Fränkischer Hof in Marktbreit schließt: Wirt spricht über Depressionen
Autor: Jürgen Wittrin
Marktbreit, Sonntag, 01. November 2026
Lange kämpfte er weiter, obwohl er merkte, dass etwas nicht stimmt. Im Gespräch mit inFranken.de schildert der fränkische Wirt, warum er sein Lokal schließt und wie seine Zukunft aussieht.
Es gibt Momente im Leben, die einem vor Augen führen, dass es nicht mehr wie bisher weitergehen kann. Auch Noah Weißenberger (31) kam an diesen Punkt. Er habe gewollt, dass die Menschen es von ihm selbst erfahren, betont er im Gespräch mit inFranken.de. "Ich muss euch was mitteilen", schreibt er Ende Oktober auf Facebook. Der 31-jährige Familienvater betreibt in der Stadt Marktbreit (Landkreis Kitzingen) die Gaststätte "Fränkischer Hof". Nach knapp sechseinhalb Jahren in der Selbstständigkeit zieht er jetzt die Notbremse. Er wird das Lokal Ende des Jahres schließen. Der Grund: Depressionen.
Laut aktuellen Angaben des wissenschaftlichen Instituts der AOK leiden 12,39 Prozent der Bevölkerung in Deutschland an Depressionen. Damit zählen sie zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im Land. Handelte es sich bei der Erkrankung früher noch um ein Tabuthema, geht die Gesellschaft heute weit offener damit um. Das sieht man auch an Beispielen wie denen von Noah Weißenberger. Er wagte den Schritt nach vorn. Über Social Media richtete er sich Ende Oktober in einem emotionalen Post an die Öffentlichkeit und gab bekannt, dass er den Fränkischen Hof aufgrund von Depressionen schließen wird. Allgemein gelten psychische Erkrankungen als einer der Hauptgründe, warum Menschen ihre Arbeit nicht ausüben können.
Fränkischer Hof in Marktbreit schließt: "Habe eigentlich zu lange festgehalten"
Oft fällt es Menschen nicht leicht, ihre eigene psychische Verfassung einzuordnen. So ging es auch dem 31‑jährigen Wirt. Bereits im Sommer 2025 merkte er, dass irgendwas nicht stimmt. Doch: "Ich habe es damals noch nicht kapiert", schildert Noah Weißenberger gegenüber inFranken.de rückblickend. Er selbst habe seinen Job als Lebensaufgabe verstanden, der ihm auch immer viel bedeutet habe.
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Gerade die fünfjährige Zusammenarbeit mit seinem Vater, der bis vor eineinhalb Jahren als Küchenchef im Fränkischen Hof gearbeitet hat, bedeutete ihm viel. Als dieser in Rente ging, hat das Weißenberger emotional mitgenommen. Ein ehemaliger Arbeitskollege des 31-Jährigen übernahm den Posten. Gleichzeitig wurde das Konzept überarbeitet. "Wir sind ein paar Schritte weitergegangen", sagt der Wirt. Seitdem arbeiten sie handwerklicher und mit mehr Komponenten auf dem Teller, die Weinkarte wurde erweitert und noch mehr. Manch ein Wirtshaus in Franken ist älter als ganze Nationen.
Gleichzeitig wurde der Alltag immer mehr zu einer Belastung. Es hätte ihn mehr Energie gekostet, zu den Gästen zu gehen, hätte Bestellungen nicht geschafft oder teils nicht auf Nachrichten reagiert.
Wenn es nicht mehr geht: "Habe eigentlich viel zu lange festgehalten"
Der Höhepunkt war die Entwicklung eines "Fluchttriebs", wenn er es nicht mehr aushielt. Er sei nachts mit dem Auto oder dem Fahrrad einfach zwei, drei Stunden weggefahren. Anfangs habe er nicht Bescheid gegeben, was zu großen Sorgen bei Familie und Kollegen geführt habe. "Ich musste erst lernen, Bescheid zu sagen", meint er.
Die schlussendliche Entscheidung zur Schließung der Wirtschaft, ist ihm alles andere als leicht gefallen. "Wenn man ehrlich mit sich ist: Ich habe eigentlich zu lange festgehalten", sagt er. Der große Sommerurlaub im August 2026 änderte das. Ein beliebtes Kuchencafé schließt ebenfalls bald.