Fachgerecht, gesund und lecker
Autor: Daniela Röllinger
Kitzingen, Mittwoch, 19. April 2017
Maike Musiol nimmt eine kunstvoll gefaltete Serviette zur Hand. „So etwas habe ich zuhause sonst nie gemacht.“ Jetzt sitzt sie an der festlichen Tafel, die sie selbst gestaltet hat, und genießt ein Fünf-Gänge-Menü, gekocht von ihren Kurskolleginnen. Endspurt im Studiengang zur Fachkraft für Ernährung und Haushaltsführung.
Maike Musiol nimmt eine kunstvoll gefaltete Serviette zur Hand. „So etwas habe ich zuhause sonst nie gemacht.“ Jetzt sitzt sie an der festlichen Tafel, die sie selbst gestaltet hat, und genießt ein Fünf-Gänge-Menü, gekocht von ihren Kurskolleginnen. Endspurt im Studiengang zur Fachkraft für Ernährung und Haushaltsführung.
Es ist eine Art Generalprobe, die an diesem Vormittag in der Lehrküche und im Speisesaal des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten über die Bühne geht. Das Kochen des Menüs, Dekorieren des Tisches passend zum Essen und zur Jahreszeit sowie das richtige Eindecken der Festtafel muss sitzen, wenn in wenigen Wochen die Prüfung ansteht. Und das ist nur ein ganz geringer Teil dessen, was die 14 Frauen in den letzten Monaten gelernt haben.
Der einsemestrige Studiengang zur Fachkraft für Ernährung und Hauswirtschaft wird derzeit zum ersten Mal in Kitzingen abgehalten, er ist intensiver als die Lehrgänge, die es bisher gab, der Abschluss ein anderer. Wer die Prüfung besteht, darf sich nicht nur Fachkraft nennen, sondern erwirbt auch die Ausbildereignung. Die Unterrichtsfächer sind vielfältig: Küchenpraxis und Ernährungslehre, Haushalts- und Finanzmanagement, Unternehmensführung, Haus- und Textilpraxis, Hausgartenbau, Berufs- und Arbeitspädagogik. Es geht um Familie, Persönlichkeit und hauswirtschaftliche Betreuung, Haushaltstechnik und soziale und religiöse Bildung.
Unterrichtete wurden die Teilnehmerinnen – bisher waren es ausschließlich Frauen, aber auch Männer sind willkommen – von Hauswirtschaftsoberrätin Thea Schlesinger und den Fachlehrkräften Ruth Halbritter, Gabriele Schenk und Gabriele Royackers.
Mit umgebundener Schürze und Haube über den Haaren stehen sieben Frauen in der Küche und legen letzte Hand an ihr Menü. Paarweise haben sie jeweils fünf Gänge gezaubert. Ruth Halbritter hat letzte Tipps gegeben, noch einmal das fachgerechte Aufschneiden des Wildbrets gezeigt. Jetzt sind die Platten gerichtet. Lammkeule mit Walnussknödeln und Bohnen im Speckmantel, Grillplatte mit Fächerkartoffeln an Brokkolisoufflé, Rehrückenfilet unter Nusskruste mit Dauphin-Kartoffeln – schon alleine die Hauptgänge lassen keine Wünsche offen. Während die eine Gruppe kocht, ist die andere Gruppe fürs Eindecken und die Deko zuständig. In vier Wochen wird die „Generalprobe“ wiederholt, dann werden die Aufgaben getauscht.
Ein Vormittag Theorie in der Woche, ein Vormittag beziehungsweise Nachmittag Praxis – so sah das Lernprogramm in den vergangenen Monaten aus. Viele Frauen haben mit ihrer Teilnahme die Basis für eine neue berufliche Aufgabe gelegt, andere haben nur aus privatem Interesse mitgemacht. Monika Spiegel, fünffache Mutter, hat sich in der Elternzeit für die Weiterbildung entschieden. Vorher hat sie im Kindergarten gearbeitet, jetzt ist sie im Sozialdienst tätig. „Das passt wunderbar“, sagt sie. Die neuen Kenntnisse kommen ihr bei der Arbeit zugute. Spannend findet sie vor allem die Ernährungslehre. Wie ist das Essen zusammengesetzt, welche Mineralstoffe sind enthalten, was ist gut für den Körper? Wissen, das sich zuhause und in der Arbeit umsetzen lässt. Auch Andrea Werner kann die neuen Erkenntnisse gut für ihre Arbeit nutzen. Sie ist in der Altenpflege tätig. „Ich habe gedacht, das lässt sich gut kombinieren. Und das hat sich auch bestätigt.“
In die Hauswirtschaft „mal reinschauen“ wollte Maike Musiol. Ihr gefällt vor allem, dass auch der Hausgartenbau zum Lehrstoff gehört. Jetzt will sie auf dem Balkon Salat und Gemüse anbauen. „Darauf wäre ich früher nie gekommen.“