Das war lange nicht mehr zu hören: Laut hallt ein Chor aus vielen fröhlichen Kinderstimmen über den Hof bis in den Kuhstall der Landwirtsfamilie Drobek in Willanzheim. Nach langer Corona-Pause ist endlich wieder Unterricht außerhalb des Klassen- oder gar heimischen Kinderzimmers möglich. Alle Beteiligte sind froh darüber.

Distanzunterricht, Wechselunterricht, Homeoffice.... Das letzte Jahr war nicht leicht für Kinder. Statt gemeinsam zu lernen, zu lachen und zu spielen, saßen sie auf Abstand in den Bänken oder alleine zuhause und erledigten ihre Aufgaben. Die Willanzheimer Viertklässler waren dabei sehr fleißig, bescheinigt ihnen Susann Hillgärtner. „Wir können sie guten Gewissens in die 5. Klasse schicken.“ Die Gemeinschaft aber, die so wichtig ist für Kinder, kam viel zu kurz. Und deshalb setzt die Rektorin der Willanzheimer Grundschule alles daran, dieses Gemeinschaftsgefühl in den letzten Wochen des Schuljahres wieder zu stärken. Sie startet zahlreiche Ausflüge und Projekte, die dazu beitragen, dass die Kinder ihre Grundschulzeit als schön in Erinnerung behalten und nicht nur mit Corona-Beschränkungen verbinden.

Kinder haben noch viel vor

Das vom Kreisjugendring unterstützte Theaterstück „Hau ab“ haben die Kinder schon gesehen, gemeinsam mit dem langjährigen Kreisheimatpfleger Karl-Heinz Wolbert die Willanzheimer Kirchenburg besichtigt. Das Mainfränkische Museum in Würzburg werden sie noch besuchen, die Ausstellung im Knauf-Museum anschauen, bei einer Stadtführung die Geschichte Iphofens kennenlernen und bei den Bundesjugendspielen diesmal sogar zum Schwimmen gehen.

„Es ist wichtig, dass die Kinder mal was anderes in den Kopf kriegen als Corona, Masken und Abstand halten“, findet Susann Hillgärtner. Die Reaktion der Kinder gibt ihr Recht: „Die saugen das alles auf.“ Vor wenigen Tagen war der Stall der Familie Drobek am Ortsrand von Willanzheim das Ziel der Viertklässler. Ein Besuch, der schon im Kalender stand, als die Kinder noch die 3. Klasse besuchten, wegen Corona aber verschoben werden musste.

Zu Beginn geht es erst mal darum, welche Pflanzen die Drobeks anbauen und welche Tiere bei ihnen im Stall stehen. Ernst Drobek hat dazu extra kleine Tierfiguren mitgebracht. „NEIN!!!“ schallt es im Chor, als er ein Longhorn und ein Bison zeigt, die Milchkuh quittieren die Mädchen und Buben dagegen mit einem lauten „JAAAAA!“. Es bleibt nicht bei den kleinen Kuhfiguren an diesem Vormittag, denn natürlich dürfen die Kinder auch in den Stall, wo Marcel Drobek ganz viel über die Tiere und ihre Milch erzählt und jeder begeistert die Gelegenheit nutzt, eine Kuh zu streicheln.

Ein bisschen Biologie, ein bisschen Geschichte, ein bisschen Mathematik und ganz viel „Lernen fürs Leben“: der „Unterricht“, den Ernst Drobek und sein Sohn Marcel abhalten, ist vielfältig und unterhaltsam. Als der Landwirt die Familie vorstellt, vermittelt er den Kindern ganz nebenbei, was vier Generationen sind und dass es heute nicht mehr allzu oft vorkommt, dass so viele Familienmitglieder unterschiedlichen Alters in einem Haus leben.

Lernen mit allen Sinnen

Über die Anbaufläche erfahren sie, dass 90 Hektar ungefähr so viel sind wie 110 Fußballfelder. Sie lernen, dass die Menschen früher Jäger und Sammler waren und warum sie mit den Anbau von Feldfrüchten begannen. Wie der Mensch früher die ganze Kuh verwendete, dazu haben die Kinder selbst viele Ideen: Fleisch und Milch, Fell, Leder, Hörner und Knochen wurden genutzt.

Dann geht es tiefer in den Bereich Landwirtschaft. Die Viertklässler erfahren, dass man nicht aus jedem Getreide Brot backen, dafür aus Sommergerste Bier machen kann und dass Mais zwar anders aussieht, aber trotzdem zur Familie der Getreide gehört. Und weil man sich etwas viel besser merken kann, wenn man es nicht nur hört, sondern auch sieht, riecht und anfasst, reicht Ernst Drobek kleine Schälchen mit Getreidekörnern herum. Die meisten Sorten erkennen die Viertklässler – und wenn mal einer passen muss, sind ihre Klassenkameraden Nico und Sebastian zur Stelle, deren Eltern beziehungsweise Großeltern landwirtschaftliche Betriebe haben. Die jungen Fachmänner kennen sogar das Getreide Triticale und können erklären, was eine Ganzpflanzensilage ist.

Viel neues Wissen also, mit dem die Kinder daheim beeindrucken konnten – und sie konnten auch gleich testen, ob ihre Eltern echte Franken sind. „Rangers“ oder „Rangersen“, das wissen die Kinder jetzt, sind Futterrüben. Wetten, dass viele Erwachsene da passen mussten?