Würzburg
Kommunikation

Hier wohnen Mega- und Terabytes

Täglich kommen 45 000 Mails bei der Würzburger Universität an. Wie ein Server das schafft, weiß Matthias Funken vom Rechenzentrum.
Durch diese Glasfaserkabel fließen die Daten. Foto: Pat Christ
Durch diese Glasfaserkabel fließen die Daten. Foto: Pat Christ
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Auf insgesamt 55 000 Seiten kann sich jeder Interessierte über die Universität Würzburg, die hier betriebene Forschung und das umfangreiche Lehrangebot informieren. "Eine halbe Million Menschen besuchen unsere Seiten im Monat", sagt Matthias Funken. Als Leiter des universitären Rechenzentrums sorgt er für einen funktionierenden Internetauftritt, sichere Kommunikation nach innen und nach außen sowie für die Einführung neuester Computertechnik an der Würzburger Hochschule.
Nicht in die Fallen von Hackern zu tappen, stellt eine permanente Herausforderung für das Rechenzentrum dar. "Angriffe gibt es täglich", erläutert Funken. Universitäten seien beliebte Ziele von Hackern, schließlich können hier interessante Daten aus den "Thinktanks" der Institute abgegriffen werden. Vor knapp sieben Jahren verabschiedete die Universität deshalb eine eigene IT-Sicherheitsverordnung.
Seither gibt es ein Sicherheitsmanagement-Team sowie dezentrale Sicherheitsbeauftragte. Aufgabe der Sicherheitsmanager ist es unter anderem, bedrohliche Vorfälle zu dokumentieren. Funken: "Zum Glück ist bisher noch nie etwas wirklich Kritisches passiert."
Der Verkehr auf den Datenautobahnen der Universität ist immens. "45 000 Mails kommen täglich bei uns an", berichtet Funken. Rund 38 500 dieser elektronischen Nachrichten werden den Professoren, Dozenten, Sekretärinnen und Studierenden zugestellt: "Der Rest ist Spam." Die jüngsten Auswertungen zeigen, dass Mails Telefonate heute deutlich überholt haben. Pro Tag werden nur noch 18 000 eingehende Anrufe über Internet zugestellt.

3D-Labor wird eingerichtet

Der Speicherplatz beträgt 300 Terabyte, das sind über 300 Millionen Megabyte. Um alle Daten schnell zu übertragen, ist die Uni Würzburg, wie alle anderen bayerischen Hochschulen auch, an das leistungsstarke Wissenschaftsnetz des Vereins zur Förderung eines Deutschen Forschungsnetzes (DFN) angeschlossen.
Im unteren Geschoss des Rechenzentrums befindet sich ein Raum, der den zentralen Maschinenraum aus dem Erdgeschoss noch einmal komplett abbildet. Im Keller stehen Studierenden und Beschäftigten außerdem Räume zur Verfügung, die mit hochwertiger Technik ausgestattet sind. Hier können Videos geschnitten, große Vorlagen oder Dias gescannt sowie Audiodateien bearbeitet werden. In Kürze wird außerdem ein 3D-Labor eingerichtet. Erstmals haben Dozenten und Studierende dann die Möglichkeit, dreidimensionale Projektionen, Scans und Drucke anzufertigen. "Vor allem die Mathematiker haben daran großes Interesse", sagt Funken.
Feuer, Rauch oder Löschwasser stellen ebenso wie Hacker eine latente Gefahr für Rechenzentren dar. Natürlich wird in Würzburg alles getan, um solche Katastrophen zu verhindern - etwa durch massive Brandschutztüren. Doch wenn es zum GAU käme und das gesamte Gebäude in Flammen aufgehen würde? Unwahrscheinlich, aber nicht absolut ausgeschlossen. Deshalb begannen die Leiter der Rechenzentren an Bayerns Universitäten vor kurzem mit ersten Gesprächen über einen Datenaustausch. So könnte zum Beispiel ein Teil der in Würzburg mehrfach gesicherten Daten zusätzlich in Bamberg, Nürnberg oder München gespeichert werden.
In den kommenden zwölf Monaten stehen weitere Neuerungen an. So soll ein Hochleistungscomputer Einzug ins Rechenzentrum halten. Funken: "Dann rechnen wir im Wortsinn wieder - und werden unserem Namen abermals gerecht." Eigentlich sei das Rechenzentrum heute eine IT-Servicezentrale. Im "Institut für angewandte Mathematik mit Rechenzentrum", das 1961 an den Start ging, wurde hingegen noch wirklich gerechnet. Die ersten sechs Jahre in der Geschichte des Zentrums geschah dies mit einem ZUSE Z22R. Erst von 1982 an gab es PCs für die Beschäftigten der Uni. Heute hat die Hochschule Tausende Computer: "Und 34 000 Accounts."

Rechenzentrum In Rechenzentren wird die zentrale Rechentechnik großer Organisationen oder Betriebe untergebracht und organisiert. Universitäre Rechenzentren bieten darüber hinaus Kurse und Beratung an. Im Rechenzentrum der Würzburger Universität wird in wenigen Wochen der
15 000. Schulungsteilnehmer erwartet. Jährlich werden über 200 Kurse organisiert. Im Würzburger Rechenzentrum sind rund 50 Mitarbeiter beschäftigt, außerdem stehen fünf Ausbildungsplätze sowie knapp 25 Plätze für studentische Hilfskräfte zur Verfügung. Universitätsweit gibt es inzwischen 300 mit Medientechnik ausgestattete Räume, für die das Rechenzentrum zuständig ist.