Glühwein-Vorprobe für die Volkacher Weihnachtsstraße: Nikolaus, Christkind und andere Vertreter der Mainschleifen-Weihnacht testeten, was beim Adventsmarkt in die Tassen fließt. Ein Besuch in der mollig warmen Bücherstube.
An diesem Abend glüht nicht nur der Wein. Schon mit dem zweiten Schritt in den kleinen Buchladen Bücherblume in der Volkacher Hauptstraße streift Uli Pfister seinen Anorak ab. „Ist das warm hier!“
Dabei müsste der Mann mit dem grauen Kurzhaarschnitt hohe Temperaturen eigentlich aushalten: In der Vorweihnachtszeit spielt er in Volkach mit Bart, Bischofsmütze und dickem Umhang den Nikolaus.
Heute, zur Glühwein-Vorprobe für die Weihnachtsstraße, die am 1. und 2. Dezember in Volkach stattfindet, ist der Nikolaus Uli Pfister allerdings in Zivil gekommen. Genau so wie seine Kollegen, das Mainschleifen-Christkind Teresa Feuerbach und Dieter Will, der Knecht Ruprecht auf Zeit. Nicht das Karohemd, nur Wills Vollbart lässt erahnen, wie der furchterregende Mann mit dem Jutesack in den Wochen vor Heiligabend aussehen wird. Schon seit Ende des Volkacher Weinfestes lässt er die Haare im Gesicht sprießen.
„Das Buffet ist eröffnet.“ Die Buchladeninhaberinnen Sabine und Eva Kiesel sowie Vorproben-Organisatorin Anita Krämer-Gerhard haben acht Thermoskannen auf die Anrichte gestellt: Jede aufgeklebte Nummer steht für einen Marktstand, an dem der Wein verkauft wird. Blindverkostung ist angesagt: Beim Probieren soll keiner der elf Teilnehmer wissen, ob er gerade einen vom Nebenmann produzierten Glühwein verköstigt. Heiß diskutiert wird trotzdem: „Der Fünfer schmeckt leicht“, „Hast du auch gerade den Dreier in der Tasse?“ und „Ich komm nicht klar mit dem Zweier, der ist mir zu herb“. Die Urteile sind so unterschiedlich wie offenbar die Weine.
Mit im Angebot der Weihnachtsstraße sind heuer Glühweine von Fürst Castell, zwei vom Weingut Marienhof, jeweils einer von den Weingütern Römmert und Sauer. Hinter den restlichen drei Feldern auf der anonymen Achterliste stecken Glühweine, die der Gasthof Behringer und die Winzergemeinschaft GWF gekauft und selbst gewürzt haben.
Der Glühwein kommt an – auch im Blutkreislauf der Verkoster. Nicht alle haben schon zu Abend gegessen. „Mein Mann kocht mir noch Spaghetti mit Tomatensoße“, sagt Weinstraßen-Planerin Krämer-Gerhard. Jetzt sind die Mägen allerdings noch leer. Freie Bahn für die Promille.
Schon der Alkohol-Dampf von Nummer eins steigt durch die Nasen, direkt ins Hirn. „Ich muss jetzt doch etwas wegschütten“, sagt Tatjana Hart vom Weingut Langer lachend, aber fast bedauernd. Sie kann heute locker bewerten, ihr eigener Glühwein ist für die Verkostung nicht rechtzeitig fertig geworden. Ein paar Schlückchen aus der extra gestalteten Weihnachtsstraßen-Tasse müssen ihr inzwischen reichen, der Rest fließt in die Edelstahlschüssel auf der Anrichte. Der ein oder andere braucht dagegen noch einmal Nachschub von der Glühweinbar, ein Urteil will gut begründet sein.
Ein Kreuzchen bei „super“ gleichbedeutend mit vier Punkten, mehrere bei „gut“ gleich drei Punkte, ein paar bei „okay“ gleich zwei Punkte und hin und wieder auch ein „nicht so“, das nur einen Punkt für die Bilanz verspricht: An diesem Abend soll es aber nicht um besser oder schlechter gehen, betont Anita Krämer-Gerhard. „Es gibt keine Fachleut'. Es gibt nur Schmecken und Nicht-Schmecken“ – darin sind sich alle einig. Und Geschmäcker sind verschieden. „Kann ma lass'“, schallt es manchmal gar als ultimatives Zeichen fränkischer Verzückung.
Einen Punktbesten gibt es am Ende zwar, doch ein Sieger oder gar ein Verlierer soll nicht öffentlich werden. Viel wichtiger ist allen Beteiligten der Spaß am gemeinsamen Vorglühen. Ein Fazit zumindest bleibt: Schlechter Glühwein wird den Kunden auf der Volkacher Weihnachtsstraße nicht angeboten. Jeder bekomme einen ganz nach seinem Geschmack – egal ob Weißweinliebhaber, Fürsprecher des einzigen Rotlings oder Verfechter der klassischen Roten. Die Kannen glühen am Ende zwar nicht mehr, dafür die Nasenspitzen.