Wenige Schritte weiter ziehen lanzettförmige, krokodilgrüne Blätter die Aufmerksamkeit auf sich. „Das ist Spitzwegerich. Daraus wird Hustensaft hergestellt.“ Die Heilwirkung der drei „Wegeriche“ – neben dem Spitz- gibt es auch den Breit- und den mittleren Wegerich, die nach ihrer Blattgröße so getauft wurden – dürfe man nicht unterschätzen, meint Roßmark. „Wenn mich im Wald ein Insekt sticht, dann suche ich einen Breitwegerich und wickle ein Blatt um die Stichstelle. Das wirkt antiseptisch und stillt den Juckreiz.“ Da der Wegerich keinen giftigen Doppelgänger habe, könnten auch Laien die Wegerich-Kraft bedenkenlos nutzen.
Immer wieder bückt sich die 27-Jährige. Sie zeigt auf die winzigen, herzförmigen Blättchen des vermeintlich unscheinbaren Hirtentäschels, den man früher zur Blutstillung verwendet hat, und auf sonnengelb blühendes Schöllkraut, dessen senfgelber Blattsaft noch heute gerne zur Warzenbehandlung verwendet wird. Sie hält ihren Gästen Knoblauchsrauken hin, die ähnlich schmecken wie Knoblauch – ein bisschen bitterer vielleicht – und wirft ihnen voller Übermut „Kleine Kletten“ zu: Rankgewächse, die an der Kleidung haften und sich auch „als Rohkost super machen, weil sie nach Erbsen schmecken“.
Nur Erfahrenen empfiehlt sie indessen, Wiesenbärenklau zu sammeln. Die Blätter, die wie eine kleine Bärentatze aussehen, sind essbar. Allerdings hat der Wiesenbärenklau im Riesenbärenklau einen sehr giftigen Gegenspieler.
Dann kommt Stefanie Roßmark zum Höhepunkt der aktuellen Kräuterführung: zur Unterscheidung von Bärlauch und dem – giftigen, aber sehr ähnlich aussehenden – Maiglöckchen. „Dass das Bärlauch ist – und nicht etwa das giftige Maiglöckchen – , ist anhand mehrerer Kriterien zu erkennen“, erklärt sie. „Die Blattunterseiten des Bärlauchs sind matt, nicht glänzend, und die Blätter wachsen einzeln aus dem Boden, anders als beim Maiglöckchen, dessen Blätter vom Stiel abzweigen.“ Zudem weisen die Bärlauchblätter Parallelstreifen auf.
„Es stimmt übrigens nicht, dass man Bärlauch nicht mehr essen darf, sobald er blüht. Er ist dann nur nicht mehr so kräftig im Geschmack.“ Die Blüten seien, eingelegt in Öl und Essig, sehr lecker. „Sie müssen aber immer von Flüssigkeit umschlossen sein, sonst schimmeln sie.“
Hat man den Bärlauch sicher bestimmt und geerntet, rät Stefanie Roßmark, ihn daheim gründlich zu waschen oder zu erhitzen, damit eventuell vorhandene Fuchsbandwurm-Eier beseitigt beziehungsweise vernichtet werden. „Durch Einfrieren tötet man die Eier leider nicht.“
Und dann gibt Stefanie Roßmark ihren Gästen noch etwas mit auf den Weg, was schon unsere Vorfahren im Mittelalter wussten – vielleicht durch leidvolle Erfahrung: „Wenn's glänzt, Finger weg!“
Und auf keinen Fall nach Geruch sammeln: „Es kann sein, dass die Finger schon nach Bärlauch riechen und man ein Maiglöckchen dann gar nicht im Sammelgut merkt!“
INFO: Am Samstag, 19. Mai, laden Wanderführer Peter Hess und Kräuterfee Stefanie Roßmark ein, mit ihnen die Rödelseer Traumrunde entlang zu wandern; Treffpunkt ist um 13:30 Uhr am „Elfleins-Häusla in Rödelsee“. Am 2. und 3. Juni, dem Festwochenende 1100 Jahre Hüttenheim, heißt es „Kräuter küssen Wein“; Infos: stefanie.rossmark@web.de.