Die gute Nachricht: Zwei der vier Covid-19-Patienten konnten die Intensivstation verlassen. Den anderen beiden geht es den Umständen entsprechend gut. Das Team um Dr. Stephan Rapp fühlt sich grundsätzlich gut gerüstet für die kommenden Wochen. Es gibt allerdings auch eine schlechte Nachricht: Es fehlt an Personal.

Die steigenden Corona-Zahlen haben sich längst in der Klinik Kitzinger Land niedergeschlagen. Gab es in den Sommermonaten kaum Patienten mit Covid-19, wurden Ende letzter Woche vier Menschen in die Intensivstation eingeliefert. Alle zwischen 54 und 66 Jahre alt – und damit deutlich jünger als die Patienten, die im Frühjahr behandelt wurden. Besondere Vorerkrankungen weisen diese Patienten nicht auf. Wegen akuter Atemnot suchten drei von ihnen selbst die Notaufnahme auf und wurden auf die Intensivstation verlegt. „Zwei mussten intensiv beatmet werden“, berichtet Oberarzt Dr. Daniel Palinkas. Im Gegensatz zu den sehr geringen Erfahrungen zu Beginn der Pandemie werden die Patienten – wenn möglich – zur Atemtherapie nicht ins künstliche Koma gesetzt. Die Behandlung erfolgt non-invasiv, will heißen: Die Betroffenen bleiben bei Bewusstsein und werden mit Hilfe einer Maske beatmet. „Die Gefahr von Langzeitschäden soll so minimiert werden“, erklärt Dr. Rapp. Grundsätzlich seien die Behandlungsmethoden von Covid-19-Patienten aber noch nicht ausreichend erforscht, bedauern die Kitzinger Ärzte. Als weitere Therapieoptionen werden heute Cortison und Medikamente zur Blutverdünnung gegeben.

Das oftmals erwähnte Medikament Remdesivir® scheint jedoch nur in bestimmten Fällen eine Therapieoption zu sein und kommt derzeit nur in Studienzentren zum Einsatz. Die Uniklinik in Würzburg gehört dazu. „In besonders schweren Fällen können wir unsere Patienten dorthin verlegen“, erklärt Dr. Rapp.

Zwölf Intensivbetten gibt es in der Klinik Kitzinger Land. 28 Köpfe stark ist das Team, das in der Intensivabteilung Dienst tut. Viele arbeiten in Teilzeit. 22 Stellen stehen zur Verfügung. „Wenn das Personal komplett da ist, funktioniert der Betrieb“, sagt der Fachkrankenpfleger für Intensivmedizin, Christian Kollenbrath.

Während der Pandemie befürchtet er auch in seinem Team eine erhöhte Ausfallquote. Wer Kontaktperson 1 ist, unterliegt ganz bestimmten Einschränkungen, die im Einzelfall mit dem Gesundheitsamt vereinbart werden.

„Wenn das Personal komplett da ist, funktioniert der Betrieb.“
Christian Kollenbrath, Fachpfleger Intensivabteilung

Eine Pflegekraft kommt laut Betreuungsschlüssel normalerweise tagsüber auf 2,5 Patienten. Nachts ist das Verhältnis 1 : 3,5.

Ein Arzt muss immer präsent sein. Während der ersten Welle ist die so genannte Pflegepersonal-Untergrenze außer Kraft gesetzt worden. Ob dies in den kommenden Tagen wieder passiert, lässt sich derzeit nicht sagen. „Diese Pflegepersonaluntergrenze ist sinnvoll, um sicherzustellen, dass Intensivpatienten auch mit der genügenden Aufmerksamkeit und Intensität versorgt werden können“, sagt Dr. Rapp. Dieser Anspruch soll im nächsten Jahr noch weiter verbessert werden. Sollten allerdings jetzt in einer zweiten Welle vermehrt Patienten mit Covid-19-Erkrankung intensivmedizinisch betreut werden müssen, steigt die Belastung beim Pflegepersonal weiter an. Wie anstrengend und fordernd der Dienst in der Intensivabteilung ist, verdeutlicht Christian Kollenbrath anhand eines Beispiels: Alle drei bis vier Stunden müssen Patienten, die ins Koma versetzt wurden, gewendet werden. „Mindestens drei Mitarbeiter sind dafür notwendig, je nach Lagerungsauwand.“ Gut möglich, dass der Patient an die 100 Kilogramm wiegt. Die Prozedur muss trotzdem so vorsichtig wie möglich erfolgen. Jede Druckstelle kann zu nachfolgenden Komplikationen führen. Außerdem müssen alle lebensnotwendigen Leitungen mit gewendet werden. „Bei der Arbeit mit einem Patienten unter Isolationsbedingungen ist man durchgeschwitzt“, bekennt Kollenbrath. Kein Wunder: Die Arbeit muss in voller Schutzmontur geleistet werden. Als wäre das nicht genug, sind die Pflegekräfte auch für die Körperpflege, die künstliche Ernährung, die Überwachung der Medikamente und die fachgerechte Desinfektion der Materialien zuständig.

„Wir sind für die zweite Welle bestens ausgerüstet. Zumindest mit Material.“
Dr. Stephan Rapp, leitender Arzt

Während der Pflegearbeiten und zum Abschluss der Schichten ist eine umfangreiche Dokumentation erforderlich. Die Gerätschaften sind in der Intensivabteilung nicht nur speziell, sondern auch teuer. Acht neue Beatmungsgeräte hat die Klinik in den letzten Wochen besorgt. Rund 250.000 Euro hat sie dafür ausgegeben. „Wir sind damit auf dem neuesten Stand“, freut sich Dr. Rapp. Überhaupt: An Material mangelt es nicht, die Lager sind mit Beatmungsschläuchen, Filtern, Handschuhen, Masken und weiterer Schutzausrüstung gut gefüllt. „Wir sind für die zweite Welle bestens ausgestattet“, betont Dr. Rapp. „Zumindest mit Material.“ Dass die zweite Welle kommt, steht für ihn außer Frage. In zwei bis vier Wochen werden die Intensivstationen in Deutschland deutlich voller sein als jetzt.

Die politischen Beschlüsse der letzten Tage könnten zu einer Beruhigung der Infektionswelle führen. „Aber das merken wir frühestens im Dezember.“ Bis dahin seien Geduld und Solidarität gefragt.