Viel Platz, viel Licht, ein Wein- und Gin-Regal, eine Entspannungsecke mit bunten Sesseln, außenrum schöne, große Bilder von Kitzingen: Im Übergangsquartier der Kitzinger Tourist-Info herrscht Wohlfühl-Atmosphäre. Direkt neben dem Rathaus, im früheren „Bellissimo“-Bekleidungshaus, begrüßen TI-Leiterin Vanessa Feineis und ihr Team nun für rund anderthalb Jahre die Besucher der Stadt. Der Umzug hatte ein paar witzige Überraschungen parat. Was man so alles findet, wenn man nach Jahrzehnten das Mobiliar abbaut...

„Seit neuestem kommen vermehrt Einheimische und lassen sich beraten, was sie hier alles unternehmen können.“
Vanessa Feineis, TI-Leiterin

Dass das denkmalgeschützte Quartier der Touristiker an der Alten Mainbrücke nicht mehr modernen Anforderungen entspricht, war seit langem klar. Mittlerweile ist die Baugenehmigung vorhanden, nur die Förderzusage fehlt noch. „Die müsste in absehbarer Zeit kommen. Und dann legen wir sofort los“, sagt die städtische Pressesprecherin Claudia Biebl. „Das Erste, was die Passanten von außen sehen werden, ist, dass die Arkaden geschlossen werden.“ Der Fußgänger-Durchgang zur Alten Mainbrücke wird ins Haus integriert, um die dortige Fläche zu vergrößern. Bis alle Installationen sowie Fenster und Böden erneuert sind, werde ein gutes Jahr vergehen, prognostiziert Biebl. „Wir gehen aber davon aus, dass die Tourismus-Saison 2022 im sanierten Gebäude laufen kann.“

Bis dahin residiert die TI gut 200 Meter vom bisherigen Standort entfernt direkt neben dem Amtssitz des Oberbürgermeisters. „Die Männer vom Bauhof waren super“, freut sich Vanessa Feineis. „Mit ihrer Hilfe war der Transport unserer Umzugskisten und des Mobiliars kein Problem.“ Am Ausweichquartier gefällt ihr besonders der geräumige Gastraum: „Wer heuer zu uns kommt, wird repräsentativ empfangen: mit einer kleinen Vinothek, in der es Kitzinger Weine und Gin gibt, mit allerlei Souvenirs und mit schön präsentiertem Info-Material, das man sich auf unseren gemütlichen Klappsesseln in Ruhe anschauen kann.“ Vanessa Feineis breitet die Arme aus, lacht und sagt: „Da kriegste doch Urlaubsgefühle! Ich danke dem Bau- und dem Hauptamt dafür, dass wir für die nächste Zeit so ein tolles Domizil gefunden haben – nah am Einzelhandel und an unserem 'Mutterschiff', dem Rathaus.“

Aber werden überhaupt Gäste hierher finden? Wird nicht Corona den Touristikern einen Strich durch die Rechnung machen? Vanessa Feineis schüttelt den Kopf: „Ich bin sicher: Sobald d er Wohnmobilstellplatz wieder aufmachen darf, wird er ratzfatz voll sein. Und sobald man wieder einkehren kann, werden auch Radtouristen und Deutschland-Urlauber kommen.“

Gerade „autarkes Reisen“ boome in Zeiten einer Pandemie. Davon profitieren nicht nur Camping- und Wohnmobil-Plätze, sondern auch die Vermieter von Ferienwohnungen und natürlich die Gastronomie allgemein. Schon im vergangenen Jahr habe sich gezeigt: „Die Leute bleiben nicht nur ein oder zwei Tage in Kitzingen, sonder drei, vier oder fünf Tage, um die ganze Umgebung zu erkunden.“

Und noch einen interessanten Trend hat Vanessa Feineis ausgemacht: „Weil Corona Fernreisen gefährlich macht, bleiben viele Leute einfach daheim und erkunden – oft zum allerersten Mal – so richtig ihre unmittelbare Heimat. Seit neuestem kommen vermehrt auch Einheimische und lassen sich beraten, was sie hier alles unternehmen können.“

Insgesamt ist der TI-Chefin um die Zukunft nicht bange: „Natürlich entfallen viele Veranstaltungen, die sonst Gäste angezogen haben. Das ist sehr schade. Aber andere Segmente werden gleichzeitig stärker. Ich gehe davon aus, dass Deutschland-Urlaub heuer groß geschrieben wird und dass der Sommer in Kitzingen boomen wird. Dafür wünsche ich mir viele lange, sonnige Tage.“

Ein gutes Omen dafür könnte ein Fund sein, den das TI-Team beim Ausräumen und Abbauen der Möbel in der „alten“ Tourist-Info gemacht hat. Neben einer wahrhaft „historischen“ Strumpfhose von Hofrat Walter Vierrether kam auch ein echter Glückspfennig zu Tage. Nach Jahrzehnten in der Dunkelheit unterm Tresen darf er dem Kitzinger Tourismus-Team – dazu gehören neben Vanessa Feineis die Mitarbeiter Corinna Weinkirn, Eva Köpf, Julia Then, Alexander Nuss, Christian Dotterweich, Walter Vierrether (Hofrat), Dieter Franz (Feineis: „unser Wohnmobil-Gott“) und Detlef Hildebrand (Hafenmeister, Wegewart der Traumrunde) – nun im Zwischenquartier Glück bringen.