Bei den Kommunalwahlen im kommenden Jahr wird der SPD-Ortsverein Volkach keinen eigenen Bürgermeisterkandidaten ins Rennen schicken. Dass sich der Ortsverein anlässlich seines 90-jährigen Bestehens kein eigenes Geburtstagsgeschenk in Sachen "Stadtoberhaupt" macht, hat seinen Grund. "Wir schicken nur einen Kandidaten ins Rennen, der auch Chancen hat, Bürgermeister zu werden", sagt Dieter Söllner.

Das SPD-Urgestein aus Krautheim ist seit 18 Jahren engagierter Ortsvorsitzender und schon lange Mitglied im Stadtrat. In dieser Woche hat er zusammen mit seiner Frau Maria, mit dem Bundestagsabgeordneten Frank Hofmann und weiteren Helfern die Ausstellung zum Thema "150 Jahre Deutsche Sozialdemokratie - 90 Jahre SPD Volkach" im Museum Barockscheune in der Weinstraße vorbereitet.
Am heutigen Freitagabend wird die Präsentation im Beisein vieler Gäste feierlich eröffnet.

Söllner ist ein kommunalpolitischer Profi und er setzt auf Ehrlichkeit. Auf faule Tricks, wie er selbst sagt, könne die SPD verzichten. Söllner meint damit das Aufstellen eines Bürgermeisterkandidaten, um für die Fraktion auf Stimmenfang zu gehen, ohne dass der Anwärter auf den Chefsessel im Rathaus auch nur den Hauch einer Chance hätte. "Wir sind solide Arbeiter", sagt der Vorsitzende und lobt den Einsatz seiner Stadtratskollegen Günther Nicola und Gerhard Schulzki. "Wenn man etwas erreichen will, dann muss man die Menschen überzeugen und mit ins Boot holen. Krawall zu machen, nur um in der Zeitung zu stehen, ist nicht unser Ziel."

Lebendige Geschichte

In der 150-jährigen Geschichte der deutschen Sozialdemokratie hat der SPD-Ortsverein seit 90 Jahren mitgewirkt. Er habe dabei immer das Wohl der Bürger an der Mainschleife im Blick gehabt. Beide Ereignisse sollen nun gefeiert werden. Die Ausstellung in der Barockscheune zeigt die markanten geschichtlichen Momente der SPD, beginnend von der Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins durch Ferdinand Lassalle im Jahr 1863 über Otto Wels mit dem mutigen Nein zu Hitlers Ermächtigungsgesetz bis hin zur Ostpolitik von Willy Brandt und dem Atomausstieg der heutigen SPD.

Beim Blättern in der Chronik stieß Söllner auf ein Protokoll von 1947, das den Beleg für die Geschichte des SPD-Ortsverein liefert. Darin heißt es: "Die Ortsgruppe Volkach der SPD wurde am 15. August 1922 gegründet, und zwar durch die Genossen Wilhelm Völk, Bahnhofsvorsteher und Franz Wächter, Spenglermeister." Diese Gründung war wohl eine Folge des 1918 eingeführten allgemeinen und gleichen Wahlrechts im Kommunalbereich. Es ersetzte das Dreiklassenwahlrecht und ermöglichte den Arbeitern erstmals ein umfassendes politisches Mitspracherecht auf Gemeindeebene.

Vorsitzender des Ortsvereins war von Beginn an bis 1927 Wilhelm Völk. Bis zur Auflösung der Partei 1933 durch die Nationalsozialisten führte Franz Weißenberger den Vorsitz. Nach Kriegsende wurde der Ortsverein neu belebt. Nicht zuletzt waren es die Heimatvertriebenen, die hier wieder ihre politische Heimat fanden. Franz Weißenberger stand abermals an der Spitze. Ein Blick in alte Unterlagen zeigt, dass in der Volkacher SPD bereits 1948 zahlreiche Frauen an der politischen Meinungsbildung mitgewirkt haben. Unter 65 Mitgliedern waren damals 17 Frauen aufgeführt.

Bunt gemischt ist in den alten Mitgliederlisten die Rubrik der Berufe. Vom Bauern über Heizer, Weberin, Steindrucker, Hutarbeiterin, Bildhauer, Lokführer, Schreiner, Bäcker, Pflasterer, Fährmann, Tabakarbeiterin bis hin zum Amtsboten ist eine breite Palette aller Bevölkerungsschichten vertreten.

Politischer Erfolg

In den 50er und 60er Jahren wurde das Gesicht des Ortsvereins von Männern wie August Gistel, Josef Pfaff und Karl Kirch geprägt. August Gistel gehörte dem Stadtrat von 1948 bis 1972 an. Zusammen mit Josef Pfaff erhielt er bei den Stadtratswahlen 1956 die meisten Stimmen aller gewählten Stadträte. Josef Pfaff gehörte dem Stadtrat von 1956 bis 1983 an.

Dieter Söllner ist seit 1984 Ortssprecher des Volkacher Ortsteils Krautheim und seit 1992 Stadtrat. Seit der Kommunalwahl 2008 gehören Margit Hofmann und Frank Hofmann dem Kitzinger Kreistag an. Einen großen politischen Erfolg feierte die Volkacher SPD mit dem Einzug von Frank Hofmann in den Bundestag im Herbst 1994. Damit war die Mainschleife erstmals mit einem Abgeordneten im Deutschen Parlament vertreten.

Seit 1970 waren Franz Stumpf, Lutz Trötschel, Wolfgang Härtel, Jürgen Wagner und Frank Hofmann die Vorsitzenden der Volkacher SPD. Zum aktuellen Vorstand gehören neben Söllner noch Bärbel Nikola-Bier (2. Vorsitzende) und Willi Freibott (Kassier). Bei der Zahl der Mitglieder spiegelt sich die allgemeine Tendenz auch bei der SPD wider. "Die Leute wollen sich nicht mehr langfristig engagieren und binden", sagt Söllner und sieht darin die Gründe für die sinkenden Mitgliederzahlen. Rückblickend stellt er fest, dass die Arbeit in den zurückliegenden 18 Jahren nicht mehr, aber anders geworden ist.

Das Zusammengehörigkeitsgefühl im Stadtrat sei früher stärker gewesen. Im Ortsverein sei das Miteinander dagegen prächtig. "Wir arbeiten bestens zusammen."

Die Ausstellung

Die Ausstellung "150 Jahre Deutsche Sozialdemokratie - 90 Jahre SPD Volkach" ist vom 12. bis 28. Juli zu den üblichen Öffnungszeiten in der Barockscheune zu besichtigen. Der Eintritt ist frei. Schulklassen oder Gruppen können auch außerhalb der Öffnungszeiten einen Termin vereinbaren bei Dieter Söllner, Tel. 09381/9648.