Es ist Sonntagmorgen. Kurz vor 7 Uhr kommen Peter und Fred in Schäfers Backstube am Prichsenstädter Karlsplatz 12. Es folgt Wolfgang und kurz darauf Hedwig. Dann ist die Runde komplett. Der Sonntagmorgen-Kaffeestammtisch kann beginnen, und das schon seit zehn Jahren. Die Bäckerei Schäfer in Prichsenstadt ist mehr als nur ein Laden, in dem man schnell ein paar Brötchen fürs Frühstück holt. Hier kennt man sich, hier trifft man sich, trinkt entspannt Kaffee, fühlt sich wohl und tauscht sich aus. Seit einem Vierteljahrhundert führen Karlheinz und Sigrid Plempel die Bäckerei.

Der Kaffeestammtisch trifft sich jeden Sonntagmorgen, immer genau von sieben bis acht. Für Hedwig Stoiber ist es "der schönste Stammtisch in ganz Prichsenstadt". Dieser ist gerade voll im Gange. Und es kommen weitere Kunden in den kleinen, freundlichen Laden, um sich Sonntagsbrötchen zu holen: "Dasselbe wie immer." "Wie gehabt." "Guten Morgen, Siggi, du weißt schon." Die fränkisch-minimalistischen Ansagen der Kunden reichen, damit Sigrid Plempel, die Chefin und Verkäuferin hinter der Ladentheke, genau weiß, was ihre Kunden wollen. Kein Wunder, nach einem Vierteljahrhundert kennt sie quasi alle Vorlieben und Wünsche der Stammkundschaft.

Die Bäckerei vom Onkel übernommen

Karlheinz Plempel, gebürtig aus Rüdenhausen, war nach seiner Bäcker-Lehre in Stadtschwarzach einige Zeit in einer Großbäckerei tätig. Dann unterbreitete sein Onkel, der damalige Besitzer der Prichsenstädter Bäckerei, Karl Schäfer, ihm Anfang der 1990er ein Angebot: Sein Neffe sollte bei ihm einsteigen. Zusammen hatte man eine Scheune des Anwesens zur modernen Backstube umgebaut und den Verkaufsladen vergrößert.

Als Karl Schäfer aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten musste, übernahm der damals 24-jährige Karlheinz Plempel mit seiner ein Jahr jüngeren Ehefrau Sigrid 1995 Schäfers Backstube. Für Prichsenstadt und Umgebung ein Glücksgriff. Die Versorgung mit Backwaren, hergestellt nach traditioneller Handwerkskunst, ging nahtlos weiter. Das Motto lautet bis heute: "Hier backt der Chef noch selbst." Karlheinz Plempel ist der einzige Bäcker am Backofen, und alles, was in der Ladentheke liegt, kommt aus seiner Hand, immer inspiriert von der Kreativität seiner Frau.

Tochter lernt Bäckerin

Auch die nächste Generation Prichsenstädter Bäckerei-Tradition steht schon in den Startlöchern, um den Familienbetrieb vielleicht weiterzuführen. Das jüngste Kind der dreifachen Eltern, die 18-jährige Tochter Annalena, lernt im ersten Lehrjahr als Bäckerin. Sie weiß sehr genau, was auf sie zukommen würde, falls sie die Bäckerei ihrer Eltern übernehmen sollte. Sie ist seit Kindesbeinen in der Bäckerei dabei und am Sonntagmorgen steht sie regelmäßig hinter der Ladentheke.

Individuelle Wünsche erfüllen und besondere Schmankerl kreieren. So lautet das Motto des Bäcker-Ehepaars Plempel. Was würde da besser zu Prichsenstadt passen, als der Bezug zur traditionellen Nachtwächterszunft. Eigens für das 30-jährige Dienstjubiläum des Nachtwächter-Originals Hermann Schlossnagel und zum Europäische Nachtwächtertreffen im vergangenen Jahr hatte man zwei Backwaren geschaffen: das Nachtwächterbrot und das Nachtwächterle.

Mit Letzterem, einer Art kleinem Gewürzkuchen in der besonderen Form eines Nachtwächterkopfes, schaffte man die Aufnahme in die kulinarische Landkarte der Metropolregion Nürnberg, "Unsere Originale". Für diese besondere und erfolgreiche Backkunst hat Prichsenstadts Bürgermeister René Schlehr die Bäckerei jüngst beim Neujahrsempfang ausgezeichnet. Zusätzlich überreichte Landrätin Tamara Bischof dem  Nachtwächterle-Erfinder eine Urkunde.

Fans aus Kanada und Brot an die Elbe

Fragt man in der Bäckerei nach besonderen Erlebnissen aus den vergangenen 25 Jahren, erzählt Sigrid Plempel leicht schmunzelnd von kanadischen Touristen, die von Plempels Backwaren so begeistert waren, dass sie gefragt haben, ob sie nicht ihre Bäckerei nach Kanada verlagern möchten. Einige Zeit lang verschickte die Bäckerei auch Brot aus Prichsenstadt per Post zu guten Kunden nach Hamburg.

Auch wenn es in Zeiten von Backshops in Discountern und viel SB-Ware in Lebensmittelgeschäften nicht immer einfach ist, eine traditionelle Bäckerei wirtschaftlich zu führen, ist das Ehepaar Plempel stets positiv gestimmt und bester Laune. Die Nähe zu Kunden, das gute Gespräch, die nette Geste – die gibt's nur im Bäckerladen vor Ort, Schäfers Backstube im Herzen Prichsenstadts.

Jahrhunderte alte Backtradition
Das hauseigene Chronikbuch der Bäckerei am Karlsplatz 12 in Prichsenstadt reicht zurück bis zum Jahr 1599. Die Belege zeigen, dass dort schon damals das Backhandwerk ausgeübt wurde.
Wechselte in den ersten Jahrhunderten die Besitzer-Familien relativ oft, so ist seit über 100 Jahren die Bäckerei und das Anwesen im Besitz der Familie Schäfer und deren Nachkommen. 1906 war es ein Karl Schäfer, der das Haus übernahm und Schäfers Backstube eröffnete.
Fünf Generationswechsel innerhalb der Familie dauerte es, bis ein weiterer Karl Schäfer im Jahr 1967 in die Bäckerei eintrat, um den Betrieb und das Anwesen 1995 an seinen Neffen und an Bäckermeister Karlheinz Plempel weiterzugeben, der den Handwerksbetrieb bis heute führt.