Die Stimmung ist gut am reich gedeckten Tisch von Kurt und Wolfgang Moser. An ihrem Aussiedlerhof, unweit von Michelfeld, haben sich an diesem Vormittag Vertreter des Bauernverbandes und des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten verabredet. Erntegespräch. Wie jedes Jahr um diese Zeit. Die Laune war bei diesen Treffen schon deutlich schlechter.

„Die Kulturen stehen heuer fast alle gut da“, sagt BBV-Kreisobmann Alois Kraus mit einem Grinsen. Die Niederschläge ab Anfang Mai haben den Beständen gut getan. Im Frühjahr sah das noch ganz anders aus. Das trockene Jahr 2020 hatte seine Spuren hinterlassen. Während der Aussaat waren die Böden kaum durchfeuchtet, ab April kam ein extrem kaltes Frühjahr hinzu, wie Gerd Düll erinnert. An sieben Nächten gab es Bodenfrost, vereinzelt Frostschäden an früh gesäten Zuckerrüben und Sonnenblumen. Die Durchschnittstemperaturen lagen 1,4 Grad unter dem langjährigen Mittel. Die Folge: Pflanzen wie Zuckerrüben oder Mais wurden in ihrem Wachstum gebremst. „Das hat sich Anfang Mai fortgesetzt“, so der Kitzinger Amtsleiter. Dann kamen zum Glück die Niederschläge, die den versammelten Praktikern in Michelfeld auch Ende Juni noch ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. „Das Getreide steht im Vergleich zu den Vorjahren bombig da“, freut sich Michelfelds Ortsobmann Bernhard Holler. Dabei halte der sandige Boden rund um Michelfeld ganz schlecht Wasser.

Ab Mai kamen die Niederschläge

60 Liter hat es durchschnittlich geregnet, gegen Ende Mai kamen starke Gewitter mit teilweise ergiebigen Niederschlägen hinzu. „Vorher war der Boden so gut wie entleert“, sagt Düll und betont, dass auch jetzt nicht alles fantastisch ist. Nach wie vor leben die Landwirte von der Hand in den Mund, wenn es um die Wasservorräte im Erdreich geht.

Eine Bewässerung ihrer Flächen – wie sie im Weinbau derzeit intensiv diskutiert wird – sei undenkbar. „Das ist finanziell gar nicht darstellbar“, meint Düll und die Kollegen am Tisch nicken zustimmend. Was also tun, um dem Klimawandel mit seinen prognostizierten Trockenperioden ein Schnippchen zu schlagen? „Neue Züchtungen könnten helfen“, meint Wolfgang Moser, der auf seinen rund 140 Hektar rund um Michelfeld Wintergerste, Dinkel, Klee, Roggen, Weizen und Sonnenblumen anbaut und im Stall 85 Milchkühe stehen hat. Mit seiner Pflanzenvielfalt ist Moser eine Art Vorreiter für seinen Berufsstand. „Diese Vielfalt wird zunehmen“, prophezeit Gerd Düll. „Schon alleine, um das Risiko besser zu streuen.“

Undurchschaubares China

Das ist hinsichtlich der Preisentwicklung so nötig wie kaum zuvor. Derzeit steigen die Rohstoffpreise. „Wovon auch wir Landwirte profitieren“, so Alois Kraus. Rund zehn Prozent lägen die Preise derzeit höher als 2020. Aber mit China sei der wichtigste Abnehmer völlig undurchschaubar, wie Gerd Düll warnt. Seit beinahe einem Jahr kaufe das Land massiv Getreide und andere pflanzliche Produkte auf dem Weltmarkt ein, habe sich schon einen Großteil der US-amerikanischen Maisernte gesichert. Ob die Lager jetzt voll sind oder weiter eingekauft wird, sei nicht vorhersehbar. „Die Preise können deshalb auch schnell wieder abstürzen“, warnt BBV-Geschäftsführer Wilfried Distler. Bis dato schaut es aber so aus, als könnten die Landwirte in der Region nicht nur wegen des Ertrages eine erfreuliche Ernte einfahren.

Ganz anders als im Pflanzenbau sehe es allerdings bei den Tierhaltern aus, gibt Helmut Schmidt zu bedenken. Mittlerweile geben auch einige größeren Betriebe auf, die Milchviehbestände haben sich von 5514 in 2018 auf 5166 im letzten Jahr reduziert, bei den Zuchtsauen war sogar ein Rückgang von 15 Prozent zu verzeichnen. Immer neue Vorschriften zum Tierwohl, die teure Investitionen nach sich ziehen und stagnierende Preise seien für diese Entwicklung verantwortlich. „Irgendwann sind wir in bestimmten Bereichen von einer Belieferung aus dem Ausland abhängig“, warnt Wilfried Distler und fragt sich, ob die Qualitätskontrollen dann genauso greifen wie hierzulande. Es sei keinesfalls abwegig, dass Nahrungsmittel einmal – wie das Klopapier während der Corona-Krise – knapp werden, warnt der stellvertretende BBV-Kreisobmann Helmut Schmidt und wünscht sich bessere Rahmenbedingungen für die Produzenten.

Ein bisschen Euphorie

Vorerst wolle man sich aber an den erfreulichen Aussichten für die diesjährige Ernte erfreuen, versichern die Landwirte und machen sich beschwingt auf zum Pressefoto im Roggenfeld. „Sie sehen“, sagt Alois Kraus mit einem Schmunzeln. „Wir können durchaus auch euphorisch sein.“

Immer weniger Rüben

Die am häufigsten angebauten Kulturen im Landkreis Kitzingen sind Winterweizen (7350 Hektar), gefolgt von Wintergerste (3703 Hektar), Zuckerrüben (3188 Hektar) und Winterdinkel (3019 Hektar). Die Zuckerrübenfläche ist in den letzten Jahren am stärksten zurückgegangen, von 3895 Hektar in 2018 auf 3188 Hektar in 2020. Dafür stieg der Anteil von Sonnenblumen im gleichen Zeitraum von 365 Hektar auf 721 Hektar. Auch der Winterdinkel und der Winterroggen haben signifikant zugenommen (von 1903 auf 3019 Hektar bzw. von 659 auf 772 Hektar)