Heute schon waldgebadet? Der Forstwirt Simon Abeln hat Gründe gesammelt, warum es sich lohnt, in den Wald zu gehen. Und erklärt, was ein Waldbad ist.
Ob Simon Abelns Ehefrau eifersüchtig ist? Grund dazu hätte sie. So leidenschaftlich, ja liebevoll, spricht ihr Mann vom Wald. Fast jede freie Minute verbringt der Forstwirt und Jäger in seinem Revier bei Bütthard (Landkreis Würzburg). Oft ist Ferdinand, sein fünf Jahre alter Weimaraner, dabei. „Meine Frau kommt manchmal zum Spazieren mit. Dafür komme ich ihr bei anderen Sachen entgegen und bringe auch öfters einen Strauß Waldblumen mit“, sagt er lachend.
Weil er ein Stimmungsmacher ist
Mit kräftigen Schritten läuft Abeln durch den Büttharder Wald. Ferdinand flitzt voraus. Die Sonne scheint durch die Baumkronen, Blütenstaub flirrt in der Luft. Seine Begeisterung für den Wald teilt der 45-Jährige jetzt mit jedem. Viele Gründe hat er gesammelt, warum sich ein Ausflug in den Wald lohnt. Sein Buch „111 Gründe, den Wald zu lieben“ ist eine Aufforderung, öfter in den Wald zu gehen, ihn zu erleben und ihn zu genießen, aber auch das Offensichtliche nicht als selbstverständlich zu nehmen. „Klar, weiß jeder, dass die Bäume tagsüber Sauerstoff produzieren, aber wer denkt daran, dass es Laubbäume im Winter nicht tun“, sagt Abeln und atmet tief ein.
Ein Geruch aus Humus, Harz und Feuchtigkeit liegt in der Luft. Die Sonnenstrahlen bleiben im Gewirr aus Fichtennadeln hängen. Dicht an dicht stehen die Nadelbäume. In so einem düsteren Wald müssen sich Hänsel und Gretel verlaufen haben. „Der Wald ist ein Stimmungsmacher“, sagt Simon Abeln. Zu jeder Tageszeit, zu jeder Jahreszeit fühlt sich der Wald anders an. Knackende Äste und Dämmerung lassen uns schaudern, Vogelgezwitscher auf einer sonnigen Lichtung hebt gleich die Laune. Diese unterschiedlichen Stimmungen in den verschiedenen Waldarten sind das, was ihn am meisten am Wald fasziniert. „Das war der erste Grund, der mir eingefallen ist.“
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Weil man dort Trüffel finden kann
Ein Jahr lang hat Abeln an dem Buch geschrieben. 50 Gründe fielen ihm schnell ein. Beim Schreiben sind ihm die restlichen Gründe gekommen. Einer seiner Lieblingsgründe: Weil man dort Trüffel finden kann. „Kaum einer weiß, dass Deutschland ein heimliches Trüffelland ist“, erzählt Abeln begeistert. Viele Trüffelsucher sind in den beiden Weltkriegen gestorben und mit ihnen das Wissen, wo Trüffel wachsen. Macht nichts. Trüffel dürfen nicht geerntet werden. Die Edelpilze stehen seit 1986 auf der Roten Liste.
Kein Geheimnis dagegen ist, wo Bärlauch wächst. Ein Hauch Knoblauch weht durch die Baumstämme. Ferdinand interessiert das herzlich wenig. Er schnuppert an einem großem Loch in der Erde: ein Dachsbau. Mehrere Tiere – oft mehrere Generationen – leben zusammen in langen unterirdischen Gängen. Meister Grimbart duldet aber auch Füchse in seinem Reich. „Burgfrieden heißt das dann“, erklärt Abeln.
Weil man dort gesund wird und jung bleibt
Frieden und Ruhe ist auch das, was die Menschen in den Wald zieht. Davon ist der Forstwirt überzeugt. „Der Wald entschleunigt. Er ist ein Ort der Erholung.“ Die Deutschen lieben den Wald, zur Zeit besonders. Abeln läuft gedankenverloren weiter. Trockenes Laub knackt unter seinen Füßen. „Im Wald findet man Werte wie Beständigkeit, Tradition und Gesundheit“, versucht er den aktuellen Hype um den Wald zu erklären.
Wie gesund ein Spaziergang im Wald ist, haben Forscher herausgefunden. Bäume warnen sich durch gasförmige, chemische Botenstoffe gegenseitig vor Schädlingen. Diese bioaktiven Substanzen werden auch vom menschlichen Immunsystem verstanden. Beim Einatmen dieser Stoffe erhöht der Körper die Anzahl der Killerzellen, deren Aufgabe es ist, Viren und möglichen Krebszellen den Garaus zu machen. Auch Blutdruck und Puls sinken beim Gang durch den Wald. Die Japaner fassen diese positiven Effekte des Waldes auf den Körper unter dem Begriff „Shinrin Yoku“ zusammen. Auf deutsch: Waldbaden. Hört sich cooler an als Waldspaziergang.