Von einer einmaligen Kooperation im Freistaat Bayern spricht der stellvertretende Landrat Paul Streng. Von einem ganz neuen Ansatz der Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kitzingen, Gerd Düll. In Hüttenheim ist ein spezieller Lehrgarten eröffnet worden.
Frank Schunke greift tief in die Erde hinein. „Keimfrei und feucht muss der Boden für die Aussaat sein“, sagt er. „Der Samen sollte dunkel und trocken gelagert werden.“ 18 Frauen hören dem Gartenbauingenieur aufmerksam zu. Unterricht vom Fachmann. Direkt vor Ort, in der Gärtnerei. Anschauungsunterricht im wortwörtlichen Sinn.
Das Unterrichtsfach Hauswirtschaft hat am Amt für Ernährung in Kitzingen eine lange Tradition. Entsprechende Lehrgänge gab es schon vor rund 30 Jahren. Sie wurden im Herbst des vergangenen Jahres vom einsemestrigen Studiengang Hauswirtschaft abgelöst. Sehr zur Freude von Gerd Düll. „Der Bedarf ist da. Das hat auch das Landwirtschaftsministerium in München gesehen und unserem Antrag zugestimmt.“
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Ernährung, Kochen, hauswirtschaftliches Management, Wäsche, Reinigung, Kleinkindpädagogik: Der Studiengang umfasst viele Themenbereiche. Der Gartenbau ist einer davon. Und der wird ab sofort nicht mehr in Kitzingen, sondern in Hüttenheim gelehrt. Die Idee dazu stammt von Dülls Mitarbeiter Knut Steffen.
„Hauswirtschafterinnen sind gefragt.“
Gabriele Schenk, Fachlehrerin
In der Ausstellungshalle sind Biergarnituren aufgebaut, an einer Flipchart hat Gabriele Schenk, Fachlehrerin für die Praxiseinheiten, die wichtigsten theoretischen Begriffe notiert. Heute geht es um die Aussaat. Weitere Themen im Jahresverlauf: Wärmeliebende Kulturen wie Tomaten und Zucchini, die Sommerpflege der Beete, die Ernte und das Einwintern der Pflanzen sowie die Pflege von Zimmer- und Balkonpflanzen.
Für die Studierenden steht ein Mustergarten mit Stauden, Rosen und Obstgehölzen für die Ausbildung zur Verfügung. Außerdem haben Frank und Gertrud Schunke dem Amt 300 Quadratmeter Freifläche zur Verfügung gestellt. Das Besondere: Während der unterrichtsfreien Zeit werden sie die Fläche in Schuss halten. Denn die angehenden Hauswirtschafterinnen kommen nicht all zu oft nach Hüttenheim.
Eineinhalb Tage in der Woche haben die derzeit 18 Frauen Unterricht. Nebenher. Viele von ihnen arbeiten halbtags oder versorgen ihre Familie daheim. „Diese Frauen wollen sich fortbilden“, erklärt Düll. Sie wollen sich Wissen aneignen, das zum Teil verloren gegangen ist. „Das ist wie ein Loch in unserer Zeit“, sagt Gabriele Schenk und muss lächeln. Wie ein Haushalt geführt wird, wie eine Wohnung in Schuss gehalten wird, wie ein Garten gepflegt wird: Dinge, die vor 50 Jahren noch selbstverständlich waren, müssen jetzt neu gelehrt werden. Weil dieses Wissen nicht mehr von Generation zu Generation weitergegeben wird.
Die Frauen, die sich für den Studiengang anmelden, nutzen ihr neues Wissen privat. Manche satteln aber auch beruflich noch einmal um. Hauswirtschafterinnen sind in Privathaushalten gefragt, die sich so eine Kraft leisten können. Aber auch bei Senioren, die ihr Lebensumfeld bewahren wollen. Weitere Beschäftigungsfelder: Großhaushalte wie Kantinen, Altenheime oder Kliniken. „Hauswirtschafterinnen sind gefragt“, versichert Schenk. Sie erzählt von früheren Absolventinnen, die jetzt als Beraterinnen für besondere Ernährungsformen arbeiten oder vom Büro in einen Privathaushalt wechselten. Nach der eineinhalbjährigen Ausbildung, die übrigens kostenlos ist, haben die Frauen einen vollwertigen Berufsabschluss in der Tasche und können sich dann auch zur Hauswirtschaftsmeisterin weiterbilden.