Ende gut – fast alle gut? Oh nein!
Autor: KTlen
Kitzingen, Dienstag, 27. März 2018
Kitzingen Sechs Wochen liegen hinter uns. Sechs Wochen, in denen sich wieder mal die Spreu vom Weizen trennte. Oder anders formuliert: Fastenbrecher von Fastendurchziehern. Die eine Hälfte der Redaktion blieb standhaft, die andere tat nur so als ob.
Kitzingen
Sechs Wochen liegen hinter uns. Sechs Wochen, in denen sich wieder mal die Spreu vom Weizen trennte. Oder anders formuliert: Fastenbrecher von Fastendurchziehern. Die eine Hälfte der Redaktion blieb standhaft, die andere tat nur so als ob. Fürs nächste Jahr müssen wir uns etwas anderes ausdenken. Die Disziplin muss wieder Einzug halten bei den Fast-Fastern. Aber für heuer ist erst mal gut mit dem Verzicht. Bis Karsamstag halten wir noch die Stellung, dann schreien wir: Genuss, wir kommen!!!
(Nichts Süßes): Geschafft. Und um eine Erkenntnis reicher: Nächstes Jahr mach‘ ich das nicht mehr. Äußere Umstände zwingen mich dazu. Ganze sechs Geburtstage sind in die Fastenzeit gefallen. Mit Kaffee und Kuchen, leckeren Torten und einem kleinen Schokoladengruß auf der Untertasse. Da macht das Fasten keinen Spaß, das kann ich versichern. Und obwohl ich mich echt bemüht habe, wollte sich kein Stolz einstellen, dass ich auf etwas verzichtete, das ich wirklich gerne mag. Denn außer klitzekleinen Ausnahmen habe ich echt durchgehalten. Nicht mal die sechs Tage, die ich kreativerweise aufgrund der Sonntags-Fasten-Ausnahme über die ganze Zeit hätte verstreuen können, habe ich ausgenutzt. Das Fleisch- und Wurst-Fasten der letzten Jahre hat irgendwie mehr getaugt. Die nächste Aktion überlege ich mir besser. Ich könnte dem Sport-Kollegen nacheifern, so mit richtigem Plan. Ich könnte montags walken, dienstags schwimmen, mittwochs Kraftübungen, donnerstags Bauchtanz, freitags Fahrradfahren, samstags Hausputz-Workout, sonntags wandern. Da wäre ich bestimmt fit hinterher. Ich mal' mir das jetzt schon mal aus – und das Denken kann ja bekanntlich das Tun beeinflussen. Mentale Vorbereitung bringt ganz viel. Hoffentlich reichen elf Monate.
Ralf Dieter(mehr Sport). Was für ein schönes Gefühl. Wieder sechs erfolgreiche Wochen geschafft. Und es war überhaupt kein Problem. Zum Abschluss bin ich auf drängenden Wunsch der Kollegin Gr. in die EMS-Lounge, wo sich die unsportlichste aller Kolleginnen seit einem Jahr fit hält. Für eine absolute Sportnull eine beachtliche Leistung. 20 Minuten pro Woche kann offensichtlich selbst die trägeste Träne in Sport investieren. Personal-Trainer Benedikt weihte mich fachmännisch und freundlich in die Elektrische Muskel-Stimulation ein, legte mir lederne Lappen an und besprühte mich mit Wasser, als wäre ich eine allzu dörre Zimmerpflanze. Dann konnten die Übungen auch schon beginnen. Ein bisschen Gymnastik, dazu ein bizzelnder elektrischer Impuls an der jeweiligen Muskelgruppe. Tat gar nicht weh und liegt ganz offenbar im Trend. Nach 20 Minuten war auch diese Einheit geschafft, sogar ein wenig geschwitzt habe ich dabei – es könnte aber auch das Wasser aus dem Bestäuber gewesen sein.
(Low Carb). Ich habe es satt. Oder noch treffender formuliert: Ich bin satt! Und zwar von Pizza, Pasta und belegten Brötchen. Eine Woche vor dem Ende habe ich die Mission „Low Carb“ für gescheitert erklärt. Keine Nudeln, kein Brot – das war einfach nichts für mich. Das habe ich zwar schon nach einer Woche gemerkt, aber irgendwie musste ich ja mit meinen (weiblichen) Kollegen aus der Redaktion mithalten. Als habe ich mich durchgebissen (auch durch Unmengen Brokkoli). In den letzten Tagen wurden die Gelüste jedoch immer größer. Das Durchblättern der Werbeprospekte war reinste Folter und zum Einkaufen hätte ich am liebsten Scheuklappen getragen, um die Bäckerauslagen und andere Leckereien auszublenden. Der Hauptausschlag für meinen Stopp: der Schritt auf die Waage. Sage und schreibe mickrige 200 Gramm zeigte das freche Ding weniger an als vorher! 200 GRAMM!!!! Nicht mit mir! Ich lass mich doch nicht auf den Arm nehmen! Schnurstracks sprintete ich die Treppe nach unten. In die Küche. Zu den Nudeln. Zum Topf. Ende.
(nur regionale Produkte): Ich lach' mich krumm. Dass sich der einzige Mann der Fastenredaktion heute auf Seite 1 quasi zum „Dschungelkönig des Fastens“ erklärt, ist wirklich witzig. Er, der in all den Wochen genau zweimal „Männersport“ (Karteln war's, gell?) gemacht hat, einmal kurz gewandert ist, ein weiteres Mal Autoputzen als Trendsport verkauft hat und 20 Minuten lang bei EMS unter Strom stand, sonst aber auf der Couch lag – wow! Glückwunsch zu so viel Selbstbewusstsein angesichts von derart offensichtlichen Mogeleien... Aber Schwamm drüber. Schön war's wieder. Und: Die Erfahrung war alle Mühen wert. Ich weiß jetzt, dass es geht: Man kommt mit Produkten aus der Region ganz gut über die Runden, kann sogar echte Leckereien kochen (Lauch-Tarte mit Schinken und Ei, Kartoffel-Rüben-Stampf-Kräpfchen, Casteller Crepe mit Apfelmus – total genial). Man muss nur mit mehr Planung als sonst ans Werk gehen und sich genau überlegen, wo es Zutaten aus der Region zu kaufen gibt. Ich habe zwei neue, schnuckelige Hofläden entdeckt, die Milchtankstelle geräubert, Mehl in der Mühle gekauft und viele nette Leute getroffen, die – wie ich – gerne mehr für die Umwelt tun möchten und auf lange Transportwege verzichten wollen.
Allerdings gebe ich zu, dass Ralf in einem Punkt Recht hat: Mit dem Kaffee-Verzicht hat es nicht so recht geklappt. Auch Salz und Pfeffer habe ich so schmerzlich vermisst, dass ab und zu eine Prise den Weg ins Essen fand. Aber, liebe Leser, urteilen Sie selbst: Sind das nicht vielleicht lässliche Sünden?