Augenweiden und Gaumenfreuden
Autor: Diana Fuchs
Kitzingen, Dienstag, 24. Mai 2016
Interview mit einem Genießer. Für Oliver van Essenberg ist Genuss „eine intensive Beziehung zur Welt“
Was ist 1,4 Zentimeter dick, 920 Gramm schwer und wenn man es öffnet, bekommt man große Augen? Es ist das neueste Produkt von „Lebensart genießen“. Ein Hochglanz-Magazin. Eigentlich fast ein Buch. Sein Titel beschreibt den Inhalt in drei Worten: „Spezialitäten in Franken“.
Um Spitzenbiere geht es ebenso wie um alte Bamberger Gemüsesorten, um fränkisches Bratwurstgestrüpp und wilde Beeren aus dem Fichtelgebirge, um Genusshandwerker und Sterneköche. Rezepte sowie Ausflugstipps gibt es auch.
Das etwa DIN-A 4 große, reich bebilderte Werk, das im Handel 14,99 Euro kostet, ist ein Hingucker, keine Frage. Aber existieren nicht längst schon genügend Bücher über die großen und kleinen kulinarischen Sensationen Frankens?
Oliver van Essenberg, Leiter des Bamberger selekt Verlags, der das Hochglanz-Magazin „Lebensart genießen“ herausgibt, schüttelt entschieden den Kopf.
Oliver van Essenberg: Das Frankenland wurde von vielen noch nicht als die Genießerregion wahrgenommen, die es ist, und wenn, dann oft unter dem Aspekt: rustikale Küche, große Portionen, günstige Preise. Inzwischen erfahren viele heimische Produkte eine sehr viel höhere Wertschätzung als früher. Die Spitzenküche hat Regionales salonfähig gemacht. In Vergessenheit geratene Sorten kamen zu neuen Ehren und auch insgesamt erscheint Franken heute in einem besseren Licht, beinahe als eine Wiege der deutschen Kochkunst.
Das Buchmagazin führt diese Themen zusammen und zeigt, wie vielfältig und unverwechselbar Franken in kulinarischer Hinsicht ist. Wer sich Zeit nimmt, das Frankenland zu bereisen, kann Genuss hier intensiver erleben als bei einem Urlaub in der Ferne.
Bratwurst, Bier und Wein, die Frankenklassiker, werden ebenso unter die Lupe genommen wie das Ur-Getreide „Emmer“, das vor allem südlich und östlich von Nürnberg wächst, die Eichelschweine aus dem unterfränkischen Iphofen oder Apfelsekt aus Oberfranken. Nach welchen Kriterien haben Sie entschieden, welche Produkte vorgestellt werden?Oliver van Essenberg: Im Mittelpunkt stehen fränkische Originale und Raritäten, auch Dinge mit Alleinstellungsmerkmal, im Weinbau etwa der Alte Satz, Schiefertrüffel aus dem Frankenwald, Bamberger Gemüsesorten, viele Obstsorten und alte Landrassen. Des Weiteren geht es um Spezialitäten, die in Franken optimal gedeihen wie der Spalter Hopfen, Wildkräuter im Fichtelgebirge, Silvaner-Trauben, bestimmte Getreidesorten. Und schließlich geht es um hervorragende Genusshandwerker, die diese Spezialitäten weiterverarbeiten.