Man ist nie zu alt, um die körpereigene EDV neu zu programmieren. Das verspricht die Ausstellung „Genussvoll mitten im Leben“
Georg Wagner hat seinen inneren Computer auf Genuss programmiert. „G?sunden Genuss natürlich“, sagt der Gastwirt auf gut Fränkisch. Ein schelmisches Lächeln unterstreicht die Worte des Oberschwarzachers. Der 67-Jährige hat eine kleine, feine Ausstellung in Handthal besucht. Sechs „Inselchen“ regen die Besucher des Steigerwald-Zentrums an, bewusst zu genießen sowie auf ganz verschiedene Weise Bewegung in den Alltag einzubauen. Und die körpereigene EDV – sprich: Einstellung, Denkweise, Verhalten – entsprechend einzustellen.
„Genussvoll mitten im Leben“ ist quasi das Gegenteil von Fitness-Extremismus und Ernährungs-Exzessen. „Es geht einfach darum, bewusster zu leben. Schon durch kleine Änderungen im Tagesablauf kann man seine Lebensqualität enorm steigern“, weiß Klaudia Schwarz vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Schweinfurt. Schwarz? Mitarbeiterin Carolin Lenhart ergänzt: „Und das Beste ist: Das funktioniert in jedem Alter.“
Georg Wagner und seine Frau Waltraud (65) gehören zu den Ersten, die ausprobieren, was die Genuss-Inseln im Steigerwald-Zentrum zu bieten haben. Ehe sie sich an der „Sport-Insel“ zu täglichen Bewegungsübungen inspirieren lassen, widmen sie sich erstmal der Ernährung. Aus verschiedenen Brotstückchen versuchen sie herauszuschmecken, welches der „Probiererli“ denn nun aus Vollkorn ist. „Gar nicht so leicht!“, stellen sie verblüfft fest. Und noch mehr erstaunt, dass die Farbe allein kein guter Hinweisgeber ist. Klaudia Schwarz stellt klar: „Wer denkt, je dunkler, desto besser, der irrt. Oft werden Brote aus Weißmehl mit Zuckerrüben- oder Karamellsirup beziehungsweise Malzextrakt eingefärbt und so für Vollkornbrote gehalten.“
Auch an der nächsten Station ist Testen angesagt. Hier erfahren die Wagners, dass regionales Rapsöl für uns Franken „das Öl der Wahl“ ist. Klaudia Schwarz: „Von der Zusammensetzung und den Fettsäuremustern her ist es das ideale Öl für Gehirn und Körper.“
Die „Trink-Insel“ erinnert Georg Wagner an „den ersten und einzigen Schwindelanfall, den ich bisher hatte“. Er habe ganz normal gearbeitet, aber auf einmal habe sich alles gedreht – bis eine Kollegin ihm etwas zu trinken gebracht habe. „Flüssigkeitsmangel ist echt nicht ohne!“ Wagner hat sich mittlerweile angewöhnt, zum Beispiel vor dem Essen immer ein Glas Wasser zu sich zu nehmen. Die Ernährungsfachfrau lobt dieses Ritual und sagt: „Wer nicht immer nur Wasser mag, kann es ja mit Zitrone, Orange, Ingwer, Salbei, Thymian oder Minze aromatisieren oder auch mal unterschiedliche Tees probieren.“
Speziell „mitten im Leben“ verändern sich die Menschen, vor allem am Übergang aus dem Berufs- zum Rentnerleben. Langsam, aber sicher stumpfen die Geschmacksnerven ab, man greift deshalb vermehrt zu Salz und Zucker, erklärt Klaudia Schwarz. Das Durstgefühl nehme ab. All das wiederum könne Folgen wie Bluthochdruck nach sich ziehen.
Außerdem schwinden zwar Knochen- und Muskelmasse, was auch den Kalorienbedarf senkt. Der Nährstoffbedarf bleibt aber gleich. Deshalb sei in dieser Lebensphase neue Achtsamkeit gefragt. Schwarz: „Um gesund und vital alt zu werden und sich dabei gut zu fühlen, braucht es eine Kombination aus bewusster Ernährung und Bewegung. Nichts ist verboten, aber man sollte wissen, was man tut und isst.“