Mediation hilft, wenn die Positionen zweier Streithähne unvereinbar sind. Weil der eine etwas will, was der andere partout nicht mag. "Auf der reinen Konfliktebene wird es dabei nie eine Lösung geben", sagt Hartmut Schäffer. Der 63-Jährige ist seit fast 15 Jahren als Mediator tätig. Über 500 Mal hat er inzwischen geschlichtet. Seit zehn Jahren bietet er in Retzbach bei Würzburg außerdem Mediationskurse an. Die ziehen jedes Jahr 30 Interessierte aus ganz Franken in die Region.

Als Mediator ist Hartmut Schäffer vor allem auf Konflikte in großen Gruppen im kirchlichen Bereich sowie in der Wirtschaft spezialisiert: "Ganze Abteilungen eines Unternehmens, aber auch Vereine oder Kirchengemeinden kommen zu mir." Einmal nahmen über 400 Personen an einer Streitschlichtung teil. Dabei ging es um den Konflikt zweier Kirchengemeinden.

Doch auch Streitigkeiten zwischen zwei Personen weiß Schäffer zu beseitigen. In seiner allerersten Mediation, das war 1998, stritt ein Paar, das sich getrennt hatte, wer in dem bis dato gemeinsam bewohnten Haus bleiben dürfe. Mit Schäffers Hilfe einigten sich die beiden auf einen tragbaren Kompromiss.Vor allem im frühen Stadium eines Konflikts bietet Mediation eine Chance, auf friedliche Weise zu einer Einigung zu kommen. Schäffer: "Je länger ein Konflikt schwelt, umso gravierender sind die emotionalen Auswirkungen." Aus einst guten Nachbarn können so Menschen werden, die kein Wort mehr miteinander wechseln.

So geschehen bei zwei Männern, die sich wegen ihrer Gärten in die Haare bekommen hatten: Was von dem einen zum anderen hinüber wucherte, war für jenen eine Quelle unablässigen Ärgernisses. Durch Schäffer redeten die Nachbarn wieder miteinander - und auch hier kam es zu einer für beide annehmbaren Lösung. Seit Ende Juli vergangenen Jahres gibt es ein eigenes Gesetz für Mediatoren. "Das hat unseren Beruf deutlich aufgewertet", so Schäffer. Zum einen sind Rechtsanwälte nun gehalten, streitende Parteien auf Mediation hinzuweisen. Denn die ist wesentlich kostengünstiger als ein Gerichtsverfahren. Das neue Gesetz stellt zum anderen sicher, dass Mediationsvereinbarungen vollstreckbar sind. Sprich: Verträge haben Rechtskraft. Im Falle des Ehepaares, das sich ums Haus stritt, wurde zum Beispiel vertraglich vereinbart, dass die Frau so lange mit den Kindern im Haus bleiben durfte, bis diese groß waren. Danach musste sie ausziehen.

Worauf beruhen die verblüffenden Wirkungen des Instruments "Mediation" - wie etwa die, dass sich jahrelang verfeindete Nachbarn plötzlich wieder vertragen? Schäffer, der ein heute in Universitäten eingesetztes Lehrbuch über die Grundlagen der Mediation schrieb, bringt das Geheimnis dieser Methode auf eine einfache Formel: "Bei einer Mediation werden Konfliktgegner zu Konfliktpartnern."

Keiner soll bei einer Schlichtung sein Gesicht verlieren. Die unter dem Konflikt verborgenen Interessen beider Konfliktpartner sollen am Ende zur Geltung kommen. Die Kunst des Mediators besteht vor allem darin, herauszufinden, welche Bedürfnisse wirklich hinter einem Konflikt stecken. Im Falle des Ehepaars zum Beispiel war dem Mann das Haus vor allem deshalb wichtig, weil es aus Familienbesitz stammt und auch in Familienbesitz bleiben sollte: "Es ging ihm also gar nicht darum, direkt nach der Trennung darin zu wohnen."

Manchmal scheinen sich Menschen über Pipifax zu streiten - zumindest Außenstehende sehen dies so. Wer hinter die Kulissen zu blicken versteht, erkennt jedoch, dass es in vielen Fällen gar nicht um die banale Sache geht: "In 80 Prozent aller Konflikte besteht das Hauptproblem darin, dass es an gegenseitiger Wertschätzung mangelt." Mediation ist eine intelligente Möglichkeit, zwei Streithähne dazu zu bringen, dass sie sich wieder als Mensch respektieren. Ist das gelungen, ist man mit dem Mediationsprozess laut Schäffer "schon so gut wie über dem Berg". Denn dann sind die Streitenden endlich wieder bereit, über die Sache zu reden. Ohne sich gegenseitig böse Absichten, Neid oder Niedertracht zu unterstellen.