Drei Operationen an der Wirbelsäule in einem Jahr. Für Steffi Astalosch war klar: Nach dem Jahr 2019 wird nichts mehr wie es war. Dank der Hilfe der Aktivsenioren kann sie jetzt zumindest beruflich wieder durchstarten. Die Aktivsenioren gibt es seit 36 Jahren. Ehemalige Unternehmer, Selbstständige sowie Führungs- und Fachkräfte aus Wirtschaft und Verwaltung geben im Ruhestand ihre umfassende Berufs- und Lebenserfahrung uneigennützig weiter. Im Landkreis Kitzingen ist Eugen Volbers Ansprechpartner. 30 Jahre lang war er in einer Führungsposition tätig. Jetzt hält er mit seinen Helfern einmal im Monat Sprechstunden im Landratsamt und berät Hilfesuchende. Sein Dienst ist ehrenamtlich. Und er ist erfüllend. „Ich lerne bei den Begegnungen immer selber viel dazu“, sagt Volbers, der bis zu seiner Pensionierung in der IT-Branche tätig war.

Besonders schön ist es, wenn er Menschen helfen kann, die aufgrund eines gesundheitlichen Problems nicht mehr in ihrem alten Beruf arbeiten können. Menschen wie Steffi Astalosch.

15 Jahre hat die dreifache Mutter in einem Fast-Food-Restaurant gearbeitet, die letzten vier Jahre bei einem Kunststoff verarbeitenden Betrieb. Manche Handgriffe musste sie in einer Haltung ausführen, die ihrer Wirbelsäule überhaupt nicht gut tat. Sie litt unter einer besonders schweren Form des Wirbelgleitens, musste operiert werden und auf Reha. Die Ärzte rieten ihr, den bisherigen Beruf nicht mehr auszuüben. „Sie braucht eine Tätigkeit, bei der sie in Bewegung ist, aber ohne eintönige Zwangshaltungen“, erklärt Volbers. Steffi Astalosch wurde bei der Agentur für Arbeit vorstellig, schilderte ihren Traum von der Selbstständigkeit: ein eigener Imbisswagen. Die Agentur stellt den Kontakt zu den Aktivsenioren her. Die Beratung konnte beginnen. „Ich war von Anfang an begeistert“, sagt Astalosch.

Fünf Mal hat sie direkt mit Eugen Volbers gesprochen, noch viel häufiger telefoniert und Emails ausgetauscht. „Er war wirklich für uns da“, schwärmt sie. Parallel zu den Operationen wurde ein tragfähiges Geschäftsmodell entwickelt und ein Businessplan geschrieben, um die Bank von einem Kredit und die Agentur für Arbeit von einem Gründungszuschuss überzeugen zu können. Am Anfang des Prozesses stand die Frage im Raum, ob das Konzept überhaupt sinnvoll und tragfähig ist. „War es nicht“, sagt Steffi Astalosch und muss bei der Erinnerung grinsen. „Wir wollten viel zu viel.“ Hähnchenbude, Dönerbude, Bratwurstbude, Eisverkauf: Die Astaloschs wollten eine Art Gemischtwarenladen in ihrer Imbissbude. Der Rat von Eugen Volbers lautete: lieber weniger, aber dafür hohe Qualität. „Den Rat haben wir umgesetzt“, sagt Steffi Astalosch. Bratwurst soll es geben, Steaks, Hamburger und Curry-Wurst auf Berliner Art. „Wir sind im Speckgürtel von Berlin aufgewachsen“, erklärt Ralf Astalosch. Seit etwa 20 Jahren leben die beiden mit ihren drei Kindern im Geiselwinder Ortsteil Füttersee. Ralf arbeitet im Drei-Schicht-Dienst. Am Wochenende will er trotzdem mit anpacken. „Die Kinder auch“, freut sich Steffi Astalosch. Am Samstag, 21. März, startet das Abenteuer mit der Eröffnung im eigenen Hof. Das Gesundheitsamt hat, trotz der Corona-Krise, grünes Licht gegeben. Alle Neugierigen und Nachbarn sind zwischen 12 und 21 Uhr eingeladen. „Die fragen sich ja schon seit ein paar Tagen, was da für ein Wagen in unserem Hof steht“, weiß Ralf Astalosch. „Steffis Brutzelbude“ ist nicht nur zweckmäßig eingerichtet – inklusive hochwertiger Softeis-Maschine –, sondern auch ein optischer Hingucker. „Die Bemalung und Beschriftung haben wir uns ausgedacht“, sagt Steffi Astalosch stolz. In der nächsten Woche starten die Einsätze. Zwei Mal in der Woche wird sie in Wiesentheid stehen, zwei Mal in der Woche in Dettelbach. Am Montag ist Ruhetag und an den Wochenenden wollen die beiden an Geburtstagen, Hochzeiten oder sonstigen Feierlichkeiten und Veranstaltungen für möglichst viele Gäste brutzeln. „Wir haben schon ein paar Buchungen“, freut sich Steffi Astalosch und hofft – trotz Corona – auf möglichst viele Veranstaltungen, bei denen sie präsent sein kann. „Gesundheitlich müsste alles klappen“, versichert sie. Im Imbisswagen kann sie sich bewegen, auch mal auf einem Hocker Platz nehmen und muss nicht schwer heben. „Mit den Ärzten ist das abgeklärt.“

Für Eugen Volbers ist Steffi Astalosch ein gutes Beispiel, wie Menschen trotz ihrer gesundheitlichen Einschränkungen im Berufsleben Fuß fassen können. „Bisher ist das Thema Unternehmer mit Handicap in unserer Gesellschaft noch nicht angekommen“, bedauert er und kündigt an: „Das wollen wir ändern.“

Viel Hilfe

Die Aktivsenioren sind in allen bayerischen Regierungsbezirken präsent und haben mehr als 400 Mitglieder. Bayernweit haben die Aktivsenioren allein im Jahr 2018 gut 11000 Stunden für Beratungsprojekte geleistet; weitere 6000 Stunden sind in den 48 gemeinnützigen Bildungsprojekten investiert worden.

In Unterfranken sind etwa 25 Aktivsenioren tätig.

Kontakt: www.aktivsenioren.de; Email: eugen.volbers@aktivsenioren.de