Ein Leben mit Einschränkungen

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Christine Schmidt muss auf die richtige Ernährung akribisch achten.
Foto: Ralf dieter
In ihrem Küchenschrank hat Christine Schmidt eine Auflistung der Dinge, die sie nicht essen sollte.
Foto: Ralf Dieter

Christine Schmidt hat eine sehr seltene Erkrankung: Die Histamin-Intoleranz.

Christine Schmidt hat lange nicht gewusst, warum sie solche Beschwerden hat. Jetzt ist es ihr klar. Die Prichsenstädterin gehört zu den wenigen Menschen in Deutschland mit einer Histamin-Intoleranz.

Wie viele Menschen von dieser Unverträglichkeit betroffen sind, könne kein Mensch sagen, betont Professor Dr. Thomas Fuchs, Vorstandsmitglied des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen. Die Betroffenen haben jedenfalls mit gravierenden Folgen zu kämpfen: Kopfweh, Bauchweh, Pusteln auf der Haut. Christine Schmidt wusste lang nicht, warum sie keinen Rotwein verträgt und nach ein paar Schlucken Sekt rasende Kopfschmerzen bekommt.

Histamin ist ein Hormon. Jeder Mensch hat es. Kaum einer weiß es. Warum auch? Normalerweise wird Histamin von einem Enzym mit dem komplexen Namen Diaminoxidase (DAO) abgebaut. Bei Menschen wie Christine Schmidt allerdings nur eingeschränkt – mit fatalen Folgen.

Schon als Kind hatte die Prichsenstädterin ihre Probleme: Schnell wurde sie satt, Käse vertrug sie gar nicht. Wenn sie sich aufregte oder weinen musste, bekam sie Kopfschmerzen. „Und ständig hatte ich eine Blasenentzündung.“

Mit zunehmendem Alter nahmen auch die Beschwerden zu. Ein Schluck Sekt, und eine halbe Stunde später meldete sich die Migräne. Selbst ein bisschen Wein in der Sauce vertrug sie nicht. „Dann hatte ich halt eine Stunde später Kopfweh.“ Auch Stress und Sport machten sich schnell körperlich bemerkbar. „Beim Radfahren wurde ich sehr schnell feuerrot, bekam Nackenschmerzen und mein Herz schlug wie wild.“ Raucht jemand in ihrer Nähe, bekommt sie Kopfschmerzen.

Die Ärzte, die Christine Schmidt aufsuchte, wussten keinen Rat. Zumindest keinen, der ihr weiterhalf. Sie bekam Blutdruckmittel verschrieben. „Aber die regen den Ausstoß von Histamin erst recht an.“ Von einem Arzt lief sie zum nächsten. „Es gibt keinen Test, mit dem sich diese Unverträglichkeit zweifelsfrei feststellen lässt“, bedauert Professor Fuchs. Immer wieder komme es vor, dass die Diagnose erst relativ spät getroffen wird. „Der Stress war nicht gerade förderlich für meine Gesundheit“, erinnert sich Christine Schmidt.

Im Oktober 2013 hatte sie dann mit einer Pilzinfektion und Blasenentzündung zu kämpfen. Die verschriebenen Antibiotika haben die Sache nur noch schlimmer gemacht. Christine Schmidt machte sich im Internet auf die Suche nach einer Krankheit, die ihren Leidensweg erklären könnte. Sie stieß auf die Histamin-Intoleranz. Sie besorgte sich Kapseln, die das Enzym DAO ersetzen und stellte ihre Ernährung radikal um. „Es ging mir schnell besser.“ Nur ein Problem blieb bestehen: Immer wieder stößt sie auf Unverständnis, wenn sie von ihrer Krankheit spricht und erntet nicht selten skeptische Blicke. „Ich vertrage zum Beispiel überhaupt keine Hitze“, sagt sie. „Und spätestens nach fünf Stunden Arbeit kündigt sich eine Migräne an.“ Christine Schmidt würde sich eine größere Akzeptanz für Betroffene wünschen.

Nach langer Suche weiß die 46-Jährige endlich, wie sie mit der Unverträglichkeit umgehen kann. Sie verzichtet auf Hartkäse und greift lieber zu Frischkäse, sie isst keine rohen Wurstprodukte und trinkt keinen Alkohol. Fischkonserven gehen gar nicht, fangfrischer Fisch schon. Schokolade, Nüsse und jegliche Hefeextrakte sind ebenfalls tabu. Ihr Leben kann sie trotzdem genießen. Endlich, nach einer langen Zeit der Unsicherheit und Suche weiß sie, wie sie mit ihrer Unverträglichkeit leben kann. Ein Wissen, das ihrer Tochter viel Ärger und Kummer erspart. Sie hat ebenfalls eine Histamin-Intoleranz.

Definition Histamin wird mit der Nahrung aufgenommen. Ist zu viel Histamin im Körper, kann es zu gesundheitlichen Problemen kommen. Hautauschlag, Durchfall, Übelkeit und vieles mehr sind typische Symptome. Die Histamin-Intoleranz wird in der Regel durch einen Mangel an Enzymen ausgelöst, die das Histamin normalerweise im Körper abbauen. Durch eine Umstellung der Ernährung lässt sich die Histamin-Intoleranz eindämmen: Verzicht auf Alkohol, lang gereiften Käse, rohe Wurstprodukte und Fischerzeugnisse. Auch Tomaten, Erdbeeren, Sauerkraut und Nüsse sollten vermieden werden. Schokolade auch.