Was hat die Liebe mit der Linde zu tun? Mit Gastfreundschaft und Bescheidenheit? Klaus Behr, Bereichsleiter Forsten am Amt für Landwirtschaft und Forsten Kitzingen, weiß es.
Was hat die Liebe mit der Linde zu tun? Mit Gastfreundschaft und Bescheidenheit? Klaus Behr, Bereichsleiter Forsten am Amt für Landwirtschaft und Forsten Kitzingen, weiß es.
Von der imposanten Allee im Schlosspark auf dem Schwanberg bis hin zu etlichen Dorfmittelpunkten: Linden sind im Kreis Kitzingen – wie in ganz Deutschland und Mitteleuropa – die häufigsten Bäume auf Plätzen, in Alleen, Parks und Gärten. Die bekanntesten Vertreter aus der Familie der Malvengewächse liegen Klaus Behr besonders am Herzen. „Es sind zwei Schwestern“, erklärt der Förster. „Die starkwüchsige Sommerlinde – Tilia platyphyllos – und die bei uns weiter verbreitete und etwas zierlichere Winterlinde – Tilia cordata).“ Letztere wurde in Deutschland zum Baum des Jahres 2016 gewählt.
„Die Heimat der Winterlinde ist, den hohen Norden ausgenommen, ganz Mitteleuropa. Ihre Krone hat aus der Ferne betrachtet die Form eines Herzens mit der Spitze nach oben. Auch ihre Blätter sind herzförmig“, beschreibt Behr die besonderen Kennzeichen des Gewächses. Der Stamm könne mehrere Meter dick werden und eine Höhe von fast 40 Metern erreichen.
Die Wurzeln entwickeln ein sogenanntes Herzwurzelsystem, das unterirdisch zur Gestalt der Kronenform passt. Wird eine Linde gefällt, so treibt sie sehr stark aus dem Stock wieder aus. „Aus diesem Grund war die Winterlinde auch in den Mittelwäldern Frankens stets mit nennenswerten Anteilen vertreten“, berichtet der Fachmann.
Zur Freude der Imker öffnen sich die Blüten der Winterlinde erst im Juli. Sie sind dann eine wertvolle Bienenweide. Wenn Linden blühen, kann man oft schon aus der Ferne das Summen der Bienen hören und ihren charakteristischen Honigduft wahrnehmen. Bereits im Juli findet man unter blühenden Winterlinden allerdings auch auffällig viele tote Hummeln. Der Grund ist erstaunlich: „Da zu dieser Zeit die sonstigen Nahrungsquellen für die Hummeln schon stark abnehmen, üben die spätblühenden Winterlinden eine magische Anziehungskraft auf alle Hummeln der Umgebung aus. Diese starke Konzentration führt dann wiederum zu Nahrungsengpässen und zum Absterben zahlreicher Hummeln in der Nähe der Linden.“ Klaus Behr hat den Nahrungskampf der Insekten schon oft beobachtet. Und er weiß auch: „Die Autofahrer, die im Frühsommer unter den Linden parken, ärgern sich nicht selten über die schmierige Masse, die den Lack überzieht.“ Schuld daran sind nicht die Linden, sondern die Blattläuse. „Mit ihrem Saugrüssel zapfen sie die Pflanzen an, um an deren Säfte zu kommen. Der klebrige Saft ist ihr Kot.“ Anfang August, wenn in Franken im Schatten der Linden viele Weinfeste beginnen, ist dieser Spuk meist auch schon wieder vorbei.
Ein Blick in die Baumkrone entschädigt für manchen Schmutz: Dort oben leben höhlenbrütende Vogelarten, Pilze und die Laubholzmistel. Behr betont, dass die Winterlinde als relativ anspruchslose Baumart, die auch mit mittlerer Nährstoffversorgung, geringen Niederschlägen und hohen Temperaturen noch ganz gut zurecht kommt, auch eine wichtige Mischbaumart beim Waldumbau im Zuge des Klimawandels ist. Das Holz der Winterlinde ist hell, leicht und sehr weich. Deshalb ist es auch das beste Schnitzholz. „Aus Lindenholz sind die meisten Altar- und Wandfiguren in den Kirchen. Es wird daher auch als Sakral- oder Heiligenholz' bezeichnet.“
In der Naturheilkunde haben vor allem die Lindenblüten große Bedeutung: Lindenblütenhonig, Lindenblütentee oder auch Öle aus Lindenblüten stehen hoch im Kurs.