Der erste Spargel kommt deutlich später als im letzten Jahr.
Endlich geht es los. Die Verbraucher können es kaum erwarten. Und die Produzenten scharren auch schon mit den Stechmessern. Die Spargelsaison 2018 kann beginnen.
Jochen Neubert schaut über sein Feld zwischen Großlangheim und Kleinlangheim und nickt zufrieden. Die Erntehelfer stechen den ersten Spargel der Saison. 12 bis 14 Kilo pro Stunde sind schon drin. Unter der doppelten Folienabdeckung ist der Spargel in den letzten Tagen wunderbar gereift. „Am Wochenende startet der Verkauf so richtig durch“, sagt Neubert. Auf rund 14,5 Hektar hat der Kaltensondheimer Spargel angebaut. Den Verkaufsstart Mitte April bezeichnet er als normal und keinesfalls als schwierig. „Letztes Jahr haben wir schon am 22. März gestochen“, erinnert er. „Das war für die Verbraucher teilweise noch zu früh.“
„So einen kalten März hatten wir noch nie“, sagt Jürgen Heilmann und seufzt. Die dauerhaften niedrigen Temperaturen haben einen Frühstart in die Spargelsaison verhindert. Der Albertshöfer legt ebenfalls dieser Tage mit der Ernte los. Wie Neubert setzt Heilmann auf seinen Spargelfeldern nicht auf eine Dreifachabdeckung. „Mir reicht die Doppelabdeckung.“ Die Konsequenz: Heilmann ist auf seiner rund 40 Hektar großen Spargelfläche rund eine Woche später dran als manche Kollegen, gerade im süddeutschen Raum.
Ohne Folien geht schon lange nichts mehr in der Spargelbranche. Fachberaterin Christine Müller vom Amt für Landwirtschaft in Kitzingen meint, dass jeder professionelle Spargelhof mittlerweile mit Folien oder Tunneln arbeitet. Bis zu acht Jahre halten die Folien bei normalen Wetterbedingungen. „Sie speichern die Sonnenenergie“, sagt Jürgen Heilmann und muss lachen. „Das ist wie unter der Bettdecke. Da ist es auch wärmer.“ Folien haben darüber hinaus weitere Vorteile. „Sie sind wie ein kleines Gewächshaus“, erklärt Christine Müller. „Sie halten Schädlinge und Unkraut zurück.“ Dank des Folieneinsatzes konnten auch die Spargelanbieter aus Italien oder Griechenland aus dem deutschen Markt zurückgedrängt werden. „Wir können jetzt ähnlich früh wie die Südeuropäer den Markt bedienen“, sagt Heilmann.
Vor 20 Jahren dauerte eine fränkische Spargelsaison typischerweise noch vom 1. Mai bis Johanni (24. Juni). Jetzt können normalerweise drei Monate lang fränkische Stangen gekauft werden. Anfang April geht die Saison im Durchschnitt los. Und endet Anfang Juli. Dem verspäteten Start in die Saison 2018 kann Christine Müller auch etwas Gutes abgewinnen. „Die Winterruhe ist für den Spargel ganz wichtig“, sagt sie. Drei Wochen mit weniger als fünf Grad Celsius in einer Bodentiefe von 20 Zentimetern seien für das Edelgemüse gut. „Dann wächst er später mit viel Schwung“, erklärt sie. Bei milden Wintern fehlt dem Spargel eine entsprechende Triebstärke – was sich auf die Qualität auswirken kann.
Für Christine Müller ist der Spargelanbau so etwas wie ein Paradebeispiel für eine gelungene Direktvermarktung. Es gibt keine langen Transportwege, die Vitamine halten sich, die Verbraucher identifizieren sich mit dem Gemüse. Entsprechend groß ist die Nachfrage. Bayernweit hat die Anbaufläche in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Zwischen den Jahren 2008 und 2017 lag die Steigerung bei rund 75 Prozent. „Der Süden wächst allerdings wesentlich stärker als der Norden“, erklärt Müller.
Die Betriebsstrukturen lassen sich nicht vergleichen. 63 Prozent der bayerischen Betriebe liegen in Franken – die Gesamtfläche am bayerischen Spargelanbau macht allerdings nur 23 Prozent aus. „Große Felder sind bei uns eine Seltenheit“, bestätigt Heilmann und nennt einen weiteren Unterschied. Der Spargel aus dem Süden des Landes landet vorwiegend im Lebensmitteleinzelhandel. „In Franken liegt der Anteil der Direktvermarktung bei rund 95 Prozent“, sagt Christine Müller.