Marktbreit Sie wollen die Welt retten – wohl wissend, dass sie alleine es nicht können. „Aber wenn keiner etwas tut, wird es nicht funktionieren“, sagt Achim Knöchel, der mit seinen Mitstreitern von „We for future“ in Marktbreit nicht nur nachhaltiges Leben, sondern vor allem die Ziele für nachhaltige Entwicklung unter die Leute bringen möchte. So beteiligt sich der Verein auch bei der Aktion „Die Glorreichen 17“ in diesem Sommer (siehe Seite 1). Wenn auch anders als ursprünglich angedacht.

Frage: Im Kalender steht für dieses Jahr wieder das „We-for-Future-Festival“ in Marktbreit. Wann genau ist es soweit?

Achim Knöchel: Eigentlich schon. Aber wir werden es nicht durchführen können.

Wegen Corona?

Knöchel: Ja, der Aufwand wäre viel zu groß. Zu unserem Festival kommen an die 1000 Leute, das macht während der Pandemie keinen Sinn. Deshalb müssen wir was Kleineres machen.

Ich habe vom „Walk of Future“ gelesen.

Knöchel: Das war unsere nächste Überlegung – aber auch die lässt sich nicht durchführen. Wir wollten die 17 BNE-Ziele an 17 Stationen, verteilt in ganz Marktbreit, vorstellen. Aber da ist der Aufwand noch viel größer. Wir bräuchten 17 Hygienekonzepte, die Besucher müssten sich bei jedem einzelnen Stand neu registrieren. Und wie viele dürfen dann gleichzeitig an einen Stand?... Es tun sich zu viele Fragen auf. Damit sind die Hürden auch für diesen Rundgang zu groß. Das können wir als ehrenamtlicher Verein alles nicht leisten.

Aller guten Dinge sind drei... Was kommt stattdessen?

Knöchel: Wir wollen die 17 Ziele über einen längeren Zeitraum vorstellen – mit Beiträgen in der Zeitung, im Amtsblatt und im Lokalfernsehen. Dazu jeweils Akteure, die in der Region für die jeweiligen Ziele stehen. Gleichzeitig wollen wir eventuell in einem Schaufenster in Marktbreit die 17 Ziele übersichtlich darstellen.

Der Verein „We for Future“ setzt sich für Klima- und Umweltschutz und gegen soziale Ungerechtigkeit ein. Wie ist er entstanden?

Knöchel: Meine Frau und ich waren 2013 auf den Philippinen, wir haben verwandtschaftliche Beziehungen dorthin. Damals gab es wieder einen schweren Taifun. Also haben wir Geld mitgenommen und geschaut, was man dort Gutes tun kann. Wir haben angefangen, eine Schule zu unterstützen. Bildung ist wichtig, damit die Kinder die Möglichkeit bekommen, sich irgendwann selbst zu helfen. Dann kamen weitere Kindergarten- und Schulprojekte dazu. Mit denen arbeiten wir heute noch zusammen.

Was hat die Situation auf den Philippinen mit Nachhaltigkeit bei uns zu tun?

Knöchel: Genau über diese Zusammenhänge denken viele nicht nach. Das eigentliche Problem für die Situation auf den Philippinen sind ja nicht die Leute, die dort wohnen, sondern die Stürme. Und die gibt es, weil wir im globalen Norden das Klima zerstören. Wir verhunzen es und die kriegen die Schäden ab. Wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir hier etwas tun, in der Region. 2018 haben wir den Verein gegründet.

Was war Ihr erstes Projekt vor Ort?

Knöchel: Das We-for-Future-Festival. Wir wollen die Menschen für das Thema Nachhaltigkeit begeistern. Die Leute müssen merken, dass sie durch ihr Handeln beeinflussen, was weltweit passiert.

Die 17 Nachhaltigkeitsziele – „die Glorreichen 17“ – sind teils komplex formuliert. Welches ist den Menschen am schwierigsten nahezubringen?

Knöchel: Das Schwierige sind nicht die Ziele. Das Schwierigste ist, dass sie bis 2030 umgesetzt sein sollen, aber fast keiner davon weiß. Selbst Leute, die denken, dass sie umweltbewusst leben, haben von einigen Dingen noch nie etwas gehört. Aber wie sollen wir Ziele erreichen, die wir nicht kennen? Deshalb müssen wir die Ziele bekannt machen und die weltweiten Zusammenhänge. Das ist wie bei Corona.

Wie hängt Corona damit zusammen?

Knöchel: Die meisten Leute haben noch nicht begriffen, dass es nichts nützt, wenn wir hier in Deutschland uns alle impfen lassen, aber in vielen anderen Ländern, beispielsweise in Afrika, nicht geimpft werden kann. So lange das so ist, wird es immer wieder Mutanten geben, wir werden Corona nicht loswerden. So ist es mit vielen Bereichen: Wenn wir nicht global denken, wird es uns nicht gelingen, die Welt zu retten. Das muss in die Köpfe der Menschen.

Wir wissen zu wenig über die Zusammenhänge?

Knöchel: Nehmen wir ein Beispiel aus der Ernährung. Niemand will, dass Tiere in vollgestopften Ställen leiden. Niemand will, dass Regenwald abgeholzt wird. Und trotzdem will jeder Fleisch essen. Drücken wir es mal drastisch aus: Keiner will das Arschloch sein, das die Welt zerstört. Aber es will sich auch keiner einschränken.

Weil jeder denkt, sein eigenes Tun ist so wenig im Vergleich mit der Weltbevölkerung, das bewirkt ja kaum etwas.

Knöchel: Es mag auf den ersten Blick nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein, ja. Aber wenn man etwas verändern will, muss man selbst etwas tun. Wenn keiner was macht, wird es ganz sicher nichts.

Weniger CO2, sauberes Wasser... das sind Dinge, die nachvollziehbar sind. Aber was hat wirtschaftlicher Wohlstand mit Nachhaltigkeit zu tun?

Knöchel: Wenn die Wirtschaft nicht funktioniert, funktioniert das System nicht. Da geht es nicht um unendliches Wachstum. Aber irgendwo müssen die Dinge ja herkommen, die gebraucht werden. Da meine ich nicht den dicken SUV oder den Riesengrill, der im Moment so „in“ ist. So was braucht man ja nicht wirklich, es wird uns nur eingeredet, wir bräuchten das. Und dann kaufen wir einen Grill für 1000 Euro und legen ein 99-Cent-Schnitzel drauf. Das verstehe ich nicht.

Nachvollziehbar. Trotzdem sind nicht alle 17 BNE-Ziele für jeden ersichtlich. Zumal jedes Ziel ja noch Unterziele hat.

Knöchel: Man muss den Leuten viel im Detail erklären, das stimmt schon. Es ist vielleicht manchem auf den ersten Blick zu viel. Aber es geht ja auch darum, die Welt zu retten. Wer sich wirklich mit den 17 Nachhaltigkeitszielen beschäftigt, der sieht, dass das nicht alles einfach nur zusammengesponnen ist, sondern durchdacht. Dazu braucht es viel Information. Und deshalb sind Aktionen wie die Woche im Sommer in Kitzingen und im Landkreis gut. Sie tragen dazu bei, dass die Leute aufwachen.