Sickergrundhalle wird umgebaut - Fledermäuse profitieren

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Kitzingen:
Dieser Prototyp eines neuen Fledermauskastens hängt seit kurzem in der Nähe des Sickergrundstadions. 40 solcher Kästen werden in die neue Fassade integriert und ersetzen die jetzigen Quartiere ...
Kitzingen:
Ralf Dieter

In Kitzingen wird derzeit die Sickergrundhalle umgebaut. Davon profitieren auch die dort lebenden Fledermäuse - sie bekommen Wohnquartiere gebaut.

Die Arbeiten an der Sickergrundhalle schreiten voran – und davon profitieren nicht nur die Menschen. Für die an der Sickergrundhalle lebenden Fledermauskolonien werden gerade eigens angefertigte Wohnquartiere ausprobiert. Wie die Stadt Kitzingen erklärt, müssen ihre bisherigen Quartiere ersetzt werden, da sie bald unter der neu gedämmten Fassade verschwinden.

Die Generalsanierung der Sickergrundhalle ist eine der größten Baumaßnahmen der Stadt Kitzingen. Für rund 15,6 Millionen Euro soll die Sportstätte am südlichen Rand der Kitzinger Siedlung von Grund auf ertüchtigt werden. Sporthalle, Umkleiden und Außenbereiche sollen Ende 2024 komplett neu überarbeitet und gestaltet sein, eines soll sich aber nicht verändern: Das Braune Langohr, Zwerg- und Breitflügelfledermäuse sowie Einzeltiere des Großen Mausohrs sollen sich auch im neu gestalteten Umfeld wohl fühlen.

Rund um die Sickergrundhalle sind die Lebensbedingungen für Fledermäuse ideal. Sie haben bisher ihre Quartiere unter den umlaufenden Attikaplatten aus Beton. Auf engem Raum finden sie hier unterschiedliche mikroklimatische Verhältnisse vor: Morgen- und Abendsonne an Ost- oder Westseite, ganztägig Schatten bei heißer Witterung auf der Nordseite. Je nach Wetterlage und Temperatur können sie ihren Standort schnell und ohne grundlegenden Quartierswechsel verändern. Die Langohren finden auf der windgeschützten Außentribüne perfekte Bedingungen für die Jagd vor. Mit der Sicker, dem Main, größeren Waldgebieten südlich von Hohenfeld und Sickerhausen sowie dazwischen eingestreuten Wiesen, Brachen und Streuobstbeständen finden sich insektenreichen Jagdhabitate in der näheren Umgebung.

Bereits vor neun Jahren stellte der Fledermausbetreuer des Landkreises Kitzingen, Christian Söder, Fledermauswochenstuben in den Beton-Attikaplatten des Gebäudes fest. „Das hat unsere Planungen für die Generalsanierung nicht gerade leichter gemacht“, sagt der städtische Projektverantwortliche Thomas Rüger und schmunzelt. Mit der Unteren Naturschutzbehörde, der Regierung von Unterfranken, dem verantwortlichen Architektenbüro Roth und Partner und dem Umweltbüro Fabion konnten kompetente und kreative Partner gefunden werden, um die individuen- und artenreichen Bestände trotz Generalsanierung zu schützen. Zusammen entwickelten die Verantwortlichen einen Zeitplan für den Baufortschritt, der den Lebenszyklus der Fledermäuse berücksichtigt. „Wir haben beispielsweise Ersatzquartiere für die Tiere während der Umbauphase geschaffen“, erklärt Architekt Rene Müller.

Gleichzeitig ist ein neuartiger Prototyp eines Fledermauskastens entwickelt und gebaut worden, der im Moment in der Praxis getestet wird. 1,20 Meter hoch und 1,40 Meter breit ist der Kasten, die Spaltlängen entsprechen den Maßen der Quartiere in den bisherigen Beton-Attikaplatten. Rund 40 solcher Kästen sollen in die neue Plattenfassade integriert werden. „Falls die Fledermäuse unseren Prototypen annehmen“, so Müller. Genau das wird in den nächsten Wochen getestet. Läuft alles nach Plan, soll die überarbeitete Fassade im Frühjahr 2024 fertig sein – inklusive der neuen Behausungen für die nachtaktiven Tiere.

Renate Ullrich vom Umweltbüro Fabion ist voll des Lobes über die Zusammenarbeit. Auf die Belange der Fledermäuse sei vorbildlich Rücksicht genommen worden. Sie hofft, dass die neu geschaffenen Quartiere von den unterschiedlichen Fledermausarten auch nach der Generalsanierung angenommen werden. „Damit die Sickergrundhalle auch weiterhin so ein attraktives Quartier für Fledermäuse bleibt.“

Info: Die Kosten von rund 32 000 Euro für die neu konzipierten Fledermauskästen übernimmt die Stadt Kitzingen.