30 Zimmer für die Fledermaus
Autor: ktlen
Iphofen, Montag, 28. Juni 2021
Im Sommer leben sie getrennt. Horst Altenhöfer weiß das. Eine ganze Reihe von Schülern aus Iphofen und Marktbreit weiß es jetzt auch. Weil sie gemeinsam ein Fledermaus-Projekt gestartet haben.
Im Sommer leben sie getrennt. Horst Altenhöfer weiß das. Eine ganze Reihe von Schülern aus Iphofen und Marktbreit weiß es jetzt auch. Weil sie gemeinsam ein Fledermaus-Projekt gestartet haben.
Horst Altenhöfer kennt sich mit Fledermäusen aus. Der 2. Vorsitzende des Steigerwaldklubs Iphofen hätte also einfach in der Schule einen Vortrag über die scheuen nachtaktiven Tiere und ihre Unterkünfte halten können. Aber er weiß, dass man viel mehr lernt, wenn man mit anpackt. Also ist er mit einigen Klub-Kollegen in die Karlheinz-Spielmann-Schule Iphofen gegangen, genauer in den Technik-Unterricht der siebten Klasse. Im Januar 2020 war das schon. Jeweils zwei Schüler haben unter Anleitung eines Erwachsenen hölzerne Unterkünfte für Fledermäuse gebaut, jede versehen mit dem Namen des Erbauers. Ursprünglich wollte Altenhöfer die Fledermauskästen mit den Schülern bereits im April 2020 aufhängen. Wegen Corona ging das nicht und so stand erst jetzt, im Juni 2021, das Fledermaus-Projekt wieder auf dem Stundenplan.
Wobei die Iphöfer Klasse das Aufhängen aus Termingründen nicht selbst übernehmen konnte. Unterstützung kam aus der Marktbreiter Schule, die einen Schulverbund mit Iphofen unterhält. Und so konnten Altenhöfer und seine Kollegen ihr Wissen gleich nochmal vermitteln und auch den Marktbreiter Schülern zum Beispiel erzählen, dass Fledermausmännchen und -weibchen nur den Winter gemeinsam verbringen. Im Sommer leben mehrere Weibchen zusammen im Wochenstuben-Quartier, die Männchen suchen sich derweil eine eigene Unterkunft.
Eine solche hölzerne Fledermaus-Stube hat Mustafa unter den Arm geklemmt, als er vorsichtig die Leiter erklimmt. Erik und Firdos halten die Leiter fest, während ihr Schulkamerad hoch oben am Stamm mit dem Hammer hantiert. Etwa 25 Meter entfernt sägt Bartosz derweil einen langen Ast ab, der für den Einflug ins Quartier hinderlich sein könnte. Seine Schulkameraden Mike und Kevin stehen mit großen Astscheren bereit, um beim nächsten Baum anzusetzen, den Christian Kümmel, Gärtner beim städtischen Bauhof, schon ausgesucht hat. 30 Kästen gilt es insgesamt aufzuhängen.
Wie die Iphöfer Schüler beim Bauen haben die Marktbreiter sichtlich Spaß am etwas anderen Unterricht, bei dem sie nicht nur etwas über Fledermäuse erfahren, sondern auch ihr handwerkliches Geschick schulen können. Mit riesigen Gartenscheren und Sägen an langen Stielen hantieren sie zuhause eher selten – wenn sie so etwas überhaupt schon mal in der Hand hatten. „Die praktische Arbeit gefällt den Schülern“, bestätigt Nina Sahlmüller und lobt das engagierte Team des Steigerwaldklubs. Bei solchen Aktionen, das weiß die Lehrerin, „lernen die Schüler was fürs Leben.“ Auch bei der Finanzierung des Materials für die Kästen hatten die Schüler mit angepackt: Beim mittelalterlichen Weihnachtsmarkt hat die Schule alljährlich einen Stand mit Essen und Selbstgebasteltem. „Mit den Einnahmen haben wir das Material für die Fledermauskästen bezahlt.“
Der Ursprung der Aktion am Ufer des Iphöfer Stadtsees reicht schon einige Jahre zurück. Eine Landschaftsarchitektin aus Iphofen stellte damals fest, dass es für die Höhlenbrüter rund um den Herrengraben viel zu wenige Brutmöglichkeiten gibt, erzählt Horst Altenhöfer. Sie wollte nicht nur auf das Problem aufmerksam machen, sondern suchte auch gleich nach einer Lösung. Unterstützung fand sie bei der Stadt Iphofen und dem örtlichen Steigerwaldklub.
Horst Altenhöfer startete mit seinen Kollegen eine Patenaktion: Gegen eine Spende können Privat- und Geschäftsleute Nistkasten-Pate werden. Schnell kamen über 200 Nistkästen zusammen, ein Helferteam brachte sie unter der Anleitung von Tilo Gernert in drei bis vier Metern Höhe an den Bäumen rund um den Herrengraben, am Stadtsee und am Mittelwaldweg an. Schon im ersten Jahr waren 62 Prozent der Nistkästen belegt, seit 2018 liegt die Belegung bei 87 Prozent, freut sich Horst Altenhöfer.