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Die Kitzinger Käther lebt


Autor: ktldk

Kitzingen, Montag, 06. Juli 2020

Augen wie grüner Samt, Haare schwarz wie Ebenholz. Die neue „Kitzinger Käther“ ist jung und schön anzusehen. Auf den ersten Blick hat sie nichts gemeinsam mit der alten, knorrigen Frauenfigur aus dem Historienspiel. Und doch: Michelle Krämer mimt das Kätherle so, wie die Kitzinger ihre Ureinwohnerin kennen und lieben. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund, aber gern einen Krug Wein.
Das neue, junge Kitzinger Kätherle: Michelle Krämer mimt die Figur aus dem Historienspiel auf ihre eigene, sehr charmante Art.


Augen wie grüner Samt, Haare schwarz wie Ebenholz. Die neue „Kitzinger Käther“ ist jung und schön anzusehen. Auf den ersten Blick hat sie nichts gemeinsam mit der alten, knorrigen Frauenfigur aus dem Historienspiel. Und doch: Michelle Krämer mimt das Kätherle so, wie die Kitzinger ihre Ureinwohnerin kennen und lieben. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund, aber gern einen Krug Wein.

Michelle Krämer ist 27 Jahre alt und lebt mit ihrer Familie in Nenzenheim. Hauptberuflich ist sie Verkäuferin in einer Bäckerei, nebenberuflich Winzerin und Gästeführerin mit vielen Talenten: Sie näht und zeichnet, sammelt historische Bücher, fertigt Tinte aus Gallwespeneiern oder Ruß an und ist generell ein quirliger Tausendsassa.

„Ich bin sehr neugierig“, sagt die junge Mutter, die durch ihren Mann Tobias ihre Liebe zum Wein entdeckt hat. „Ich habe in eine Weinbaufamilie eingeheiratet und die Arbeit im Weinberg, die Ruhe und Natur, ebenso schätzen gelernt wie die geschmackliche Vielfalt der Weine. Im Wein kann man so viel entdecken! Genau so viel wie in Büchern.“

Speziell alte Bücher haben es Michelle Krämer angetan. In einem Antiquariat in Ochsenfurt fand sie Chroniken von Friedrich Bernbeck, dem früheren Bürgermeister und Reformator in Kitzingen. „Darin habe ich dann unter anderem vom Kitzinger Kätherle gelesen.“

Ihr Interesse an der Kitzinger Gallionsfigur war geweckt. Sie wollte mehr erfahren über die Frau, die den meisten heute nur als „versoffene Käther“ aus dem Historienspiel Häckerchronik bekannt ist. Deshalb recherchierte Michelle Krämer im Internet und kaufte sich den Kitzinger Stadtführer von Wolf-Dieter Raftopoulo. „Und schon hatte sich die Idee in meinem Kopf festgesetzt, dass man doch als Kitzinger Kätherle Stadtführungen anbieten müsste.“

Da die Nenzenheimerin ohnehin die Ausbildung zur zertifizierten Gästeführerin „Weinerlebnis Franken“ absolvierte, nahm sie Kontakt zur Kitzinger Tourist-Info auf. Deren Leiterin Vanessa Feineis und das ganze Team seien „super nett und offen für meinen Vorschlag“ gewesen. Bei einem persönlichen Treffen mit den TI-Verantwortlichen habe man das Thema gemeinsam vertieft. Am Ende arbeitete Michelle Krämer eine Kätherle-Stadtführung aus – und begeisterte damit die Touristiker.

Da das Kitzinger Kätherle nie ohne Wein irgendwo aufkreuzt, war klar: „Ich brauche ein Transportmittel.“ Ein altes Fass, das in der heimischen Scheune lagerte, wurde kurzerhand umfunktioniert. „Zusammen mit meinen Kindern habe ich das Fass, das früher dem Opa meines Mannes gehört hat, umgebaut – in ein rollendes Weinfass.“ Bei ihren Führungen kann die Käther alias Michelle Krämer nun besonders gute Tropfen hinter sich herziehen und ihre Gäste mit Kostproben erfreuen.

„In dieser Saison habe ich zur Begrüßung an der Tourist-Info einen Silvaner-Sekt dabei, der aus dem Bocksbeutel – jawohl! – kommt.“ Der zweite Schluck, den das neue Kätherle den Gästen serviert, ist ein Silvaner. „Den trinken wir am Falterturm, wo wir die alte Kitzinger Weinmagie an den historischen Mauern hautnah spüren. Und zum Schluss gibt es noch den original Gästeführer-Wein zu verkosten.“ Beim dritten „Probiererle“ ist die Gruppe zurück am Marktplatz, wo Michelle Krämer die Führung stilecht fränkisch am Kiliansbrunnen beendet. „Da wissen die Leute dann schon gut über Kitzingen Bescheid.“

Sie haben zum Beispiel erfahren, was die „Kitzinger Elle“ ist, woher der Bleichwasen seinen Namen hat und dass die Käther einst eine Klosterschülerin war. In dem von der sagenhaften Hadeloga gegründeten Frauenorden lernte sie viel über den Glauben und auch über Kräuterheilkunde. Allerdings probierte sie irgendwann wohl auch den Messwein, was ihr zum Verhängnis wurde. In der Rolle des Kitzinger Kätherle sagt Michelle Krämer: „Als eine Nonne mich dabei beobachtet, wie ich heimlich abends in den Keller ging, verpfiff sie mich bei der Äbtissin. Und die schmiss mich in hohem Bogen aus dem Kloster.“

Doch das Kätherle rächte sich. „Ich ließ mich von einem Künstler als Sandsteinfigur am Rathaus verewigen – mit dem blanken Hinterteil Richtung Kloster.“

Kätherle-Führung

WEINzigARTig: Unter diesem Motto begibt sich das „Kitzinger Kätherle“ Michelle Krämer mit seinen Gästen auf die Spur des mittelalterlichen Kitzingen. Das gesprächige Frauenzimmer unterhält mit interessanten G'schichtli, lustigen Anekdoten und so manchem weinfröhlichen Schwank. Und den einen oder anderen Schluck Wein gibt es auch.

Kosten: 16 Euro pro Person

Dauer: zirka zwei Stunden

Termine: Sonntag, 2. August, Samstag, 5. September, Samstag, 5. Dezember; Start ist jeweils um 10 Uhr auf die Alten Mainbrücke an die Nepomuk-Statue. Anmeldung: bis 14 Tage vor Termin in der Touristinfo Kitzingen, Telefon: 09321/ 20-8888, tourismus@stadt-kitzingen.de (mindestens zehn, maximal 15 Teilnehmer)