Wie kommen Pfarrer aus ganz Bayern überhaupt dazu, ein „Nationalteam“ zu bilden? Bei dieser Frage deuten alle Spieler auf eine Person: ihren Manager Helmut Kormann. „Er war und ist die treibende Kraft!“, stellt Heidenreich klar. „Er ist Gründer und Kopf der Mannschaft“, ergänzt Messerer. Helmut Kormann ist Mitarbeiter im Erzbischöflichen Ordinariat Bamberg. Auf seinem Schreibtisch landete eine Einladung zur Fußballmeisterschaft bayerischer Klerus-Mannschaften. „Sechs der sieben Diözesen in Bayern hatten bereits eine Mannschaft, nur das Bistum Bamberg fehlte. Um mitspielen zu können, gründeten wir 2001 ein Team aus Diakonen, Ordensleuten und Priestern“, berichtet Kormann. „Alle hatten Spaß bei der Meisterschaft. So entstand die Idee, ein gesamtbayerisches Auswahl-Team zu gründen – mit dem Zweck, soziale Projekte zu fördern.“
Himmelstoß-Trainingslager
Diese Klerus-Auswahl absolvierte 2006 ihr Premieren-Spiel gegen den „FC Sternstunden“ des Bayerischen Rundfunks. „Als wir einige Zeit später gegen eine Traditionself von 1860 München 4:14 verloren, wussten wir: Ein Spielführer muss her!“ Da erinnerte sich Kormann daran, dass er einst als Religionslehrer an der Realschule Ebrach einen sehr fußballbegabten Schüler unterrichtet hatte: Hansi Heidenreich. „Ich habe ihn angerufen – und er hat zugesagt!“
Mittlerweile hat die „Gotteself“ 47 Spiele absolviert – gegen verschiedenste (Promi-)Mannschaften. Der erste Spielführer des Teams war Pfarrer Johannes Messerer. Jahrgang 1954. Er, der zunächst Kaplan in der Bamberger Pfarrei St. Heinrich war, dann Pfarrer in Dettelbach und jetzt in Poppenhausen, ist „immer mit viel Freude zu den Spielen gefahren“. Ein „Trainingslager“ 2011 in Dettelbach ist ihm besonders lebhaft in Erinnerung. Die „Gotteself“ hatte bei einer Weinprobe im Weingut Himmelstoß - welch passender Name – einen himmlischen Abend.
„Auch bei den Spielen war die Atmosphäre immer freundschaftlich. Man ist füreinander gelaufen.“ Dabei habe es „tolle Fußballmomente“ gegeben, etwa den 2:1-Sieg gegen eine Bundestagself. „Am stolzesten bin ich aber auf ein Spiel in dem kleinen Ort Kronungen bei Schweinfurt, bei dem allein 9.000 Euro für den guten Zweck zusammengekamen.“
Messerers „Nachfolgerin“ im Team ist Gemeindeassistentin Laura Heinrich. Die 24-jährige Kürnacherin erzählt begeistert vom „unkomplizierten Miteinander“ in der Mannschaft. „Ich bin ganz offen empfangen worden. Glaube und Sport – beides harmoniert und verbindet super.“
„Man trifft sich und freut sich, dass das so ist“, fasst Trainer Hans-Jürgen Heidenreich die Stimmung im Team zusammen. Ob Gott manchmal höchstselbst einen Finger – oder Fuß – im Spiel habe? Heidenreich erzählt dazu eine Geschichte. Pfarrer Michael Kubatko, Enkel eines polnischen Ex-Nationalspielers, hielt am Sonntag, wenige Stunden vor einem Spiel, Gottesdienst. „In der Predigt sagte er: ?Heute schieße ich das Siegtor.?“ Heidenreich macht eine Spannungspause. Dann fährt er fort: „Zwei Minuten vor Schluss hat er den Führungstreffer erzielt.“ Taktik oder göttlicher Trick? „Hauptsache Tor!“
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Die Gotteself
Benefizspiele: Schon mit ihrem allerersten Spiel im Herbst 2006 hat die Bayerische Klerus-Fußballauswahl ein soziales Projekt unterstützt: ein Waisenprojekt. Ab 2010 flossen die Einnahmen aus Benefizspielen und Meisterschaften in den Senegal. Seit 2018 spielen die Kleriker für zwei Projekte in Südafrika: eine Suppenküche für Aidswaisen und ein Flüchtlingsprojekt der Sternsinger.
Wer spielt? Mitspieler sind Priester, Ordensgeistliche und Diakone der katholischen Kirche Bayerns. Mit Gemeindeassistentin Laura Heinrich hat auch schon eine Frau mitgespielt.
Hintergrund: Ziel ist es, drei bis vier Benefizspiele im Jahr auszutragen und mit dem Erlös Notleidenden zu helfen.
Ausblick: Im Sommer 2020 steht das 50. Spiel an. Dafür wird noch ein Ausrichter sowie ein Spielpartner gesucht! Bei Interesse: Tel. 0951/ 47743. An Muttertag, 10. Mai, wird das Team Gast des BR in der Sendung „Blickpunkt Sport“ sein.
Info: klerusmeisterschaften.de