Du brauchst nichts, als dich selbst
Autor: Tessa Korber
Kitzingen, Dienstag, 09. Januar 2018
Gesundheit ist ein wichtiges Thema im Leben von Renate Polatzek, beruflich und auch privat. Ihr Mann ist schwer chronisch erkrankt und auf ihre Hilfe angewiesen. Gesundheit, und eine vernünftige Art des Lebens, liegen ihr am Herzen. Darüber lässt sich trefflich mit Renate Polatzek sprechen. Was ist ungesund an unserer Art zu leben? Was macht diese Gesellschaft falsch?
Die ausgebildete Krankenschwester fällt dabei nicht mit der Tür ins Haus, bleibt zunächst bei den trockenen Fakten über sich selbst, ihre Ausbildung, ihre Kurse. Doch schnell wird klar, dass da ein Mensch mit gedanklicher Tiefe und großem Engagement sitzt. Sie ist keine Esoterikerin. Ihre Kurse sind nicht abgehoben. Und sie sind„religionsfrei“, wie sie selber sagt, ohne einen bestimmten weltanschaulichen Hintergrund. „Das ist mir wichtig.“
Der Satz fällt des öfteren. So einiges ist Renate Polatzek wichtig, wenn man nachfragt. Und es zeigt sich, dass die auf den ersten Blick zurückhaltende Frau zwar nicht weltanschaulich oder religiös gebunden sein mag, deshalb aber keineswegs unklare Ansichten hat.
Ungesund findet sie das, was viele Menschen tun: Sich anstrengen bis zum Anschlag, um dann in ein Loch zu fallen, das stete Pendeln zwischen Überdrehen und Burnout. Vernünftig sei das schon gar nicht. Sie weiß, dass ihre Kurse gegen eine Art zu Leben angehen, der mit einem einmal die Woche verabreichten Gegenmittelchen nicht beizukommen ist. Sie wünscht sich daher, dass ihre Kursteilnehmer Hilfe zur Selbsthilfe bei ihr lernen. Wie das geht? Mithilfe der Richtlinien, die ihr wichtig sind.
„Ich lehre Dinge, hinter denen ich stehe und die ich selber regelmäßig praktiziere.“ Das ist Renate Polatzek sehr wichtig. Sie meditiert selbst regelmäßig und wendet autogenes Training auch erfolgreich bei Symptomen ihres Ehemannes an.
Zugunsten einer funktionierenden Praxis weicht sie gerne auch mal von den Schulregeln ab. Wichtig ist, dass etwas funktioniert für den Menschen, der es tut. Ohne ideologischen Ballast. Und auch ohne übermäßigen technischen Aufwand. „Beim Meditieren sagte eine Lehrerin immer 'Ihr sitzt wie ein Berg'“, erzählt sie. Die Frau hatte allerdings einen starken Akzent. Was einige Teilnehmer hörten war: „Du sitzt wie ein Bär.“ Das ist einerseits lustig, viel interessanter aber fand Renate Polatzek, dass das Bild des gemütlichen, starken, selbstsicheren Bären diesen Menschen half, zur Ruhe zu kommen. Aus dem Missverständnis wurde etwas Sinnvolles. Renate Polatzek hat ihn deshalb beibehalten.
Mag in alten Schriften auch vom Berg die Rede sein – wenn der Bär funktioniert, dann wird es bei ihr halt der Bär. Wenn etwas anderes für einen bestimmten Menschen sich als wirkungsvoll erweist, wird sie ihm raten, dieses Wort, dieses Bild für sich arbeiten zu lassen.