Glücklich schauen sie nicht drein. Christian Gräbner und Peter Hummel haben solche Zeiten noch nicht erlebt. „Alles wird teurer“, sagt der Vorsitzende der Gartenbaugruppe Kitzingen/Etwashausen, und sein Stellvertreter ergänzt: „Das müssen wir an die Verbraucher weitergeben.“

Wie hoch die Preissteigerungen für Gemüse, Salate und Zierpflanzen ausfallen werden, lässt sich noch nicht genau beziffern. Von 15 bis 20 Prozent geht Christian Gräbner derzeit aber aus. „Die Strom- und Gaspreise steigen ab dem neuen Jahr bei allen Versorgern“, erinnert er. LKW, ÜZ und N-ERGIE haben Steigerungen um 10 bis 15 Prozent in Aussicht gestellt. Gurken und Tomaten, die im Januar/Februar gepflanzt werden, brauchen konstante Temperaturen um die 20 Grad, Salate und Rettich etwa zehn Grad. „Ich bin mal gespannt, welches Angebot mir mein Energieversorger vorlegt“, sagt Christian Gräbner und überlegt, ob er frühe Kulturen wie Tomaten oder Gurken ein bis zwei Wochen später als üblich anpflanzt. „Dann könnte ich mir für diese Zeit die Energiekosten sparen.“ Auf der anderen Seite gingen ihm dann auch die Einnahmen verloren.

Unsicherheit ist groß

Peter Hummel hat bezüglich seiner Beet- und Balkonpflanzen kein solches Zeitfenster. Im Mai werden die Produkte von den Kunden verlangt. Also muss er sie im Januar/Februar eintopfen. Zum Anwachsen brauchen sie Temperaturen zwischen 15 und 20 Grad. Die steigenden Energiekosten wird er umlegen müssen. In welcher Höhe lasse sich noch nicht sagen. Die Unsicherheit ist bei allen Gärtnern derzeit groß. „Ich muss mir das alles noch mal genau durchrechnen“, sagt Gräbner.

Rechnen müssen derzeit alle, die in der Branche tätig sind. Und das ganz genau. „Alle Kosten sind gestiegen“, sagt Peter Hummel und zählt auf: Energie, Diesel, Dünger, Jungpflanzen, Erde, Töpfe, Kartonagen, Keramik, der Transport und nicht zuletzt die Personalkosten. Der Mindestlohn steigt ab dem Juli nächsten Jahres von derzeit 9,60 Euro auf 10,45 Euro. „Dabei bin ich schon froh, wenn ich genug Mitarbeiter finde“, sagt Christian Gräbner.

Kein Blumentopf zu haben

Beim Dünger lassen sich die Kostensteigerung schon jetzt beziffern. „Im Moment werden bis zu 50 Prozent mehr als vor einem Jahr verlangt“, sagt Gräbner und muss trotz der ernsthaften Lage grinsen. „Dabei ist im Moment gar kein Dünger mehr auf Lager.“ Ein bisschen erinnert ihn die Lage an den ersten Lockdown und die Hamsterkäufe bei Klopapier. Genauso schaut es derzeit beim Dünger aus – aber auch bei Blumentöpfen. „Die Betriebe haben sich eingedeckt, auf dem Markt gibt es nichts mehr.“ Zum Glück hat die Warenbezugsgenossenschaft schnell reagiert und beizeiten genug Dünger für ihre Mitglieder bestellt.

Nach dem Lockdown im Frühjahr dieses Jahres konnten die Betriebe gerade noch rechtzeitig ihre Pforten öffnen, um ihre Frühjahrsblüher unters Volk zu bringen. „Der Verkauf lief prima“, sagt Peter Hummel. Überhaupt: Der Trend zum Regionalen mache sich auch hierzulande bemerkbar, die Verbraucher greifen sehr zur Freude der heimischen Betriebe vermehrt zu Produkten „made in Mainfranken“. Dass die Preise gerade in dieser Phase steigen müssen, ärgert den Gärtnermeister. „Wenigstens ist das Weihnachtsgeschäft noch nicht von dieser Entwicklung betroffen“, sagt er. Weihnachtssterne und Weihnachtsbäume wird es zu ähnlichen Preisen wie im Vorjahr geben. „Aber nächstes Jahr wird das nicht mehr gehen“, kündigt Hummel an. Gerade die Weihnachtssterne brauchen es warm, auf 18 Grad müssen die Gewächshäuser geheizt werden.

Kommen Betriebsschließungen?

Die Adventszeit ist für viele Kollegen enorm wichtig. Bei den Weihnachtsfeiern von Firmen und Vereinen in den Gaststätten kommen auch regionale Produkte auf den Tisch. „Mal schauen, ob diese Feiern heuer überhaupt stattfinden können“, sagt Gräbner. Andere Kollegen verkaufen ihre Adventsgestecke und Deko-Artikel auf den Weihnachtsmärkten in der Region. Auch diese Absatzmöglichkeit ist fraglich. Sommerhausen und Iphofen haben bereits vermeldet, dass sie heuer keine Märkte durchführen werden. „Das alles ist für manche Kollegen sehr frustrierend“, betont der Vorsitzende der Gartenbaugruppe und geht davon aus, dass es im kommenden Jahr auch zu Betriebsschließungen kommen wird. „Es würde mich jedenfalls nicht wundern, wenn der eine oder andere Kollege aufgibt“, sagt er.

Eine Schuld träfe dabei auch die Politik, deren Beschlüsse der Etwashäuser nicht immer nachvollziehen kann. Als ein Beispiel nennt er die CO2-Abgabe, die es jedenfalls nicht nur für deutsche Betriebe geben dürfe. „Gegenüber den Anbaubetrieben im Ausland ist das ein klarer Wettbewerbsnachteil.“