Abtprimas Notker Wolf hat zwei Gesichter. Als oberster Benediktiner schätzt er Ruhe und Besinnlichkeit, als Musiker liebt er es laut und rockig. Einen Tag nach seinem 73. Geburtstag trat der Abt am Samstag mit seiner Band "feedback" in Münsterschwarzach auf. Mit Querflöte und E-Gitarre brachte er die Turnhalle zum Rocken. Die Besucher bekamen ein unverwechselbares Konzert geboten - über drei Stunden gab es Rock und Pop vom Feinsten.

Cheforganisator Michael Aust war stolz und glücklich, dass es mit dem Konzert geklappt hatte. Das Egbert-Gymnasium fungierte als Veranstalter. Die Band "feedback" war zunächst eine Schülerband des Benediktiner-Gymnasiums St. Ottilien, einer Partnerschule des Egbert-Gymnasiums. Ihr Konzert ist in gewisser Weise ihr Beitrag zum aktuellen Jubiläumsjahr der Abtei Münsterschwarzach.

Hinzu kam, dass im Kloster Niederaltaich große Hochwasserschäden zu beklagen sind.
"Wir und die Band waren uns schnell einig, dass der Erlös des Konzerts dem dortigen Kloster zugute kommt", erzählte Aust.
Die Planungen für das Konzert begannen schon Anfang des Jahres. In der heißen Phase der Vorbereitung haben einige Kollegen sowie Schüler sehr aktiv mitgeholfen.

Kindheitstraum erfüllt

Schon mit vier Jahren entdeckte der heute 73-jährige Abtprimas Notker Wolf die Liebe zur Musik. "Zuerst habe ich gesungen", verriet er. Mit etwa zehn Jahren hat er Block- und Querflöte gelernt und wesentlich später kam dann auch noch das Gitarrenspiel hinzu. Mitten im Plaudern wird der Abtprimas aus dem Gespräch gerissen. Er muss zum Soundcheck auf die Bühne. Mitten unter den jungen Musikern in zerrissenen Jeans und lässigen Hemden steht Notker Wolf in seiner Kutte auf der Bühne. Doch die Optik ist das einzige, was ihn von seinen Kollegen unterscheidet. Als wäre es das normalste auf der Welt, greift er zur Gitarre und stimmt sich mit den übrigen "feedback"-Mitgliedern auf den Abend ein.

"Ich übe jeden Abend auf meinen Instrumenten", verriet Wolf später voller Stolz. "Man muss schließlich in Übung bleiben." Ob er nicht manchmal komisch angesehen wird, wenn er als Abt mit E-Gitarre auf der Bühne steht? "Auch ich bin nur ein Mensch", kommt prompt die Antwort. "Ich freue mich jedes Mal sehr, wenn ich mit meinen Jungs auf der Bühne stehen und Musik machen kann."

Die meisten Lieder, die die Band an dem Abend spielt, sind eigene. Nur einige Songs, wie zum Beispiel "Smoke on the Water" sind gecovert. Doch nicht nur der Musik wegen war der Abt an dem Abend voller Euphorie. "Ich freue mich riesig hier in Münsterschwarzach zu sein, da ich mich dem hiesigen Kloster sehr verbunden fühle."
Eröffnet wurde das Konzert von der Vorband "Drop It Fresh". Sie war kurzfristig für die eigentlich vorgesehene Band eingesprungen. Kurz nach 20 Uhr löste sie die Band "feedback" ab. Erst nach einigen Songs betrat auch Notker Wolf die Bühne - und erntete lauten Applaus der Zuhörer. Von da ab gab es für die meistens älteren Zuhörer kein Halten mehr. Schnell war der Platz vor der Bühne mit tanzenden Fans der Band belagert.

Lange Anreise hat sich gelohnt

Angela und Ulrike waren extra aus Bamberg angereist, um bei dem Konzert dabei zu sein. Sie sind große Fans der Band und allen voran von Abtprimas Notker Wolf. Schon 2007 waren sie bei einem Konzert und haben den Werdegang der Band seitdem genau verfolgt. Im Internet erkundigen sie sich nach den Auftrittsorten. "Und wenn es sich so wie heute ergibt, sind wir mit voller Leidenschaft dabei", erzählen die Frauen, denen die Konzerte jedes Mal sehr gut gefallen. "Es ist eine ehrliche, großartige Musik, die man immer hören kann", schwärmen sie.