Druckartikel: „Der Stadtrat soll sich einsetzen!“

„Der Stadtrat soll sich einsetzen!“


Autor: KTldk

Kitzingen, Donnerstag, 06. Juli 2017

Die Gerüchte gibt's schon lange. Jetzt ist es sicher: Die „Norma“ im Schwalbenhof – das letzte größere Geschäft für Lebensmittel und Haushaltsbedarf in der Kitzinger Altstadt – ist von der Schließung bedroht. Zwar gibt es keiner der Beteiligten offen zu, aber auf Nachfrage dementiert auch niemand, dass der Pachtvertrag ausläuft und bisherige Weiter- sowie Neuverhandlungen zu keinem Ergebnis geführt haben. Das hat nun zahlreiche Innenstadt-Bewohner mobilisiert. Sie wollen für ihre Nahversorgung kämpfen. Deshalb versammelten sie sich am Mittwoch vor der „Stadt-Norma“ und verschafften ihren Belangen Gehör.
Sie protestieren gegen die drohende Norma-Schließung und den damit verbundenen Nahversorgungs-Engpass in der Innenstadt: Peter Bahr, Margarete Baumeister, Elisabeth Porzelt, Waltraud Haupt, Elisabeth Guckenberger, Hella Sauer, Hermine Trabert, Wolfgang Haupt, Hatice Gülmüs, Brigitta Brückner, Renate Dörr, Gisela Schulz-Röser und Adelheid Haneberg.


Die Gerüchte gibt's schon lange. Jetzt ist es sicher: Die „Norma“ im Schwalbenhof – das letzte größere Geschäft für Lebensmittel und Haushaltsbedarf in der Kitzinger Altstadt – ist von der Schließung bedroht. Zwar gibt es keiner der Beteiligten offen zu, aber auf Nachfrage dementiert auch niemand, dass der Pachtvertrag ausläuft und bisherige Weiter- sowie Neuverhandlungen zu keinem Ergebnis geführt haben. Das hat nun zahlreiche Innenstadt-Bewohner mobilisiert. Sie wollen für ihre Nahversorgung kämpfen. Deshalb versammelten sie sich am Mittwoch vor der „Stadt-Norma“ und verschafften ihren Belangen Gehör.

Ein Armutszeugnis

Sie sehen die Stadtverwaltung in der Pflicht. Ein Argument: Man könne nicht einerseits auf eine schicke Innenstadt setzen und schöne neue Wohnungen bauen lassen – wie beispielsweise die „Kitzinger Brauhöfe“ –, ohne die zentrale Versorgung der Bürger mit Lebensmitteln und Haushaltsbedarf sicherzustellen.

„Ich bin auch deshalb in die Altstadt gezogen, weil ich hier alles zu Fuß erreichen kann und nicht immer das Auto nehmen muss“, betont Renate Dörr. Zwei- bis dreimal pro Woche kauft die 46-Jährige eigenen Angaben zufolge bei „Norma“ Grundnahrungsmittel. Wenn – nach dem Kupsch am Marktplatz – nun auch noch diese Einkaufsmöglichkeit wegfallen würde, wäre das ein Armutszeugnis für die Stadt, findet sie.

„Darauf angewiesen“

Besonders schlimm träfe es ältere Bürger, deren Mobilität eingeschränkt ist. „Für uns sind die anderen Geschäfte zu weit weg, auch der frühere Comet auf der anderen B8-Seite“, sagt Elisabeth Guckenberger, die mit einem Rollator unterwegs ist. Gisela Schulz-Röser empfindet das ähnlich. Ihr Mann ist nicht mehr mobil und sie will ihn nicht allzu lange daheim allein lassen. Sie selbst fährt aus gesundheitlichen Gründen auch nicht mehr mit dem Auto. „Ich bin darauf angewiesen, dass ich in der Nähe einkaufen kann. Aber Kitzingen macht es unserer Generation ganz schön schwer.“

Das empfindet Brigitta Brückner ähnlich. Auch die 77-Jährige ist regelmäßige Kundin der „Stadt-Norma“. Ebenso wie Adelheid Haneberg: „Da heißt es immer, man soll den Kitzinger Einzelhandel unterstützen; aber wie, wenn alles zumacht?“

Hüsne Temiz fragt sich ebenfalls, wo sie im Fall des Falles alles Nötige für ihre Familie kaufen soll. Sie meint, die kleinen türkischen Läden könnten ein Geschäft wie „Norma“, wo es vom Spülmittel bis zur Butter alles gibt, höchstens teilweise ersetzen.

Nicht nur für die Kitzinger, sondern auch für Touristen, etwa Radfahrer und Wohnmobilisten, sei es übel, wenn sie sich nicht direkt in der Stadt mit dem Lebensnotwendigen eindecken können, gibt Elisabeth Porzelt zu bedenken. Hermine Trabert sieht das genauso: „Zu uns ins Café kommen oft Leute, die wissen wollen, wo sie schnell ein paar Lebensmittel kaufen können.“

Wolfgang Haupt würde gerne wissen, was überhaupt hinter der Schließung der „Norma“ steckt. Vielleicht sei diese jetzt aktuell, weil auf der anderen Mainseite eine weitere Filiale eröffnet hat? Die allerdings ziehe keine Kaufkraft aus der Stadt ab, ist Haupt sicher. Er mutmaßt: „Vielleicht ist das eine Entscheidung, die ohne Ortskenntnis gefällt wird? In der Stadt-'Norma' sind jedenfalls immer Leute, egal, wann man einkauft.“

Diese Erfahrung hat auch Renate Dörr gemacht. Zudem mag sie „den Charme und das multikulturelle Flair“ der „Stadt-Norma“: „Hier ist man nicht einfach eine Nummer, sondern da kennt man sich und da wird an der Kasse auch mal gelacht.“

Idee: ein Altstadtladen

Wenn die „Norma“ verschwinde, brauche man in der Altstadt auf jeden Fall wieder ein Geschäft mit einem breit gefächerten Angebot an Waren des täglichen Bedarfs, stellt Margarete Baumeister klar. „Ich könnte mir auch so etwas wie einen netten Dorf- beziehungsweise Altstadtladen vorstellen.“ Sie fragt: „Was erzählen die Verantwortlichen den Menschen, die in die neuen Brauhöfe-Wohnungen in der ehemaligen Bürgerbräu ziehen, über die Infrastruktur in der Innenstadt? Viele Leute ziehen doch eigens deswegen in die Altstadt. Sie wollen vor Ort alles haben, was sie brauchen, nicht nur Ärzte und Apotheken, ein schönes Ambiente und Kleidergeschäfte, sondern auch Haushaltswaren und Nahrungsmittel.“ Mit Blick auf die Feste in der Stadt meint Margarete Baumeister: „Der Stadtmarketing-Verein sollte nicht nur Feiern organisieren, sondern auch mal an uns denken.“

Wolfgang Haupt würde die Thematik gern im Stadtrat besprochen haben – und erhält für diesen Gedanken Applaus von allen Seiten. Haupt meint, natürlich könne die Stadt keinen Anbieter zwingen, sich in der Altstadt niederzulassen. Aber mit entsprechenden Vorgaben, zum Beispiel im Rahmen der Gebührenverordnung, könnte man schon regulierend eingreifen.

Die Geschäftsleitung von JS Immobilien (Gebäudeeigentümerin) möchte sich „derzeit im Sinne aller Beteiligten noch nicht äußern“. Von Norma selbst gab es trotz mehrmaliger Anfrage keine Stellungnahme. Der Kitzinger Stadtplaner Torsten Fischer meinte, er könne zur Thematik aktuell „keine Auskunft geben“, natürlich sei eine qualitativ hochwertige Nachversorgung in der Altstadt aber im Interesse der Stadtverwaltung.