braucht man nicht, um Hockeyspaß erleben zu können. Die Marktbreiter freilich haben einen modernen Kunstrasenplatz, der auch höherklassiges Spielen ermöglicht. Hier trainieren aktuell acht Frauen-, Männer-, Mädchen- und Jungenmannschaften.

Jeden Mittwochnachmittag beispielsweise treffen sich zuerst die „Minis“ von zwei bis sechs Jahren, danach die Mädchenmannschaft der Neun- bis Elfjährigen. Beim Trainingsspiel der Mädels geht es hoch her: „Schrubber!“, ruft Lia und fegt über den Platz.

Die glatte Seite ihres bunten Schlägers windet sie dabei wie eine Schlange immer hinter dem Ball entlang, den sie so zum gegnerischen Tor bugsiert. „Spiel ab!“, ruft Trainerin Kathrin Gebauer ihr zu und ihre Kollegin Waltraud Glockner deutet auf eine Mitspielerin in aussichtsreicher Position. Der Angriff gelingt – aber leider geht der Ball knapp am Tor vorbei.

„Nächstes Mal zieht ihr das Feld mehr in die Breite. Und schaut immer auf den Ball, seid anspielbereit“, schärft Leonie Eichhorn den Kindern ein. Die 18-Jährige unterstützt das Trainerinnen-Duo regelmäßig. „Sie ist eine Superhilfe“, freut sich Kathrin Gebauer. Gerade an den Spieltagen würden viele helfende Hände gebraucht. „Spieltage“ finden etwa alle vier Wochen statt: Dann treffen sich vier Hockey-Teams verschiedener Clubs an einem Ort und spielen jeweils gegeneinander. „Da die Mädels-Teams nur zweimal zehn Minuten spielen, würde sich die weite Fahrt zu den anderen Clubs – zum Beispiel nach Nürnberg, Schweinfurt, Bayreuth – einzeln kaum lohnen. Deswegen bündeln wir die Spiele.“ Die 39-Jährige ist schon seit vielen Jahren ehrenamtlich beim MHC aktiv, als Trainerin, aber auch darüber hinaus. „Ich war zum Beispiel dabei, als dieses Pflaster verlegt wurde“, deutet sie auf die Wege am Sportgelände.

Die Liebe zum Hockey-Club kommt nicht von ungefähr: Kathrin Gebauer ist quasi auf dem Hockeyfeld aufgewachsen. Schon im Alter von wenigen Monaten stand sie auf dem Platz – „im Kinderwagen, weil der Papa und meine Geschwister gespielt haben“. Natürlich hantierte sie schon als Kleinkind selbst mit dem Schläger – genauso wie es jetzt ihre Kinder Theo und Max tun. „Hockey ist einfach unser Sport, seit Willi Kleinschroth 1953 die Hockey-Abteilung im SC Marktbreit aufgebaut hat“, berichtet Gebauer.

Willi Kleinschroth infizierte mit seiner Leidenschaft viele andere Marktbreiter, was zur Gründung des MHC, des Marktbreiter Hockey-Clubs, führte. „Wir haben Leute im Verein, die schon Bundesliga gespielt haben“, berichtet Kathrin Gebauer. „Und das Schöne ist: Das sind ganz normale Menschen ohne irgendwelche Allüren. Auf dem Platz herrscht schon immer eine sehr familiäre Atmosphäre, man duzt sich und hilft zusammen. Das ist schon toll.“

Aber ist Hockey nicht ein ziemlich gefährlicher Sport? Der Ball mit sieben Zentimetern Durchmesser ist aus hartem Kunststoff, die Schläger ebenfalls beziehungsweise sogar aus Holz. „Nein, Hockey ist ein sehr fairer Sport“, sagt Trainerin Waltraud Glockner. „Schnell zwar, aber nicht aggressiv oder sicher nicht gefährlicher als Fußball, eher im Gegenteil. Es passieren nur ganz selten Unfälle.“ Das Regelwerk sei umfangreich und streng. Der Ball dürfe zum Beispiel nicht über Kniehöhe geschlagen werden und der Schläger dürfe nur bis zu einer bestimmten Höhe angehoben werden.

„Hockey ist ein toller Mannschaftssport – auch für Frauen, denn der ganze Körper wird dabei trainiert. Das Fitnessstudio kann man sich so sparen“, stellt die 62-Jährige fest. Seit fast vier Jahrzehnten trainiert die Segnitzerin die verschiedensten Mannschaften – und jagt selbst noch immer mit Leidenschaft über den Platz. „Hockey ist unser Leben“, sagt sie lachend und erzählt von ihrem Vater Heinrich Friedlein, heute 92, der einer der ersten Hockeyspieler in Marktbreit war. Ihre Kinder und Schwiegerkinder sind aktive MHCler. „Wir haben am Wochenende quasi Familientreffen auf dem Platz.“

Warum aber ist Hockey dann, im Vergleich zu Fußball, landesweit so unbekannt? „Ich denke, das liegt vor allem daran, dass Hockey im Fernsehen unattraktiv ist. Die Kugel ist zu klein und zu schnell, um sie am Bildschirm gut erkennen zu können.“

Den Mädels ist das egal. Sie lieben Hockey, weil „es voll viel Spaß macht“ (Johanna), weil „man viel rennen muss“ (Ella) und weil „in unserer Mannschaft keine Jungs sind“ (Lia). Alina ergänzt: „Ich hab früher Fußball gespielt, als einziges Mädchen, und die Jungs haben mich geärgert. Dann hat meine Freundin mich zum Schnuppern mit hierher genommen und jetzt spiele ich schon seit zwei Jahren Hockey.“ Die Neunjährige grinst und fügt – mutmaßlich zur Freude ihrer Eltern – hinzu: „Das ist das einzige Mal in der Woche, dass ich freiwillig Obst esse.“

Die Trainerinnen lachen. „Unsere Pause ist die bekannteste Apfelpause in Marktbreit“, erklärt Kathrin Gebauer, die zuvor fleißig Äpfel und Karotten für die Mädels in Stücke geschnitten hat. Gemeinsam erholt sich das Team nun beim Vespern.

Leonie Eichhorn baut wenig später schon mal ein paar Hütchen auf dem Platz auf, für die nächste Übung. Hannah, Marina und Matilda haben das beobachtet. „Alle auf die Leonie!“ Kaum ist der Schrei ertönt, stürmen die Mädels erneut auf den Platz und stürzen sich mit großem Hallo auf die 18-Jährige. Auch in Sachen Euphorie steht Hockey dem Fußball offenbar in nichts nach.

Info: Hockey

Regeln: Beim Feldhockey, das ist Hockey im Freien auf (Kunst-)Rasen, treten zwei Mannschaften gegeneinander an, die aus jeweils zehn Feld- und einem Torspieler bestehen (beim Kleinfeld sechs Feldspieler und Torwart und in der Halle fünf Feldspieler und Torwart). Bei Jugend- und Kindermannschaften sind es weniger Feldspieler auf einem kleineren Platz. Beim Hallenhockey weichen die Regeln etwas ab und das Spielfeld ist kleiner.

Schnupper-Training: Wer Hockey ausprobieren möchte, kann das beim Marktbreiter Hockey-Club tun. Kinder können mittwochs ohne Anmeldung zum Schnuppern aufs Vereinsgelände an der Straße zwischen Marktbreit und Michelfeld (An der Struth) kommen: Jungs und Mädels bis sechs Jahre ab 15.30 Uhr, ältere Mädels ab 16.30 Uhr. Infos: Kathrin Gebauer, www.marktbreiter-hc.de.