Zum Artikel "Rossmann verlässt Kitzingen" vom 26. Oktober erreichte die Redaktion folgende Leserzuschrift:

Nachdem ich am Montag die Zeitung aufgeschlagen hatte, musste ich mich ein weiteres Mal mehr als wundern: Ganz nebenbei erfuhr man, dass Rossmann am Stadtgraben schließen wird. Eines der letzten Geschäfte des täglichen Bedarfs in der Innenstadt gibt auf. Die Begründung dafür war erst der Zeitung des darauf folgenden Tages zu entnehmen: Kundenschwund durch die lang dauernde Baustelle, zu geringe Verkaufsfläche, zu wenige Parkplätze. Alles verständlich!

Doch angeblich will der Investor Rosentritt auch den ersten Stock des ehemaligen Kaufhauses Storg als Gewerbefläche vermarkten und durch ein Einbahnstraßensystem neue Parkplätze schaffen. Warum kam man da so gar nicht zusammen? Wo sollen sich ab dem 9. November die Kunden, die bisher zu Fuß zum Einkaufen kamen, weil sie kein Auto (mehr) haben oder ihren CO2-Abdruck ein wenig begrenzen wollten, ihre Drogerieartikel kaufen? Klar, es gibt den Drogeriemarkt Müller und viele Discounter, und Supermärkte haben auch Drogerieartikel, aber nun muss, soweit möglich, das Auto herhalten. Genauso verhielte es sich bei einer Schließung der Norma-Filiale!

Die Preise für Treibstoffe gehen durch die Decke, die Umweltbelastung wird immer größer, aber wir setzten weiter auf größere Gewerbegebiete, noch mehr Baugebiete und die Erreichbarkeit des Ganzen mit dem Auto, da der ÖPNV im Landkreis Kitzingen in keiner Weise ausreichend ist!

Dabei muss ich betonen, dass ich es durchaus begrüße, wenn Kitzingen wächst, nachdem lange Zeit befürchtet worden war, dass die Stadt in puncto Bevölkerungszahl bestenfalls gleich bliebe, wahrscheinlich aber schrumpfen wird. Das Argument, dass ein Zuwachs wegen der stetig steigenden Mieten in Würzburg durchaus denkbar wäre, wurde beiseite gewischt, und auch die Tatsache, dass mehr bezahlbarer Wohnraum nötig ist, in Anbetracht vieler Billiglöhner, die in den nächsten Jahren in Rente gehen, wurde nicht gehört. Nun aber wird gebaut, was das Zeug hält, gerne auch mit Freifahrschein für unbekannte Investoren!

Für das Vorhaben auf dem Gelände des Schützenhauses soll jede Menge Grün abgeholzt werden. Angesichts der Tatsache, dass es im Sommer in der Stadt immer heißer und schwüler wird, fragt man sich, ob mit all den Bauaktivitäten nicht wichtige Frischluftschneisen der Stadt einfach verbaut werden, in der Hoffnung, dass es schon nicht so schlimm werden wird!

Dabei gibt es doch noch immer freie Wohnungen auf dem Gelände der Marshall Heights! Auch eine Schule gibt es da! Schon stellt sich die Frage, wieso dann ein neuer Schulstandort am Standort von REWE und Aldi in der Dagmar-Vosskühler-Straße vorgeschlagen wird?

Fragen über Fragen! Ich weiß nur eines, die Zukunft der Innenstadt als eine Mischung aus Einzelhandel (Welcher?), Kultur (Welche?) und Wohnen ist mir zu wenig!

Elvira Kahnt
97318 Kitzingen

Vorschaubild: © Björn Kohlhepp