Eine Expedition in den Dschungel, das war der große Traum des kleinen Matthias Hammer: "Wobei ich als Junge gar nicht wusste, was ein Dschungel genau ist." Mittlerweile weiß der promovierte Evolutionsbiologe nicht nur, was ein Dschungel ist. Der 45-Jährige aus Höchberg bei Würzburg war auch schon unzählige Male bei Expeditionen dabei. Mit seinem gemeinnützigen Unternehmen Biosphere organisiert er seit knapp 15 Jahren außerdem Forschungsreisen für Naturschutzfreaks aus aller Welt.

Diese Expeditionen führen ins Bergland des Altai, zu den Korallenriffen Honduras oder zu den Leoparden nach Namibia. An den Forschungsprojekten, mit denen Biosphere kooperiert, nehmen rund 500 Menschen jedes Jahr als Freiwillige teil. Das Konzept seines Unternehmens entstand am Ende von Matthias Hammers Promotionsphase in England: "Ich wollte nicht im wissenschaftlichen Elfenbeinturm bleiben." Was aber sonst tun als Biologe?

Ideen unter der Dusche

Eine Zeit lang trat Hammer auf der Stelle. Bis dahin hatte er vor allem theoretisch geforscht - und nebenbei Expeditionen für Studenten organisiert. "Eines Morgens unter der Dusche kam mir plötzlich die Idee: Warum nicht Exkursionen veranstalten für Menschen, die sich freiwillig für den Naturschutz engagieren wollen?"
Durch Zufall fand der Taucher, Bergsteiger und Triathlet einen Risikokapitalgeber. 1999 ging sein Unternehmen an den Start. Gegründet wurde es in England. Dort hatte Hammer studiert und von da stammt auch seine Frau: "Die Gründung war in England außerdem einfacher als in Deutschland." Zu jener Zeit waren die Begriffe "Volontourismus" oder "Mitmachtourismus" kaum bekannt: "Es gab zwei, drei Anbieter." Auf die Idee, abenteuerlustigen Menschen in Forschungsprojekte in der Savanne Namibias oder im Altaigebirge zu involvieren, war in Deutschland noch gar niemand gekommen. Heute boomt der Sektor: "Und es gibt immer mehr unseriöse Anbieter."

Projekte in Namibia

Sich auf solch abenteuerliche Weise ein oder zwei Wochen im Jahr aus dem Staub zu machen, das reizt Menschen jeder Couleur. "Wobei wir kaum junge Teilnehmer haben", so Hammer. Denn die haben meist nicht das Geld für den Einsatz. 3.000 bis 4000 Euro kostet die Teilnahme im Schnitt. Dafür könnte man bequem eine Woche Urlaub in einem pompösen Hotel mit Pool machen. Doch Teil eines Forschungsprojekts zu werden, das reizt vor allem ältere Menschen. Laut Hammer spielt das Alter im Übrigen aber keine Rolle: "Unsere älteste Teilnehmerin war 82." Zu den beliebtesten Projekten quer über alle Altersgruppen hinweg gehört der Einsatz in Namibia. Seit dem Jahr 2000 laufen hier Projekte mit Geparden, Leoparden und Elefanten. Zwischen August und November dieses Jahres werden wieder rund 100 Freiwillige Spuren der Tiere suchen, Kamerafallen aufstellen und Wege abgehen.

Der Trip ist immer ein Abenteuer

Expeditionen sind nicht auf den i-Punkt planbar. Der Trip bleibt ein Abenteuer: "Wobei wir versuchen, jede Reise so weit wie möglich durchzuorganisieren." Zwei Tage lang wird jeder Teilnehmer in sein Projekt eingearbeitet: "Dabei geht es darum, wie Kamerafallen scharf gestellt oder wie die SD-Karten in den Kameras ausgewechselt werden." Auch gibt es genaue Anweisungen zum Ausfüllen der Datenblätter. "Über jede Expedition wird ein Bericht veröffentlicht", erläutert Hammer. Was aus all den Daten geworden ist, die erhoben wurden, können die Teilnehmer nach der Expedition also nachvollziehen. Auch erfahren sie, wie es auf Basis der Daten mit dem Projekt weitergeht.

Weder Safari noch Survival

Eine Forschungsexpedition ist mehr als ein extraordinärer Urlaub. Sie hat weder etwas mit Safari noch mit Survivaltraining zu tun. "Den meisten Teilnehmern geht es auch tatsächlich um den Naturschutz", sagt Hammer. In einer Welt, die immer mehr zerstört wird, wollen sie einen Beitrag zum Wohlergehen von Tieren, Pflanzen und Natur leisten. Biosphere tut dies erfolgreich. Die Forschungsprojekte führten in vielen Fällen schon zu Empfehlungen, die bei der Einrichtung von Schutzgebieten berücksichtigt wurden. Hammer: "So waren wir bei der Einrichtung des Schutzgebiets im Altai sowie des Marineschutzgebiets in Australien beteiligt."