Der Aufwand ist groß. Aber dennoch stehen sie in dieser Woche da und geben die Pakete aus. Weil etwas zurückkommt: Freude und Dankbarkeit.

Vor sechs Jahren hat Tobias Winkler ein Projekt ins Leben gerufen, das mittlerweile ganz schön Kreise gezogen hat. In vielen deutschen Städten ist das Projekt „Liebe im Karton“ bekannt, aus Hamburg, Dortmund und anderswo trudeln Jahr für Jahr tausende Pakete in der Zentrale des Würzburger Hilfsprojektes ein. Und dann machen sich die rund 130 ehrenamtlichen Helfer an die Arbeit.

Jeder kann mitmachen

Teddybären, Spiele, neue Pullover oder eine Zahnbürste – in den „Loveboxes“ sind etliche Artikel, die bedürftigen Kindern eine Freude machen. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle hatte Winkler die Spendenaktion gestartet. Die Idee dahinter: jeder kann mitmachen, selbst kleine Hilfsgüter kommen an und erfüllen ihren Zweck. „Es geht bei uns nicht um riesige Summen und Warenwerte, sondern um die Geste“, erklärt Tobias Winkler. „Wir wollen den Bedürftigen zeigen, dass sie und ihr Schicksal uns nicht egal sind.“

An Sammelstellen, die online einsehbar sind, können die leeren Boxen von den Spendern abgeholt und gefüllt wieder gebracht werden. Von dort aus werden die Pakete dann in eine Halle nach Würzburg gefahren, in der sich die ehrenamtlichen Helfer an die Arbeit machen: sind die Boxen vollständig gefüllt? Kann die gespendete Kleidung wirklich noch getragen werden? Ist das Ablaufdatum bei den Süßigkeiten schon überschritten? Nach gründlicher Kontrolle werden die Pakete an ihren jeweiligen Bestimmungsort gebracht. Ausland und Inland wechseln sich von Jahr zu Jahr ab.

2020 war beeindruckend

„Trotz Corona war 2020 mit Abstand das beeindruckendste Jahr“, erinnert sich Tobias Winkler. „In allen vorgesehenen Ländern konnten die Pakete an die Kinder ausgegeben werden.“ Mehr als 11000 Geschenkboxen hat die Organisation so verteilt – in Camps und Einrichtungen in Griechenland, Rumänien, Irak, Bulgarien, Syrien, Libanon und in Deutschland. Turnusgemäß werden in diesem Jahr wieder Einsatzorte in Deutschland und vor allem in der Region angefahren. Tobias Winkler ist dabei auf die Hilfe vor Ort angewiesen, auf etablierte Organisationen wie die Tafel in Kitzingen.

Helene Schamann, Anna Ewert und Katharina Müller haben jede Menge zu tun. Immer wieder erscheint ein Bedürftiger an der Ausgabestelle in Kitzingen und fragt nach einem Paket. „Im September haben wir schon die Namen der Bedürftigen an die Macher von „Liebe im Karton“ durchgegeben“, erinnert sich Herbert Müller, der seit mehr als 15 Jahren ehrenamtlich für die Tafel tätig ist. Er prüft die Bedürftigkeit, er gibt die Berechtigungsscheine aus, er weiß, wie viele Kinder auf seiner Liste in den Genuss einer „Lovebox“ kommen dürfen – und in welchem Alter sie sind. In vier Altersstufen sind die Boxen eingeteilt. Von 0 bis 1 Jahre, von 2 bis 4, von 5 bis 9 und 10 bis 14 Jahre. „Gut so, die Kinder haben ja auch ganz unterschiedliche Wünsche“, sagt Katharina Müller. Deshalb wird beim Packen der Pakete auch zwischen Jungen und Mädchen unterschieden.

Ein Ansporn

Insgesamt 300 „Loveboxes“ stapeln sich an diesem Dienstag im Ausgaberaum der Tafel unterhalb des Städtischen Bauhofes. Bis zum Ende dieser Woche sollen alle Pakete an den Mann beziehungsweise die Frau gebracht sein. Für die ehrenamtlichen Helfer bedeutet das einen Mehraufwand, zusätzliche Zeit, die sie für den guten Zweck einbringen. Stunden, die sie gerne opfern. „Wenn sich die Leute freuen, ist das ein Ansporn für uns“, sagt Herbert Müller.