Druckartikel: Beratung, Begegnung, Information

Beratung, Begegnung, Information


Autor: Ralf Dieter

Kitzingen, Dienstag, 27. Sept. 2016

Jetzt geht es los. Endlich. Julia Zimmermann-Giek und ihre Kolleginnen aus dem Landratsamt können es kaum erwarten. Genau so wenig wie die vier Frauen von den neu geschaffenen Familienstützpunkten im Landkreis.
Sie stehen bereit für familienfreundliche Angebote: Ellen Ströhlein (Volkach), Sonja Huber (Kitzingen), Katharina Rüttiger (Wiesentheid) und Julia Heuß (Dettelbach).


Zwei Jahre Vorarbeit waren nötig, um ein Projekt mit Leben zu füllen, von dem sich Zimmermann-Giek, Sabrina Fröhlich und Tanja Meeder von der Abteilung Soziales, Jugend und Familie, Senioren und Gesundheit im Landratsamt viel erhoffen: Allen Familien im Landkreis Kitzingen soll ein neuartiges Angebot unterbreitet werden – der Landkreis soll damit noch ein Stückchen familienfreundlicher werden.

„Wir wollen das Angebot nach dem jeweiligen Bedarf vor Ort ausrichten.“
Julia Zimmermann-Giek, Familienstützunkt

32 bayerische Landkreise beteiligen sich bereits an diesem Projekt des Sozialministeriums. 85 Familienstützpunkte sind schon geschaffen worden. Jetzt kommen vier neue dazu: Dettelbach, Kitzingen, Volkach und Wiesentheid. Vier neue Anlaufstellen für alle Familien im Landkreis, Orte der Begegnung, aber auch des Informationsaustausches. Wer Auskünfte oder Beratung rund um die Themen Familie und Erziehung sucht, der wird ab sofort an diesen Stellen fündig. 1#googleAds#100x100

Am 1. Juli 2014 konnten die Vorarbeiten beginnen. „Wir haben vorher Informationsveranstaltungen besucht und das Projekt in den politischen Gremien vorgestellt“, erinnert sich Sabrina Fröhlich. Grünes Licht wurde erteilt und Julia Zimmermann-Giek konnte als Fachbetreuerin und Koordinatorin angestellt werden. Ihre erste Aufgabe: eine Analyse der Ist-Situation erstellen. Welche Angebote gibt es bereits im Landkreis? Welche Organisationen bieten Familien welche Seminare und Kurse an? Ihr Fazit: „Es gibt schon jetzt erstaunlich viel.“ Vom Stilltreff in der Klinik Kitzinger Land über Kochkurse des Amtes für Ernährung und Landwirtschaft bis hin zu Angeboten der Erziehungsberatungsstelle für Trennungs- und Scheidungskinder oder Eltern von hyperaktiven Kindern reicht die Palette. Nur: Längst nicht jede Familie im Landkreis weiß davon. Und wenn doch, müssen Zeit und Ort erst einmal passen. Die meisten Angebote konzentrieren sich bisher auf die Stadt Kitzingen. Dank der Familienstützpunkte soll sich das ändern.

In Dettelbach wird der Stützpunkt im ehemaligen Pfarrhaus in der Falterstraße eingerichtet. Die verantwortliche Sozialpädagogin Julia Heuß arbeitet seit vielen Jahren im Rahmen der Jugendarbeit mit Familien. Ein erstes Angebot hat sie schon organisiert: Im Herbst gibt es einen Erste-Hilfe-Kurs.

In Volkach eröffnen die Dillinger Franziskanerinnen den Stützpunkt für Familien am Hort der Mädchenrealschule. Auch dort steht ein erstes Angebot im Herbst fest: „Kochen für Klein und Groß“ in Zusammenarbeit mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

In Wiesentheid schafft die Stadt eine neue Stelle. Sozialpädagogin Katharina Rüttiger übernimmt neben der Jugendarbeit im Ort auch den Familienstützpunkt. In Kitzingen ist der Familienstützpunkt in der Oberen Bachgasse 12 angesiedelt. Sonja Huber von der Aktionsgemeinschaft Sozialisation (ASG) wird im Oktober mit einem Cafe „Kind und Kegel“ starten. An einem Vormittag und einem Nachmittag in der Woche werden die Türen für Familien geöffnet sein.

Alle vier Fachkräfte arbeiten jeweils zehn Wochenstunden für ihre Familienstützpunkte, zwei regelmäßige Angebote pro Woche sind fest eingeplant. „Wir wollen das Angebot nach dem jeweiligen Bedarf vor Ort ausrichten“, kündigt Zimmermann-Giek an. Will heißen: Die Eltern vor Ort sollen ihre Wünsche und Bedürfnisse äußern. „Wir wollen hören, was fehlt, und diese Lücke schließen“, erklärt Zimmermann-Giek.

Aktionen und Informationen für Alleinerziehende kann sich die Fachbetreuerin genauso vorstellen wie spezielle Kurse für Väter. In Würzburg, wo die Familienstützpunkte vor etwas mehr als fünf Jahren als Modellprojekt initiiert wurden, seien gerade die Väter mobilisiert worden. Auch das Thema Migration könne eine Rolle spielen. Eine Konkurrenz zu den bestehenden Angeboten sollen die Familienstützpunkte keinesfalls sein. „Viel mehr eine Bereicherung.“

„Nach und nach soll ein dichtes Netzwerk geschaffen werden.“
Julia Zimmermann Giek zu den weiteren Zielen

Die Finanzierung des Projektes teilen sich Sozialministerium, der Landkreis und die jeweiligen Gemeinden. Es ist langfristig angelegt, denkbar ist eine Erweiterung um weitere Orte im Landkreis. „Nach und nach soll ein dichtes Netzwerk geschaffen werden“, erklärt Zimmermann-Giek eine Zielsetzung. Bereits jetzt sind beispielsweise alle Kindergarten-Leiterinnen, alle Beratungsstellen und die Jugendbeiräte eingebunden. Ein erstes Treffen hat es im Jahr 2015 gegeben. In diesem Jahr hat die Vorbereitung auf den offiziellen Startschuss an diesem Freitag viel Energie und Kapazitäten gebunden. Staatsministerin Emilia Müller wird die Festrede im Landratsamt halten, die vier Leiterinnen der Stützpunkte werden sich und ihre Zielsetzung vorstellen. Und dann? Dann kann es endlich losgehen mit der praktischen Umsetzung.