Politikinteressierte Landkreisbewohner haben am Freitag (28. April) die Qual der Wahl: Nahezu zeitgleich treten da zum „Tag des Bieres“ zwei Politgrößen auf.

In Gnodstadt (ab 19.30 Uhr) steht der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Markus Rinderspacher, auf dem Podium des Brauereigasthofes Düll. Im Jugendheim in Seinsheim (ab 19 Uhr) ist es die Europaabgeordnete Monika Hohlmeier, die zum Rednerpult schreitet.

Der Tag des Bieres hat in Gnodstadt Tradition: Schon seit 1998 treten dort in der Lagerhalle der Privatbrauerei Landespolitiker vor ein durchaus kritisches Publikum. Wer den Saal nicht schnell in seinen Bann ziehen kann, der hat auch schon verloren. Denn mit jeder Minute „Langeweile“ sinkt die Aufmerksamkeit der Zuhörer, steigt gleichzeitig der Lärmpegel im Raum.

Spreu und Weizen

Das haben schon etliche Redner erfahren müssen, manch einer zog die Konsequenz und verkürzte seine Ausführungen kurzerhand. Die biergeschwängerte Hallenatmosphäre trennt recht schnell die rhetorische Spreu vom Weizen.

Bis zum Jahr 2013 waren es ausschließlich Politiker der CSU, die sich dem stellen durften. Dann kam es zum Zerwürfnis zwischen Brauerei-Seniorchef Sebastian Rank, der den Saal und das Bier stellte, und dem CSU-Kreisvorsitzenden Otto Hünnerkopf, der für die Redner zuständig war.

Seit 2014 geht man getrennte Wege: Nach wie vor gibt es den Tag des Bieres in Gnodstadt, und seit 2015 zusätzlich einen Tag des Bieres in Seinsheim. Anstelle von CSU-Größen waren es in Gnodstadt dann zweimal Freie Wähler-Chef Hubert Aiwanger und Bayerns Bauernpräsident Walter Heidl, die für mehr (Aiwanger) oder weniger (Heidl) Stimmung in der Halle sorgten. Ihnen gegenüber standen in Seinsheim Markus Söder und Staatskanzleichef Marcel Huber. Diese Veranstaltungen gab es allerdings nicht am gleichen Tag, sondern jeweils zeitversetzt.

Das ist diesmal anders: Am Freitag stehen sich Markus Rinderspacher und Monika Hohlmeier nahezu zeitgleich im Fernduell gegenüber. Wer also beide erleben möchte, hat Pech gehabt, wobei der CSU-Termin schon lange feststand. Gnodstadt zog nach, damit Rinderspacher ans Pult gehen kann. Sich beide Politiker anzuhören, hätte angesichts des laufenden Bundestagswahlkampfs und der Bayernwahl in kommenden Jahr ja durchaus spannend sein können.

Den Saal rocken?

Schafft es Markus Rinderspacher – seit 2008 im Bayerischen Landtag und seit 2009 Fraktionsvorsitzender der SPD und damit Oppositionsführer – den Saal in Gnodstadt zu „rocken“? Dass Monika Hohlmeier, Tochter von Franz Josef Strauß und Europaabgeordnete der CSU, das kann, hat sie 2005, nur wenige Tage nach ihrem Rücktritt als Staatsministerin für Unterricht und Kultus, mit einem fast schon legendären Auftritt in Gnodstadt bewiesen.