Der Faktor Naherholung
Autor: Ralf Dieter
Kitzingen, Freitag, 29. Januar 2016
Ein neuer Tourismusrekord liegt in der Luft. Bereits nach elf Monaten kratzen die Gästezahlen des Jahres 2015 in Bayern am Gesamtergebnis des Superjahrs 2014. Auch im Landkreis Kitzingen verzeichnen die Statistiker eine Steigerung. Ein Grund: die Wanderer kommen in Scharen.
„Es war eine Menge Arbeit“, sagt Simone Göbel vom Regionalmanagement Kitzinger Land. „Aber es hat sich gelohnt.“ Im Mai 2015 hieß es nach fast zweijähriger Vorbereitungszeit: Start frei für die Traumrunden im Kitzinger Land. Acht Wegstrecken wurden nach strengen Qualitätskriterien ausgeschildert. Die Nachfrage war schon vor der Saisoneröffnung im Mai enorm. „Wir hatten schon vor dem Druck der Wanderbroschüre 188 Anfragen“, erinnert sich Göbel. „Zu 65 Prozent kamen sie aus einem Umkreis von 70 Kilometern.“ Noch vor dem Start wurden 1000 Exemplare von Betrieben und den Orten an den Wegstrecken geordert. Die Nachfrage sollte sich im Lauf des Jahre noch erhöhen. Im Landratsamt wurde die Broschüre telefonisch oder per E-Mail 904 Mal angefragt. „Und dabei darf man ja nicht vergessen, dass wir keine Touristinformation mit Gästeverkehr sind“, betont Göbel.
In Iphofen gibt es so eine Touristinformation. „Die Flyer gingen weg wie warme Semmeln“, bestätigt Christa Usler. Die Traumrunden seien sehr gut angenommen worden. „Den Zuwachs haben unsere Übernachtungsbetriebe und die Gastronomie auf jeden Fall bemerkt.“ Ein ähnliches Bild in Dettelbach. „Die Nachfrage nach Broschüren war enorm“, bestätigt Franziska Lichtenauer. Obwohl Dettelbach „nur“ an einer der acht Traumrouten liegt. Per Fragebogen will Lichtenauer künftig klären, wie sehr die örtlichen Gastronomiebetriebe tatsächlich von dieser Nachfrage profitierten.
Bayernweit sind bis Ende November 2015 knapp 32 Millionen Gäste gezählt worden. Das entspricht einem Plus von 5,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die 82,5 Millionen Übernachtungen stellen ebenfalls ein Plus von 3,5 Prozent dar.
Der Kreis Kitzingen schwimmt mit auf der Erfolgswelle: Für die ersten elf Monate des Jahres 2015 meldeten die hiesigen Beherbergungsbetriebe mit mindestens zehn Gästebetten insgesamt 605 526 Übernachtungen. Das sind 33 038 mehr als im selben Zeitraum 2014.
Radfahrer, Wohnmobilisten, Kulturinteressierte, Weingenießer, Durchreisende: Die Motivation der Gäste, in den Landkreis Kitzingen zu kommen, ist individuell. So individuell wie die Verweildauer. Wie viele Wandersleute tatsächlich im Landkreis Kitzingen übernachten? So eine detaillierte Statistik liegt noch nicht vor. Der Großteil der Wanderer dürfte aber aus Tagesgästen bestehen. Im Vorfeld der Traumrunden-Eröffnung hatte Göbel die Werbung im Stuttgarter Raum intensiviert – mit Erfolg. Sie berichtet von 102 Anfragen aus dieser Region, alleine im Landratsamt. In diesem Jahr soll der Bamberger Raum besonders beworben werden. „Wir setzen bei den Traumrunden ganz klar auf den Faktor Naherholung“, sagt Göbel.
Strenge Qualitätskriterien wie eine gute Pflege der Wege, wenig Asphalt, viele Aussichten und Sehenswürdigkeiten machen die Traumrunden aus. Und natürlich sollen die Wanderer auch kulinarisch auf ihre Kosten kommen. Der Augustiner in Birklingen liegt direkt an der Iphöfer Traumrunde. Inhaber Johannes Schwab: „Wanderer hat es schon früher gegeben, aber dieser neue Weg zieht schon eine Menge Leute an.“ Die sind für ihn und sein Team allerdings ganz normale Gäste. „Wir haben hier kein spezielles Angebot für die Wanderer“, erklärt er.
Auch die Familie Behringer, etwas außerhalb von Abtswind gelegen, profitiert vom neuen Wandertourismus. „Die Abtswinder Runde ist richtig, richtig klasse für uns“, bestätigt Ingrid Behringer. Sowohl Familien als auch die Generation 50+ erkunden die rund zweistündige Tour, die direkt am Weingut und Restaurant vorbeiführt. Dort wird es ab diesem Sommer ein paar Neuigkeiten geben: Die Behringers wollen sich vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband zertifizieren lassen.