Die Ankündigung ist erfreulich. Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätze sollen rechtzeitig zum Start der Pfingstferien wieder öffnen dürfen. Die Leiter der Tourist-Informationen im Landkreis Kitzingen wünschen sich jetzt vor allem eines: Kontinuität.

Ministerpräsident Markus Söder kündigte am Dienstagmittag die lang ersehnten Öffnungen an. Sie sind an strenge Auflagen geknüpft. Die 7-Tage-Inzidenz müsse stabil unter 100 liegen, Corona-Tests sind vorgesehen, die bekannten Abstands- und Hygienemaßnahmen sowieso. In den nächsten Tagen sollen das Gesundheits- und das Wirtschaftsministerium ein entsprechendes Konzept erarbeiten.

„Ich gehe davon aus, dass der Tourismus innerhalb Deutschlands auch heuer wieder boomen wird.“
Vanessa Feineis, Leiter der Tourist-Information in Kitzingen

Das will Claudia Bellanti erst einmal abwarten. „Bevor wir etwas Verbindliches vorliegen haben, ist es immer schwer, Aussagen zu treffen“, meint sie. Eines ist für sie aber klar: Die Öffnungsperspektive für Hoteliers und Gastronomen ist überfällig. Die Betriebe hätten viel in die Hygienemaßnahmen investiert, im letzten Jahr habe man bewiesen, dass die Konzepte vor Ort funktionierten. In den letzten Wochen habe viele Gastronomen das Gefühl beschlichen, vergessen worden zu sein. „Einige sind so langsam mürbe geworden“, sagt die Leiterin der Touri-Info in Iphofen.

Vorlauf ist wichtig

Auch in Dettelbach sind alle Beteiligten ungeduldig und wollen endlich wieder loslegen, wie Arlena Ridler berichtet. Ein gewisser Vorlauf sei gerade in der Gastronomie wichtig. Lieferketten müssen beachtet, Personal wieder eingestellt werden. „Das geht nicht von heute auf morgen“, weiß auch Claudia Bellanti.

Die Tourismusleiter im Landkreis haben ihre Pläne längst in der Schublade liegen. „Die Prospekte liegen in den Regalen, der Internetauftritt ist aktualisiert und die Gästeführer stehen in den Startlöchern“, sagt Julius Straub aus Volkach. So überraschend die Ankündigung aus München auch kam, ein Start der Tourismus-Saison in der kommenden Woche wäre möglich, zum Pfingstwochenende wäre er aber geradezu ideal. Gerade die Hotelbesitzer und Gastronomen würden sich freuen, für sie waren die letzten Monate hart. Am wichtigsten sei es jetzt, dass die Öffnungen auch dauerhaft funktionieren. Viele Ausflügler können es kaum erwarten.

Wohnmobilisten schon jetzt zu sehen

Radfahrer sind schon jetzt als Tagestouristen im Landkreis unterwegs, rund um Iphofen werden vor allem an den Wochenenden auch etliche Wohnmobilisten gesichtet. Die stellen sich für eine Nacht irgendwo in die Weinberge oder auf Waldwege, so lange die offiziellen Wohnmobilstellplätze nicht geöffnet sind. Die Aussichten für die kommende Tourismus-Saison sind trotz Pandemie nicht schlecht. Manche Betreiber von Privatzimmern in Dettelbach melden schon jetzt: ausgebucht bis Oktober. Vanessa Feineis hat im letzten Jahr einen Trend ausgemacht, der sich heuer wohl verstetigen wird: der Städtetourismus hat abgenommen, immer mehr Touristen strömen in den ländlichen Raum. Eine verstärkte Nachfrage von Wanderern, Radfahren und Wohnmobilisten sei auch in Kitzingen wahrgenommen worden. „Ich gehe davon aus, dass der Tourismus innerhalb Deutschlands auch heuer wieder boomen wird“, sagt die Leiterin der TI in Kitzingen. Mit speziellen Themenradtouren, instandgesetzten Wanderwegen und speziellen Programmen für Familien sind sie und ihr Team vorbereitet. „Ideen haben wir genug“, sagt auch Arlena Ridler in Dettelbach. „Wir müssen nur machen dürfen.“ Das Altstadtweinfest am 5. Juni soll noch virtuell über die Bühne gehen, ein Weinfest mit realen Begegnungen im Laufe des Spätsommers ist allerdings schon in Planung. „An verschiedenen Standorten, damit die Besucher Corona-konform feiern können“, erklärt sie. Analog zum Kitzinger Stadtschoppen soll es in Dettelbach heuer auch einen „Zinnenschoppen“ geben.

Volkach bereitet sich vor

In Volkach sorgte der Besucheransturm im letzten Jahr für mächtig Ärger bei Einheimischen und Anliegern. „Wir haben uns vorbereitet“, versichert Julius Straub. Zusätzliche Parkmöglichkeiten sind geschaffen worden, der Wassertourismus auf dem Main soll besser gesteuert werden und in der Innenstadt werden Security-Mitarbeiter alle Gäste auf ein Corona-konformes Verhalten hinweisen. „Wir wollen schließlich sicher durch diese Zeiten kommen“, so Straub. Die Vorfreude auf den Saisonstart ist allen Tourismus-Experten anzuhören. „Wir wollen alle wieder mit echten Menschen zu tun haben“, fasst Claudia Bellanti die Stimmungslage zusammen. Vorher gelte es aber, etliche Fragen zu klären: Mit wie vielen Besuchern dürfen die Gästeführer unterwegs sein? Was genau versteht die Staatsregierung unter „stabilen Inzidenzzahlen“?

Dürfen auch Gäste aus Regionen anreisen, in denen die Inzidenzen weit über 100 liegen?

Falls aktuelle Negativtests die Bedingung für eine Anreise sind – wer kontrolliert diese, beispielsweise an den Wohnmobilstellplätzen?

Und sollten Selbsttests für den Eintritt in Museen oder Gaststätten verlangt werden – wo kommen die her?

„Wir wollen alle wieder mit echten Menschen zu tun haben.“
Claudia Bellanti, Leiterin der Touristinformation in Iphofen

Fragen, die bis zur kommenden Woche beantwortet sein sollten, damit den Verantwortlichen vor Ort noch ein wenig Vorlauf vor dem Saisonstart bleibt. Das Wichtigste für alle Beteiligten ist allerdings eine verlässliche Konstanz. Eine erneute Schließung nach ein paar Wochen würde allen Beteiligten die letzte verbliebene Energie rauben, prophezeit Claudia Bellanti und warnt vor einem ständigen Auf und Ab – genauso wie Professor Dr. Ralf Jahn. Weder Betriebe noch Kunden könnten die Öffnungen oder unter Umständen wieder notwendige Schließungen problemlos umsetzen. „Ein solches Stop-and-Go ist das letzte, was der Tourismus derzeit braucht“, so der IHK-Hauptgeschäftsführer. Ein Blick nach Österreich oder in die Schweiz zeige, dass es deutlich einfacher geht: Alle dortigen Öffnungen werden inzidenzunabhängig vorgenommen. Ohne Schließungsautomatismen wird zur Beurteilung weiterer Schritte die gesamte Belastungssituation im Gesundheitswesen herangezogen.„Die reine Inzidenzorientierung muss endlich fallen“, fordert Jahn.