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Aufatmen an den Kitzinger Schulen

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Ganz schön groß, die neuen Luftfilter, die unter anderem in der St. Hedwig-Schule installiert wurden. Hausmeister Michael Mahr freut sich zusammen mit Patrick Fischer (Teamleiter Zentrales ...
Foto: Ralf Dieter
Hausmeister Michael Mahr zeigt Melanie Michel die „Innereien“ des Gerätes. Die Filter müssen nach einem beziehungsweise zwei Jahren getauscht werden.
Ralf Dieter

Mehr als 100 Luftfilter werden in diesen Tagen in den Grund- und Mittelschulen sowie in der Wirtschaftsschule installiert.

Ende letzter Woche kamen die bestellten 112 Luftfilter für die Schulen im Sachaufwand der Stadt Kitzingen. Genau im richtigen Moment. Anfang dieser Woche erreichte die Schulleiter (wieder einmal) ein Schreiben des Kultusministeriums. Tenor: In Klassenzimmern, in denen keine Luftfilter stehen, gelten ab sofort strengere Regeln.

Andrea Lorey ist zufrieden. 30 Geräte sind in dieser Woche in die St. Hedwig-Schule geliefert worden. In jedem Klassenzimmer steht einer der 160 Kilogramm schweren Luftreiniger, in jedem Raum, der von Lehrern und Kindern genutzt wird. „Ein wenig kleiner hatte ich mir die Geräte schon vorgestellt“, meint die Schulleiterin und lächelt. „Aber sie sind leise und wir haben für jedes einen Platz gefunden.“

Politische Diskussionen

Zum Start des Schuljahres 2021/2022 hatte die Bayerische Staatsregierung das Ziel vorgegeben, mobile Luftfilter in jedem Klassenzimmer des Freistaates aufzustellen. Mit deren Hilfe sollte die Luftqualität verbessert und die Ansteckungsgefahr mit Corona-Viren verringert werden. Eine 50-prozentige Förderung wurde den jeweiligen Sachaufwandsträgern in Aussicht gestellt. Die politischen Diskussionen vor Ort begannen.

Der Landkreis Kitzingen entschied für seine Schulen (Gymnasien in Kitzingen und Marktbreit sowie Realschulen in Kitzingen und Dettelbach) beispielsweise, nur die 5. und 6. Klassen mit Luftfiltern auszustatten. Argument: Die Einhaltung der Hygieneregeln sei bei älteren Schülern leichter umzusetzen, außerdem gab es zum damaligen Zeitpunkt noch keine Impfangebote für Kinder unter zwölf Jahren. In Volkach wurden Ende November 81 Luftreiniger in Grund- und Mittelschule sowie den Kindertageseinrichtungen der Stadt installiert. Im gesamten Freistaat sind derzeit für etwa 70 Prozent aller Klassenzimmer Fördermittel beantragt worden, wie Schulrat Florian Viering berichtet. Die Ausstattung der Schulen, für die die Stadt Kitzingen als Sachaufwandsträger verantwortlich zeichnet, freut ihn. „Das kommt zur rechten Zeit.“

Kritische Grenze

Laut neuester Vorgabe des Kultusministeriums entfällt die Ermittlung von Kontaktpersonen in denjenigen Klassenzimmern, in denen Luftreiniger aufgebaut sind. Nur derjenige Schüler, der positiv getestet wurde, muss in Quarantäne, die anderen Klassenkameraden dürfen weiterhin in den Unterricht. Die kritische Grenze liegt im Landkreis Kitzingen nach aktuellen Vorgaben des Gesundheitsamtes bei drei Kindern pro Klasse. Wird das vierte Kind positiv getestet, muss sich die gesamte Klasse in Quarantäne begeben. „Egal, ob es Luftreiniger gibt, oder nicht“, so Viering. Er betont, dass die Hygienestandards auch weiterhin gelten. Zu ihnen gehört eine durchgängige Maskenpflicht und das regelmäßige Lüften. Die neuen Geräte machen das nicht obsolet, aber sie erweitern den Zeitraum, in dem die Fenster geschlossen bleiben können.

Musste in St. Hedwig bislang alle 20 bis 25 Minuten gelüftet werden, haben sich die Intervalle dank der neuen Luftfilter auf 45 Minuten vergrößert. „Gerade bei diesen kalten Temperaturen ist das schon ein Vorteil“, sagt Andrea Lorey. Wird der CO2-Gehalt in der Luft immer dünner, springt das Signal auf dem Gehäuse von grün auf gelb und dann auf rot. Spätestens dann müssen die Fenster aufgerissen werden. Über Bewegungsmelder werden die Anlagen gesteuert, schalten sich etwa 30 Minuten nach Ende des Unterrichtes automatisch ab.

Alle Schulleiter dafür

Bereits im Juli, in der letzten Sitzung vor der Sommerpause, hatte sich der Kitzinger Stadtrat dafür ausgesprochen, alle Klassenzimmer mit entsprechenden Anlagen auszustatten. Vorher waren alle Schulleiter befragt worden, ob sie die Anschaffung befürworten. „Haben sie“, erinnert sich Oberbürgermeister Stefan Güntner. Jonas Wirth und seine Kollegin Melanie Michel vom Sachgebiet Schule, Sport und Kinderbetreuung machten sich mit Unterstützung von Patrick Fischer vom Zentralen Gebäudemanagement der Stadtverwaltung an die Arbeit und erstellten eine EU-weite Ausschreibung. „Bei der Anzahl von 112 Geräten war das nötig“, erklärt Wirth. Die Wartung, die Stromkosten und die nötigen Filterwechsel nach einem, beziehungsweise zwei Jahren, wurden in die Ausschreibung mit eingerechnet. Im September konnte der Auftrag vergeben werden, eine Firma aus Niederbayern erhielt den Zuschlag. „Eigentlich wollten wir die Luftfilter lange vor den Weihnachtsferien aufgebaut haben“, erinnert sich Oberbürgermeister Stefan Güntner. Lieferschwierigkeiten sorgten für eine Verzögerung. Jetzt sind die insgesamt 112 Geräte in der Wirtschaftsschule, den beiden Grund- und Mittelschulen installiert. „Eine bessere Luft sorgt auch für eine bessere Konzentration“, freut sich der Oberbürgermeister und Schulleiterin Andrea Lorey ergänzt: „Dank der Luftfilter können wir mehr Kinder in Präsenz unterrichten.“

Zu wenig Testkapazitäten

Schulrat Florian Viering treibt im Moment eine Sorge um: Die Labore im Freistaat kommen offensichtlich an ihre Grenzen. Zweimal pro Woche wird in den Klassenzimmern ein sogenannter PCR-Pooltest durchgeführt. Ist das Ergebnis positiv, werden die einzelnen Proben der Kinder gezielt untersucht. „Wir hatten in dieser Woche schon einen Fall, in dem das Labor die Einzelergebnisse aufgrund mangelnder Testkapazitäten nicht liefern konnte“, berichtet Viering und spricht von einer heiklen Situation. Lehrer, Eltern und Kindern fühlten sich dadurch verunsichert. Einfacher wird die Lage voraussichtlich nicht. Nach den Faschingsferien sollen die Pooltests nicht nur in den Grundschulen, sondern dann auch in den 5. und 6. Klassen angewendet werden. Immerhin: Genug Selbsttests gebe es in jeder Schule, um die Kinder bei Bedarf täglich auf Corona zu testen, versichert Viering. „Aber wir wissen alle, dass die PCR-Tests zuverlässiger sind.“