Bei steigenden Temperaturen sind jetzt die Motorradfahrer wieder unterwegs. Um Unfälle zu vermeiden, sollten Fahrer ein Sicherheitstraining absolvieren - und auch bei Autofahrern ist erhöhte Aufmerksamkeit gefragt.
Es ist eine tragische Kombination: Kaum steigen die Temperaturen, kommt es zu den ersten schweren Motorradunfällen. Die Gründe dafür sind vielfältig.
Mehrere Monate standen die meisten Motorräder in der Garage, mit Beginn des Frühjahres werden sie herausgeholt. Doch so groß die Lust ist – einfach draufsetzen und losfahren ist keine gute Idee. „Das Frühjahr ist recht riskant“, sagt Stephan Friedlein. Der Inhaber einer Fahrschule in Marktbreit und Geschäftsführer der Verkehrswacht Kitzingen kennt die Gefahren für Zweiradfahrer. Die gehen schon mal mit den Temperaturen zu Beginn des Frühjahrs los. „Oben warm, unten kalt“ ist für Motorradfahrer eine problematische Mixtur. Die Reifen funktionieren erst ab sechs, sieben Grad richtig, erklärt Friedlein, darunter wird der Gummi nicht genug durchgewalkt, kann nicht richtig arbeiten. Das wirkt sich auf die Haftung und die Laufeigenschaften aus, aber auch auf den Bremsweg.
Vor allem aber ist es wichtig, sich das Fahrzeug vor der ersten Fahrt einmal genau anzuschauen, das Fahrwerk und die Elektronik zu prüfen, die Reifen genau unter die Lupe zu nehmen. Da geht es nicht nur um das Profil der Reifen, sondern auch um das Alter. „Spätestens nach zehn Jahren muss man sie wechseln“, erklärt Stefan Friedlein. Häufig treten Standschäden auf, da sich kaum jemand die Mühe macht, das Zweirad über die lange Standzeit im Winter so aufzubocken, dass beide Reifen keinen Bodenkontakt haben. Die Folge: leichte Dellen und Haarrisse, die bei der Fahrt gefährlich werden können.
Gefahrensituationen üben
Eine große Gefahrenquelle ist aber auch der Fahrer selbst. Vor allem zu Beginn der Motorradsaison fehlt noch das Gefühl für das Fahrzeug, die Bewegungsautomatismen rosten selbst bei Leuten ein, die schon lange fahren. „Die Automatismen für eine Vollbremsung oder ein Ausweichmanöver sind nach mehreren Monaten Pause nicht sofort wieder da“, gibt der Fahrlehrer zu bedenken. Deshalb ist es wichtig, derartige Situationen wieder zu üben.
Möglich ist das beim kostenlosen Fahrsicherheitstraining, das die Verkehrswacht Kitzingen alljährlich in Kooperation mit dem Fahrlehrerverband und der Polizei anbietet, in diesem Jahr am Samstag, 28. April, von 10 bis 15 Uhr. Auf dem Lkw-Parkplatz der Firma Knauf in Iphofen werden verschiedene Parcours angeboten, auf denen die Grundfertigkeiten wieder eingeübt werden können: Gefahrenbremsen, Ausweichmanöver, Slalomfahren, Fahren bei Schrittgeschwindigkeit. „Die Fahrer müssen wieder ein Gefühl für ihre Maschine bekommen“, so Friedlein.
Jedes Alter, jede Maschine, alle sind willkommen, um sich für die Saison fit zu machen. Den Großteil machen Fahrer mittleren Alters aus, viele steigen nach mehrjähriger Pause wieder auf die Maschine oder haben sich ein neues Motorrad gekauft. Aber es sind auch viele Teilnehmer dabei, die jedes Jahr kommen. „Eine Gruppe aus dem Bamberger Raum, zehn bis 15 Fahrer, machen jedes Jahr eine Tour zu uns.“ Sie absolvieren die verschiedenen Übungen und fahren dann wieder zurück. Acht bis zehn Stationen gibt es auf dem Gelände, wer sie alle absolviert, sollte etwa zwei Stunden einplanen.
Dass die Teilnahme an einem Sicherheitstraining Früchte trägt, zeigen Statistiken. Wie Friedlein sagt, sind diese Fahrer weniger an Unfällen beteiligt: „Das kann ein Drittel der Leute vor einem Unfall retten.“ Schließlich werden genau die Gefahrensituationen geübt, die häufig zu Unfällen führen. Unterschätzte Geschwindigkeit beispielsweise, aber auch Bedienprobleme in Extremsituationen, wenn innerhalb von Sekundenbruchteilen entschieden werden muss, wie man reagiert – und das genauso schnell umgesetzt werden muss. Bei einer Vollbremsung zum Beispiel reagiere nicht jede Maschine gleich. „Jedes Motorrad hat andere Eigenarten.“ Zudem habe ein modernes Motorrad ganz andere Features als ältere Maschinen. „Wenn ich nicht weiß, wie das funktioniert und ich es nicht richtig anwenden kann, hilft mir das alles nichts“.