Die Holzscheite knistern laut. Der alte Bollerofen macht seinem Namen Ehre und sorgt für behagliche Wärme. Und das mitten im „Grierhäusle“. Dem eisigen Namen zum Trotz werden hier heiße Feten gefeiert, spannende Spiele gespielt und an der „Magic“-Theke die schönsten Diskussionen geführt. Der „Treffpunk Gfrierhäusle“ funktioniert seit einem Vierteljahrhundert in Eigenverantwortung der Wüstenfelder Bürger, inklusive Einkaufs-, Putz- und Thekendienst. Längst sind die Kinder derjenigen aktiv, die 1993 in Eigenregie die einstige Gemeinschafts-Kühlanlage umgebaut haben. Der kleine Ort Wüstenfelden ist in Sachen Jugendarbeit und Traditionspflege ganz groß.

Das freut Jochen Kramer, zu dessen Wirkungsbereich als Casteller Bürgermeister der Ortsteil Wüstenfelden mit seinen rund 80 Einwohnern gehört: „Generationsübergreifend ist hier Alt und Jung beisammen. Die Jungen werden bestens integriert und wachsen so in die vielfältigen Aufgaben einer Dorfgemeinschaft hinein.“ Der Bürgermeister lobt, „dass hier aus einem alten Zweckgebäude ein zukunftsfähiges Modell für alle Generationen in Wüstenfelden entstanden ist – und das in Eigenleistung!“

Jeder gibt Geld dazu

Jürgen Weber war einer der jungen Burschen, die Anfang der 90er Jahre die Gunst der Stunde nutzten. Bis dato waren im gemeindeeigenen „Gfrierhäusle“ große Kühltruhen aufgereiht gewesen, in denen die Wüstenfelder ihre Vorräte aufbewahrten. Im Kühlraum nebenan war frisches Schlachtgut gelagert. „Irgendwann hatten aber alle Familien ihre eigenen Kühltruhen daheim und das Gemeinschaftshäusle wurde nicht mehr gebraucht.“ Der Jugend kam es wie gerufen. Sie gründete einen Verein, die „Dorfjugend Wüstenfelden“, die sich dem Erhalt des örtlichen Brauchtums verschrieb und einen Pachtvertrag mit der Gemeinde abschloss.

„Als die Wiesentheider Disco 'Magic' umgebaut wurde, haben wir zugeschlagen: Tische, die Bar, Hocker, Sitznischen, Wandverkleidungen, sogar Kabel – das konnten wir alles brauchen“, erzählt Vereinsvorsitzender Jürgen Weber. Mehrere Bulldogwagen voller Utensilien transportierten die jungen Leute nach Wüstenfelden. „Jeder von uns hat 50 Mark eingelegt – Lehrlinge 20 Mark –, so dass wir Schrauben, Lampen, Farbe und so weiter kaufen konnten. Damit haben wir unser Domizil hergerichtet und danach mit der Inneneinrichtung aus der Disco bestückt.“

Die Oma sponsert den Ofen

Im Dezember 1993 feierte das neue „Gfrierhäusle“ Eröffnung. Thomas Hüßner, damals ein Teenie, erinnert sich noch genau daran: „Alle, die irgendwas gespendet hatten, waren eingeladen, auch mein Opa Nikl; der hatte die Ofenrohre gesponsert.“ Der passende Bollerofen, der auch heute noch für Wärme sorgt, kam von Jürgens Oma Bärbel.

Das Generationsübergreifende ist in Wüstenfelden noch immer der große Pluspunkt. Die 25 Mitglieder des Vereins, der inzwischen „Gfrierhäusle e.V.“ heißt, sind zwischen 15 und 53 Jahre alt und kümmern sich darum, dass der Betrieb reibungslos läuft, dass alles sauber ist („inklusive der Klos“), dass Holz und genügend Getränke sowie Knabberzeug da sind und so weiter. Die Altersspanne der Gäste reicht noch weiter. Dienstags wird gewürfelt (zum Beispiel „Chicago“ oder „Mäxle“), donnerstags ist Karteln angesagt. Freitag- und Samstagabend trifft sich die Jugend, Samstagnachmittag läuten oft einige Rentner das Wochenende ein. „Die schüren schon mal den Ofen an, das is' gut“, sagt Jürgen Weber grinsend.

Immer wieder kommen Einheimische und manchmal auch Auswärtige dazu. „Ab und zu organisieren wir Ausflüge oder gehen mit unseren Helfern zum Essen“, berichtet Thomas Hüßner aus dem Vereinsleben.

Auf willige Helfer ist der kleine Verein angewiesen, der viele Feste stemmt. Ob 1.Mai-, Himmelfahrts-, Brunnen- oder Oktoberfest: Immer werden Freiwillige gesucht „und zum Glück auch gefunden“. Bei der wiederbelebten Kirchweih im Oktober sowieso. Und natürlich bei Arbeiten am Haus. Im Lauf der Jahre hat sich das „Gfrierhäusle“ enorm vergrößert. Erst kam eine Art Holzveranda vor der Eingangstür dazu, dann wurde eine zweite Toilette eingebaut und ein Getränkelager angegliedert. 2007 folgte das größte Projekt: ein zweiter Gastraum. „Bei der Kirchweih und beim Oktoberfest hatten wir immer ein Zelt gebraucht. Stattdessen sollte nun ein fester Anbau her“, denkt Jürgen Weber zurück. Um diesen Anbau zu finanzieren, zahlten wiederum alle Mitglieder eine Einlage, manche mehrere hundert Euro. „Im Gegensatz zum ersten Mal gab es dieses Geld aber ein paar Jahre später zurück.“ Das gelang, weil die Burschen etwas für den Verein verdienten: Sie fertigten hölzerne Fahnenstangen für die Kleine Gartenschau in Kitzingen an.

Warum das Miteinander in Wüstenfelden so gut funktioniert? Jürgen Weber meint: „Weil es nichts von oben Verordnetes ist. Jeder passt auf das Häusle mit auf, weil jeder daran mitgearbeitet hat.“

Und was sagt die Jugend? „Hier kann man sich stressfrei treffen, laut Musik hören, ohne dass es stört. Und wenn die Alten da sind, kann man von denen was lernen“, findet Jürgen (18). „Zum Beispiel Schafkopf!“, ergänzt seine große Schwester Katharina, die schon als kleines Mädchen gern im Gfrierhäusle mit dabei war. Joachim (15) sagt kurz und bündig: „Die Gemeinschaft ist halt schön.“ Und Tim (15) meint: „Man hat zusammen Spaß, lernt aber auch Verantwortung, zum Beispiel beim Putzdienst.“ Wird Letzterer „vergessen“, knistert es im Gfrierhäusle schon mal gewaltig. Und das liegt dann nicht an den Holzscheiten.

Öffnungszeiten: Von Oktober bis Mai hat das Gfrierhäusle in Wüstenfelden (direkt an der Durchgangsstraße) Dienstag und Donnerstag ab 20.30 Uhr geöffnet, Freitag und Samstag nach Bedarf.

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Jubiläumsfest

„25 Jahre Gfrierhäusle“: Dieses Jubiläum wird am Samstag, 9. Februar, ab 18 Uhr in Wüstenfelden gefeiert. Es gibt Knöchli mit Kraut und Schnitzel. Alle Einnahmen werden dem Kinderheim in Geesdorf gespendet. (ldk)