Schichtbetrieb, Einlassbändchen und Kreisverkehr sind eigentlich keine Begriffe, die in Verbindung mit dem fröhlichen Planschen im Freibad stehen. In dieser Saison sind sie Voraussetzung dafür, dass der Schwimmbetrieb überhaupt stattfindet. Fest steht: Am 8. Juni wird im Landkreis Kitzingen noch kein Freibad seine Pforten öffnen.

Gleich vorneweg: Die Volkacher werden diese Saison in ihrem Freibad nicht schwimmen gehen können. „Das ist aus sicherheitstechnischen Gründen nicht möglich“, erklärt Geschäftsstellenleiter Gerhard Wagenhäuser. Ideen, wie das Gelände auch ohne Becken genutzt werden kann, gibt es aber genug. „Wir stecken mitten in den Planungen.“ In der nächsten Sitzung des Stadtrates am 22. Juni soll das Konzept für einen Stadtpark mit Außengastronomie vorgestellt werden. So bleiben die Volkacher Schwimmbecken definitiv gesperrt. Die Bäder in Abtswind, Gnötzheim, Kitzingen und Markt Einersheim sollen hingegen öffnen. Die Frage ist nur: Unter welchen Umständen? Oder anders gesagt: Öffnen sie unter allen Umständen?

Konzepte gibt es für alle Bäder. Am weitesten gediehen sind die Pläne in Abtswind. Bürgermeister Jürgen Schulz wird am 13. Juni der erste sein, der den Eröffnungssprung ins Schwimmerbecken wagt. Das wird anders aussehen als bisher: „Wir installieren hier einen Kreisverkehr“, schmunzelt Schulz. „So begegnen sich die Schwimmer im Wasser nicht.“ Im Planschbecken hingegen werden sich die Kinder zwangsläufig begegnen, ebenso wie bei den Nichtschwimmern. „Hier gilt: Eltern haften für ihre Kinder.“ Überhaupt will er sich auch auf die Eigenverantwortung der Besucher verlassen. „Bei Nichtbeachten wird das Bad im schlimmsten Fall wieder geschlossen. Und das will ja wohl niemand.“

Hinein wollen im nahenden Sommer aber sehr viele. Normalerweise kommen an guten Tagen bis zu 1000 Badegäste nach Abtswind – nicht aber in diesem Jahr. Die Gästezahl wird durch den Kartenverkauf an der Kasse kontrolliert. „Wir haben 350 Kärtchen, die man am Eingang erwirbt und beim Verlassen des Bades wieder abgibt“, sagt Bürgermeister Schulz. Sind diese Karten vergeben, wird der Einlass gestoppt. „Wir werden sehen, wie es anläuft. Die meisten Leute sind doch sehr vernünftig.“

Aufruf im Gemeindeblatt

In Markt Einersheim will man sich darauf nicht verlassen. Darum steht und fällt die Eröffnung des Terrassenbades mit dem Personal. Obwohl das bestehende Team der Badeaufsicht zuversichtlich und motiviert ist, bedarf es noch etlicher zusätzlicher Helfer, die an Aus- und Eingang sowie an den Becken und im Gelände die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsvorgaben prüfen. Mit einem Aufruf in der Ortsinfo wollen Bürgermeister Herbert Volkamer und sein Gemeinderat die Einersheimer Bürger zur Unterstützung aufrufen. „Es wäre toll, wenn wir das Schwimmbad öffnen könnten, aber es muss auch machbar sein“, erklärte er im Rahmen einer Sondersitzung. Ein Online-Reservierungssystem sei zum Beispiel nicht machbar, reservieren sollen die Leute aber trotzdem, möglicherweise telefonisch. Schließlich wolle man verhindern, dass nach den gut 200 Gästen, die ins Bad dürfen, eine lange Schlange vor der Kasse bleibt und der Rest ganz ohne Abkühlung wieder abziehen muss. Um möglichst vielen Besuchern dieses Vergnügen zu ermöglichen, könnte ein Zwei- oder Drei-Schicht-Betrieb eingeführt werden, der das Schwimmen für dreieinhalb Stunden am Morgen, über Mittag oder am Nachmittag ermöglicht. So oder so wird das Terrassenbad nicht vor dem Wochenende 19./20. Juni öffnen.

Diesen Termin hat auch Rainer Ott für sein Bad in Gnötzheim ins Auge gefasst. Allerdings geht es dem Martinsheimer Bürgermeister genauso wie seinem Kollegen in Markt Einersheim. „Wir müssen zunächst einmal wissen, ob die Wasserwacht, die bei uns die Badeaufsicht stellt, diesen Aufwand leisten kann.“ Um die 100 Leute dürfte er einlassen, ob es so viele werden, bezweifelt Rainer Ott aber. „Zu uns kommen eigentlich viele Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren.“ Die dürfen aktuell nur unter Aufsicht ihrer Eltern baden gehen. „Gut möglich, dass sie dann gar nicht kommen.“ Trotzdem: Das Konzept steht. Ob es zum Tragen kommen kann, noch nicht.

Getrübte Stimmung herrscht auch auf der Kitzinger Mondseeinsel, obwohl das Wasser in den Becken inzwischen glasklar vor sich hin plätschert. Betriebsleiter Peter Zimmermann hat sein Konzept für die Öffnung in den letzten Wochen mehrmals überarbeitet, war voller Vorfreude auf den Saisonstart. Die jüngsten Vorgaben der bayerischen Staatsregierung lassen ihn aber zweifeln. „Ich bin hin- und hergerissen“, beschreibt er seine Gefühlslage und wartet auf die Freigabe des Gesundheitsamtes und den Aufsichtsratsbeschluss über den Eröffnungstermin.

Drei-Schicht-Betrieb

750 Gäste könnten das Freibad täglich besuchen, aufgeteilt in drei Schichten, die von 8 bis 10 Uhr, von 11 bis 16 Uhr und von 17 bis 19 Uhr dauern. Dazwischen bleibt eine Stunde Zeit zum Reinigen und Desinfizieren. Ihre Tickets lösen die Besucher online, so dass sich an den Kassen keine Warteschlangen bilden. „Dieses System mit dieser Besucherzahl muss sich bewähren. Dann können wir immer noch nachjustieren und vielleicht mehr Besucher einlassen.“ Mehrere Mitarbeiter werden – übrigens mit Mundschutz – bei den Toilettenanlagen, in der Cafeteria, auf den Liegewiesen und in den Schwimmbecken darauf achten, dass die Vorgaben eingehalten werden. „Wir wollen vor allem eines nicht: ein Hotspot werden“, sagt Zimmermann und begründet so die zurückhaltende Gästezahl. Diejenigen, die da sind, sollen aber möglichst ungetrübt ihren Schwimmbadbesuch genießen – so weit es unter diesen Umständen möglich ist. Die Bereitschaft, die Bäder zu öffnen, ist bei den Betreibern jedenfalls unter allen Umständen da. Auch wenn das bedeutet, Kreisverkehr, Einlassbändchen und Schichtbetrieb einzuführen.