Trotz des Staus kommt das Motorrad rasend schnell voran. Es ist wendig und lässt die stehenden Autos hinter sich. Jedoch geht es dem Fahrer nicht um den Rausch der Geschwindigkeit. Er wird gebraucht und fährt daher mit Blaulicht und Sirene am Stau vorbei, rot-weiß das Motorrad, ein rotes Kreuz auf seiner Jacke.
Ihre Wendigkeit ist der Vorteil der Ehrenamtlichen, die bei der BRK-Motorradstreife im Einsatz sind. Selbst wenn die Autofahrer im Stau nicht daran gedacht haben, eine Rettungsgasse zu bilden - was den heranrückenden Einsatzkräften oft wertvolle Minuten kostet - kommt ein Motorradfahrer noch gut voran. Er kann an der Unfallstelle schnell Hilfe leisten. Und nicht nur das. Er kann die Situation einschätzen und entsprechende weitere Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst anfordern oder wieder abbestellen.
Dafür braucht man natürlich Erfahrung im Rettungsdienst.
"Die ersten fünf bis zehn Minuten sind wir Einzelkämpfer und müssen die Lage allein bewältigen", berichtet Hanns Strecker. Er ist seit der Gründung 1985 bei der BRK-Motorradstaffel Kitzingen aktiv. Insgesamt 19 solche Staffeln gibt es in ganz Bayern, so dass alle Autobahnen gut abgedeckt sind. "So flächendeckend wie in Bayern gibt es das nirgends sonst", weiß Harald Erhard, Geschäftsführer des BRK-Kreisverbandes Kitzingen.
Wenn andere in die Ferien fahren, sind die BRK-Motorradfahrer im Dienst. An den Wochenenden von den Pfingstferien bis zum Ende der bayerischen Sommerferien wachen sie über die Autobahnen. 40 bis 50 "Hilfeleistungen", so sagt Hanns Strecker, hat er an einem Dienstwochenende. Hinter dem Begriff "Hilfeleistung" kann sich dabei alles verbergen, ein schwerer Unfall auf der Autobahn oder auch nur eine Autopanne auf dem Seitenstreifen. "Von unendlicher Tragik bis zu lustigen Begebenheiten" hat er schon alles erlebt.
Gerade jetzt in der Urlaubszeit kommt es häufig vor, dass die BRK-Motorradfahrer Autofahrer betreuen, die nicht mehr weiterkommen. Manchmal ist den Personen schon geholfen, wenn ihnen erklärt wird, wo sie gerade sind, oder wenn ihnen eine Unterkunft vermittelt wird, berichtet Strecker. Doch nie wisse man zu Beginn der Dienstschicht, welche Einsätze sie bringen wird. "Man ist immer angespannt, wenn man auf Bereitschaft ist", erklärt er. Es gab schon Tage mit fünf oder sechs Unfällen, aber auch Tage, an denen nichts passiert ist. Schwere Unfälle gehen den BRK-lern immer noch nahe. Häufig werden diese in der Familie oder mit den Teamkollegen besprochen.
Derzeit beginnt Strecker die Bereitschaft an der Baustelle bei Biebelried. "Denn dort ändert sich ständig die Streckenführung." Käme es dort zu einem Unfall, könnte es passieren, dass Strecker andere Einsatzfahrzeuge lotsen muss. "Nachlässigkeit und Unaufmerksamkeit darf man sich einfach nicht leisten." Denn die Autobahn ist ein gefährliches Einsatzgebiet, besonders zur Ferienzeit. "Manche Autofahrer im Sommerreiseverkehr sind nicht berechenbar", ist Streckers Erfahrung.
Trotz der Gefahren und der Freizeit, die er opfern muss, macht Hanns Strecker seinen Dienst auch gerne. "Es ist ein Hobby, das mich ausfüllt", erklärt er. "Denn wenn man Leuten helfen konnte, weiß man: Man hat was geschafft."
Oft bekommen die Helfer auch Rückmeldung über das BRK, wo sich Personen für die Hilfe bedanken. Und sein Kollege Walter Günther wirft ein, dass er kürzlich von einer Frau begrüßt wurde, die mit dem Auto auf dem Seitenstreifen stand: "Gott sei Dank, dass Sie da sind!"