Das Memorbuch von Kitzingen, zur Erinnerung an die Deportation der jüdischen Bevölkerung von Familienforscher Michael Schneeberger herausgegeben, wurde beim Besuch von Mitgliedern des Fördervereins ehemalige Synagoge Kitzingen bereits 2013 an den Verein La Victoire in Paris überreicht.  

Erst als der seit 2008 amtierende Bürgermeister der Kitzinger Partnerstadt Prades, Jean Castex, 2020 zum französischen Premierminister ernannt wurde, fiel La Victoire, die seit 1984 gepflegte Verbindung zwischen den Städten Prades und Kitzingen, auf und das 2013 überreichte Memorbuch Yiskor und sein inzwischen verstorbener Autor traten wieder in Erinnerung.

In seinem Brief an den Förderverein unterstreicht der Ehrenvorsitzende der Synagoge des Sieges (La Victoire), Félix Loeb, die Bedeutung von Memorbüchern als sehr alte Tradition rheinischer jüdischer Gemeinschaften, die Toten mit Namen zu nennen, um ihnen so in religiöser Verpflichtung wieder Zutritt in die menschliche Gemeinschaft zu schaffen, aus der sie gerissen wurden.

Memorbuch aus Kitzingen wird erwähnt

Die Widmung des Buches durch den Autor Michael Schneeberger habe sehr berührt, erinnert sich Loeb. Das Buch über die Festnahme der Juden in Kitzingen, ihre Deportation am 24. März und 23. September 1942 sowie ihre Ermordung zu lesen sei schwer gefallen, denn auch Loebs Vater war nach Ausschwitz deportiert und ermordet worden.

Im Jahresinformationsbrief der Pariser Synagoge findet das Memorbuch aus Kitzingen mit den Beschreibungen der Vorgänge mit einem Vorwort von Alt-Oberbürgermeister Bernd Moser eine Würdigung. Schneeberger habe den 225 deportierten Opfern mit einem Passbild und dem individuellen Lebenslauf anhand einer von Elmar Schwinger erstellten Liste ihre wahre Identität wieder gegeben. Dazu habe Schneeberger äußerst genaue Informationen zu den Verhaftungen, Transporten, die Internierung in Izbica und Theresienstadt sowie die Überführung in die Vernichtungslager geschildert.  

Buch über 150 Jahre französisches Judentum

Bereits nach der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 hatten etwa 200 jüdische Bürger aus Kitzingen Deutschland nach Amerika, Palästina und Osteuropa verlassen. Damals war auch die 1883 eingeweihte Kitzinger Synagoge ausgebrannt.

Im letzten Teil des Memorbuches hat der Autor über den Wiederaufbau der Kitzinger Synagoge, die Einrichtung von Stelen und Stolpersteinen berichtet. Ein weiterer Abschnitt galt der Wiederherstellung des jüdischen Friedhofes in Rödelsee.

Inzwischen hat der Pariser Verein ein eigenes Buch herausgegeben, in dem 150 Jahre französisches Judentum behandelt werden und dem Förderverein als Gegengabe überlassen.